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Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter
Lesen Sie hier einige Portraits von kantonalkirchlichen Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern und erfahren Sie, wie die Portraitierten ihre Selbstwirksamkeit entfalten!
Claudia Kühne hat eine kognitive Beeinträchtigung, sie braucht mehr Zeit bei der Bewältigung von Aufgaben. Doch ihre Überzeugung, dass alle Menschen ihre Stärken haben, treibt sie weiter an. Ihre eigenen zeigt sie beim Betreuen von Menschen, beim Freude schenken und bei der Liebe fürs Detail.
9 Uhr morgens. Claudia Kühne steht mit einem Glas Hahnenwasser in der Hand im Lift. Wie jede Woche hat sie am Donnerstag frei. Normalerweise nutzt sie den Tag, um einkaufen zu gehen. Doch heute hat sie abgemacht, um von ihrem Engagement als Selbstvertreterin bei der reformierten Kantonalkirche St. Gallen zu erzählen. Noch bevor der Lift das dritte Stockwerk erreicht, kommt sie auf ihren bisherigen Morgen zu sprechen. «Ich war heute schon im Frühpilates.» Dies besucht sie jeden Donnerstag. «Das gibt mir sehr viel.» An den anderen Wochentagen arbeitet die 56 Jährige im Pflegeheim Bruggen. Dort betreut sie die Bewohnenden, serviert ihnen einen Kaffee und nimmt sich Zeit für Gespräche. «Es ist sehr schön, die Bewohnenden unterstützen zu können.» Umgekehrt wird sie auch von den Bewohnenden sehr geschätzt.
Sich die nötige Zeit nehmen
Claudia arbeitet bereits seit 36 Jahren im Pflegeheim Bruggen, noch immer gefällt es ihr dort sehr. Nach ihrer Anlehre als Haushaltlehrtochter wechselte sie für ein Praktikum in das Pflegeheim und blieb anschliessend dort. Sie machte den SRK Kurs als Pflegehelferin und den Betagtenpflegekurs SRK, bildete sich mit verschiedenen Kursen weiter. Seit Frühling 2018 ist Claudia beim Frühstücksdienst auf der Abteilung tätig, sie serviert den Kaffee und streicht Brote, erfragt den Menüplan und geht auf individuelle Wünsche ein.
Wegen ihrer Einschränkung brauche sie für gewisse Arbeiten halt etwas länger. Deswegen passe ihre jetzige Aufgabe auch so gut zu ihr. «Ich bin jemand der für die Bewohnenden Zeit hat.» Man kann sich gut vorstellen, wie Claudia Kühne mit ihrer Geduld und Ruhe eine Abwechslung in den sonst oft durchgetakteten Arbeitsalltag im Pflegeheim bringt. Diese Ruhe und Geduld kommen bei ihr nicht von ungefähr. Ihr Vater hat viele Bilder und Kunstsäule mit ganz verschiedenen Materialien gestaltet. Eine Kunst, die viel Geduld und Ausdauer erfordert. Ebenso ihre Beziehung zur Familie. Da erstaunt es kaum, dass Claudia Kühne ihren Vater bis zu seinem Tod vergangenen September intensiv begleitete, an seinem Bett sass, seine Hand hielt und immer und immer wieder versuchte, ihm Kraft zu geben. Die St. Gallerin erzählt davon mit einer Ausgeglichenheit. Ihre zwei offenen, grossen Augen blicken durch die breite Kunststoffbrille hindurch und strahlen eine Präsenz aus. Ihr Körper und ihre Stimme sind von einer inneren Ruhe geprägt. Nach einer kurzen Pause sagt sie: «Jeder hat seine Fähigkeiten.»
«Menschen, die Unterstützung brauchen»
Solche Fähigkeiten können auch erlernt werden. Dafür besuchte Claudia Kühne verschiedene Kurse Selbstvertreterin bei Pro Infirmis. «Ich habe gelernt, vor Leute zu stehen, mich selbst zu vertreten oder Grenzen zu setzen.» Unter anderem hat sie im Rahmen eines Kurses mit anderen einen Chäsehörnlistand am St.Galler Fest organisiert. Diese Erfahrungen kommen ihr zugute, wenn sie sich in Vereinen wie «Lodi goo» oder «Kultur für Alle» engagiert. Beides sind Vereine, die sich für die kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung einsetzen. Dass sie bei beiden Angeboten nicht einfach nur dabei ist, zeigt sich spätestens als sie zur Untermalung ihrer Erzählungen je einen Flyer zu den Angeboten hervornimmt.
Die 56 Jährige ist überzeugt, dass alle Menschen ein Recht auf Inklusion haben. Das heisst für sie, dass die Gesellschaft als Miteinander von Allen – ob jung, alt, mit oder ohne Beeinträchtigung – verstanden wird. Ihr macht es Freude, wenn sie sich mit ihrer Freizeit für mehr Inklusion einsetzen kann. Sei dies bei einer Tandemführung in einem Museum, beim Sensibilisieren auf Sehbeeinträchtigungen mit Hilfe von Augenbinden oder beim Vernetzen im Netzwerk «Kulturinklusiv» von Pro Infirmis. Für sie geht dieses Engagement in eine ähnliche Richtung wie ihre Arbeit im Pflegeheim: «Es sind Menschen, die auf eine Weise Unterstützung brauchen.»
«Einfach dazu gehören können»
Als Selbstvertreterin in der reformierten Kantonalkirche hat Claudia Kühne einen weiteren Ort, um sich für mehr Inklusion einzusetzen. Dass dies in einem kirchlichen Rahmen ist, passt ihr gut. Selbst hilft sie immer wieder an verschiedenen Projekten in ihrer Kirchgemeinde mit. Dies widerspiegelt sich auch in ihrem Wunsch für die Entwicklung der Kirche: «Ich wünsche mir, dass Menschen mit Beeinträchtigung einfach dazu gehören können.» Dafür brauche es aber nicht unbedingt neue Angebote, sondern vor allem die Bereitschaft, alle Menschen mitzunehmen. Sei dies in einem Chor oder wie in ihrem Fall beim Zmorgen-Vorbereiten nach einer Rorate.
Eine Aufgabe die ins Bild von Claudia Kühne passt. Mit kleinen Details Personen eine Freude schenken, ihnen helfen. Sei es dem Vater die Hand zu halten, den Bewohnenden im Pflegeheim einen Kaffee zu servieren oder in der Selbstvertretendengruppe die Kirche niederschwelliger zu gestalten.
(Text: Diego Müggler)