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Gospel aus 5000 Kehlen
Andreas Graf hat das European Gospel Festival in Stuttgart besucht. Sein Erlebnisbericht lädt ein, sich von der Gospelmusik berühren zu lassen.
(20. Mai 2026) Als ich die Porsche-Arena betrat und auf einen Blick 5000 gospelbegeisterte Menschen sah, schwebte ich fast vor Begeisterung. Vorfreude lag förmlich in der Luft. Sie hatte mich schon zuvor begleitet – in der U-Bahn, wo ich gemeinsam mit einem Gospelchor aus Minsk unterwegs war. Spätestens da wurde mir klar: Dieses Wochenende wird ein einmaliges Erlebnis!
Das European Gospel Festival 2026 ist ein dreitägiges Musikfestival, bei dem Chorsängerinnen, Solisten, Chorleitende und Gospelfans zusammenkommen, um die Gospelmusik und den Glauben zu feiern. In Stuttgart erwartete uns ein vielfältiges Programm aus Konzerten, Workshops und gemeinsamen Chorproben. Das Festival eröffnete mit einer fulminanten, vierstündigen Gospel-Celebration – eine Mischung aus Konzert, Begrüssung, Vorstellungsrunde, gemeinsamem Singen und Gottesdienst. Voller Eindrücke und angenehm erschöpft fiel ich gegen Mitternacht im Gemeinschaftsquartier – einer Turnhalle eines Gymnasiums – in meinem Schlafsack in tiefen Schlaf.
Am nächsten Morgen ging es früh weiter: duschen, frühstücken, U-Bahn – und um neun Uhr die erste grosse Chorprobe. Die Dimensionen waren beeindruckend: Tenöre und Bässe standen unten in der Mitte der Arena, die Sopranistinnen füllten den rechten Flügel, die Altistinnen den linken. Mehrmals lief mir ein Schauer über den Rücken, wenn die Frauenstimmen von beiden Seiten erschallten und sich in der Mitte vereinten. Wenn dann noch die Band einsetzte und ein frisch eingeübter Song plötzlich kraftvoll zum Leben erwachte, wurde aus der Probe im Handumdrehen ein grosses Konzert.
Nach drei Stunden waren meine Stimmbänder zwar deutlich strapaziert, doch viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht – am Nachmittag warteten die Workshops. Die Auswahl war riesig, doch dank drei Durchgängen à 75 Minuten konnte ich mehrere Angebote besuchen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Ulrike Wahren und Peter Stolle. Mit einer gelungenen Mischung aus Lehrveranstaltung und Comedy führten sie uns mit vielen praktischen Übungen in die Complete Vocal Technique (CVT) ein. Faszinierend war, wie sich mit ein paar gezielten Kniffen plötzlich der Klang eines ganzen Saals veränderte – und wir klangen stellenweise wie Jan Delay, Udo Lindenberg oder eine Herde Schafe.
Der Abend stand ganz im Zeichen der „Nacht der Chöre“. Überall in der Stadt wurde gesungen: in Kirchen, auf Plätzen und auf Open-Air-Bühnen. Ich entschied mich, durch die Strassen zu schlendern und meinen Ohren zu folgen – immer dorthin, wo mich die nächste Melodie hinzog.
Am Sonntagmorgen ging es für die zweite grosse Chorprobe zurück in die Arena. Die Stimmung war weiterhin fröhlich, selbst wenn man der einen oder dem anderen die Müdigkeit ansah. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gottesdienst, bei dem wir noch einmal alle Lieder sangen: ein bewegender, kraftvoller Moment.
Neben vielen Liedern, neuen Impulsen und praktischen Tipps nehme ich vor allem zwei Dinge mit. Besonders nachgeklungen ist bei mir die Botschaft von Volney Morgan, der vor dem Imposter-Syndrom warnte. Der ständige Vergleich mit anderen und die Frage, ob man „gut genug“ ist, seien keine guten Begleiter. Ich musste lachen, als er mit einem Augenzwinkern sagte: „When you're singing Gospel, you are exactly where you are meant to be, no matter what.“ Frei übersetzt: Wenn du Gospel singst, dann bist du genau dort, wo du meinst zu sein, egal wo.
Eine Teilnehmerin wurde bei der Eröffnungsfeier gefragt, warum sie hier sei. Ihre Antwort hat mich berührt: „Gospelmusik erreicht Stellen in der Seele, wo ich anders nicht hinkomme.“
So möchte auch ich euch einladen, euch immer wieder neu von der Gospelmusik berühren zu lassen. Und ganz besonders würde ich mich freuen, wenn viele von euch dabei sind, wenn es in zwei Jahren wieder heisst: Welcome to the European Gospel Festival! Andreas Graf