Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St.Gallen

«Willkommen, unsere Türen sind offen». Dies gilt für fast alle reformierten Kirchen im Kanton St.Gallen. Gleiches gilt auch, wenn Sie ein Anliegen an uns haben. Wenden Sie sich an Ihre Kirchgemeinde.

Oder Sie setzen sich direkt mit der Kantonalkirche, also der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, in Verbindung. Sie finden uns am Oberen Graben 31 in 9000 St.Gallen. Erreichbar sind wir in der Regel werktags von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr unter 071 227 05 00 oder per Mail unter info@ref-sg.ch.

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«Bildung ist ...

... eines der wertvollsten Gemeingüter, die eine Gesellschaft produzieren kann.»

Prof. Dr. Ulrike Landfester

 

... ein Grundauftrag von Kirche, weil ihr Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums immer auch Bildung erfordert und Bildung freisetzt.»

Prof. Dr. Hans Jürgen Luibl

Kirchliche Bildungsarbeit

Glaubensbildung fördert die Fähigkeit, mit anderen Menschen über ihren Glauben zu sprechen, sich auszudrücken und andere in ihrem Glauben zu verstehen. Gottesdienste feiern, auf das Evangelium hören, Abendmahl feiern, beten, religiöse Kunst und religiöse Rituale aber auch freundschaftliche Gespräche in Alltagssituationen helfen dabei. Glaubensbildung ist nicht zu verwechseln mit dem Lernen von Glauben. Es geht darum, sprachfähig zu werden, zu reflektieen und zu bekennen.

Religiöse Bildung vermittelt Wissen über Religionen und ermöglicht im interreligiösen Dialog Begegnungen. Hilfreich dafür ist Einfühlungsvermögen für unterschiedliche religiöse Lebensdeutungen und das wechselseitige Durchdringung von Eigenem und Fremdem. In diesem Sinne ist religiöse Bildung Teil allgemeiner Schulbildung und des lebenslangen Lernens in pluralistischen Gesellschaften.

Theologisch-ethische Bildung befähigt Erwachsene zur Meinungsbildung und verantwortlichem Handeln im persönlichen Leben, in Kirche und Gesellschaft. Durch sie werden Menschen, die das eigene Leben gestalten, begleitet. Oft wird die christliche Tradition neu erschlossen und Erfahrungen von Glaubens ermöglicht. Dadurch werden Menschen mit der kirchlichen Gemeinschaft sozialisiert.

Bildungspraxis in der Bibel

Erzählung und Ritual: Bildung fängt im Alten Testament mit einer Befreiungsgeschichte an. Gott befreit die Israeliten aus der Sklaverei und führt sie ins gelobte Land. (5. Mose 6,20-25) Das wird immer wieder in Erinnerung gerufen in Entscheidungssituationen, um daraus Kraft und Mut für die Zukunft zu gewinnen. Erinnert wird wenn das Passafest gefeiert und vom Auszug aus Ägypten, der Bewahrung in der Wüste und der Sehnsucht nach dem gelobten Land erzählt wird. Im Neuen Testament spricht Jesus bei der Anordnung zum rechten Feiern des Abendmahls: „Ich habe nämlich vom Herrn empfangen, was ich auch an euch weitergegeben habe ...“. (1 Kor 11,23) Was Jesus hier zum Gedächtnis anordnet, ist eine Sache Gottes selber. So erinnern wir uns und feiern im Abendmahl die Tat Gottes.
Weisheit und Lebensgestaltung: Durch Einflüsse der griechischen Kultur entstand u.a. im Buch der Sprüche die Weisheit als neues Bildungsverständnis. Weisheit als gebündelte Erfahrungen wird zur Orientierung für das gelingende Leben. Das Faszinierende an der biblischen Weisheit ist, dass sie weltliches Wissen aufnimmt und dieses zu religiösem Orientierungswissen wird. Da muss man nichts mehr glauben, man kann hinsehen und die eigene Welt verstehen. (Sprüche 8,22-36)

 

Reformatorische Bildung für das Leben

Die Teilnahme am Gottesdienst in den reformatorischen Kirchen setzt Bildung voraus. Die Predigt zielt darauf ab, die Kenntnis Gottes und der Bibel sprachlich zu vermitteln und Gottes Wort Raum zu geben. Übersetzungen in die Volkssprache motivieren, die Bibel selber zu lesen. Im Religionsunterricht für Kinder und in Kursen für Erwachsene wird das richtige Verständnis von Texten und Glaubenstraditionen gelehrt, aber auch debattiert. Seit Luther, Zwingli und Calvin vermittelt Bildung Wissen und Fertigkeiten, die zur besseren Gestaltung des Lebens dienen. Bildung soll im Alltag nützlich werden.

Kirchliche Bildung in der Öffentlichkeit

An öffentlichen Bildungsveranstaltungen kann eine christliche Perspektive ins Gespräch gebracht werden. Bildung in Verbindung mit Kultur wurde im Laufe der Neuzeit für viele Menschen zu einem prägenden Lebenskonzept. Über das Thema Bildung können reformierte Perspektiven auch in nichtkirchlichen und säkularen Kreisen eingebracht werden. Es eröffnen sich den Kirchen damit neue Chancen auf einen Dialog. Evangelische Bildung gibt Zeit, selber zu gestalten und damit den Bildungsprozess selber mit zu verantworten. Darauf nimmt der Slogan „selber denken“ Bezug. Evangelische Bildung ist offen für die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und ist ökumenisch sowie interreligiös im Dialog.

Lernorte und Formate

In der kirchlichen Bildungslandschaft ergänzen sich lokale und übergemeindliche Lernorte. Tagungszentren und Akademien gehörten in Europa zu den herausragenden Orten in der evangelischen Bildungstradition. Orte mit einem spezifischen Programm wie Offene- oder Kulturkirchen, aber auch Kirchgemeindehäuser sind unverzichtbar für die kirchliche Bildungslandschaft. Innerhalb der Kirche als Lerngemeinschaft haben sich zudem besondere Formate des Bildungshandelns bewährt. Mit Aussprachesynoden, Kirchenbezirkstagungen, Retraiten sowie an ordentlichen Synoden oder evangelischen Kirchentagen werden aktuelle Themen für Kirche und Gesellschaft bearbeitet.