Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Jubiläumsjahr 2003: Ein Werk zweier Obertoggenburger erklingt in Wattwil

Zum Jahr der Bibel sangen 28 Chöre von St. Galler Kirchgemeinden die Motette von Peter Roth und Hansruedi Fischer. Bericht von der Uraufführung.
 

"Je häufiger wir die Motette sangen, desto mehr ist sie mir ans Herz gewachsen", sagt eine Sängerin nach dem Abendgottesdienst vom 22. Juni 2003 in Wattwil. Gemeinsam übte sie mit 28 Chören aus dem Kanton St, Gallen die Motette, die zum 200 Jahr Jubiläum der reformierten Kantonalkirche geschrieben wurde.

Zum Jubiläum lud die die Kantonalkirche St. Gallen sieben schreibgewandte Personen ein, in einem anonymen Wettbewerb den achten Psalm zu interpretieren. Die Jury hat die Version von Hansruedi Fischer aus Wildhaus ausgewählt. Peter Roth, der bekannte Toggenburger Musiker, komponierte dazu die Melodie.
Nicht nur in Wattwil, auch im Rheintal, in St. Gallen und in Wil wurde die Motette von Peter Roth und Hansruedi Fischer zum verbindenden Element der 28 Kirchenchöre mit den rund 900 Sängerinnen und Sängern. "Es ist ein wunderschönes, eingängiges Werk", sagt die Sängerin aus Wattwil und strahlt. "Die Motette war nicht schwierig einzuüben und sie berührt mit Text und Musik in der Tiefe des Herzens". Bereits im Winter haben sich interessierte Chorleiterinnen und Leiter in St. Gallen mit Peter Roth und Hansruedi Fischer getroffen und sich anstecken lassen von der Aussagekraft des Textes und der Musik.
 

Hoffnungsvolle Wegrichtung

"Nahe bei Gott, nahe bei den Menschen" heisst das Leitwort des Jubiläumsjahres. Als "Nahe bei Gott und nahe bei den Menschen" definiert sich die Kirche heute. Darum galt die Vorgabe des Wettbewerbs, neben der Interpretation des 8. Psalms auch diesen Leitsatz zu verwenden. Was Hansruedi Fischer, Kommunikationsbeauftragter der reformierten Kirche des Kantons St. Gallen daraus gemacht hat, klingt stark und hoffnungsvoll. Er spricht Menschen an, die in der Kirche beheimatet sind, ebenso wie Menschen, die sich der Kirche fremd fühlen, denn er nimmt die urmenschliche Sehnsucht nach sinnvoller Ausrichtung auf, weist aber unbelastet die Richtung. "Nahe bei dir, werden auch wir, Nachbarn, Geschwister, Gemeinde in dir."

  

Am 22. Juni kommt es zur Uraufführung der Motette, die aus Anlass der 200-jährigen reformierten Kirche des Kantons St. Gallen komponiert wurde. Bild: meka

Loblied

Der 8. Psalm ist ein Loblied, das David zugeschrieben wird. Darin preist er Gott. Ihm gebührt Macht und Herrlichkeit. Staunend bewundert der Psalmist die Grösse Gottes, die Weite des Himmels. Ehrfürchtig ist er sich bewusst, dass Gott dem Menschen, klein und schwach nur, zugewandt ist und ihm die Schöpfung anvertraut hat. Hansruedi Fischer hat die Stossrichtung dieses Psalms aufgenommen und in neuen, bildhaften Begriffen interpretiert. "Weltenweiten weiten sich zu Ewigkeiten", "Freund und freundlich zu allen" beschreibt er Gott. Die Sterne nennt er "erdenfern" und den Mond als "Wächter, kalter Nächte". Und schlicht drückt er Gottes Zuneigung zu allem Lebenden damit aus, dass selbst die Menschen, einschliesslich der Kinder Gott nicht zu schade sind. Gottes Liebe überquillt, ist Licht und Wasserquelle und führt aus der Dämmerung.
Diesen Lobpreis hat Peter Roth in seinem Lied aufgenommen. Unüberhörbar ist die Handschrift des bekannten Toggenburger Musikers zu hören. Immer wieder schimmern die Klänge des Alpsteins durch, verbinden sich mit klassischen Elementen, bringen Dynamik und Spannung, die sich wieder auflösen in Ruhe und Harmonie. Das vierstimmige Lied nimmt die Weite des Texte in seinen Melodiebogen auf, tanzend, leise, jubelnd und gross. Die Motette wird von Margret Herzog geleitet, an der Orgel spielt Thomas Ulsamer, auf den Trompeten Andi Graf und Michael von Niederhäuser. Mit einem für Peter Roth typischen Amen verklingt das Lied und mündet ein in eine lange Stille in der Kirche.

Kirchenmusik

Die Chöre aus der Region (Uznach, Wildhaus, Nesslau, Wattwil, Lichtensteig und Degersheim sowie ein ad-hoc Chor aus Ebnat-Kappel) bereicherten gemeinsam oder chorweise den musikalischen Teil der liturgischen Feier, die von Verena Roth, Hansruedi Fischer und Pfarrer Edgar Grünenwald gestaltet wurde. Mit dem Werk von Friedrich Händel: "wie wunderbar schallt Herr dein Name" verbanden sich alle Chöre. Ein modernes Abendlied und gemeinsam mit der ganzen Gemeinde gesungene Taizélieder folgten. Dabei fehlte auch nicht ein traditioneller Spiritual, der vom ad-hoc Chor aus Ebnat Kappel unter der Leitung des jungen Dirigenten Philipp Kamm gesungen wurde. Mit dem Abendlied: "Der Tag mein Gott ist nun vergangen" schloss der Gottesdienst. Das Lied nahm noch einmal die Aussage des 8. Psalmes auf. Es lobt Gott und man weiss sich als Mensch darin geborgen.

Kathrin Oesch

grosses Künstlerbild: klicken

Die Künstler im Bild (v.l.):

 

 Originaltext der Motette
 Bilder vom Üben, Aufführungen und von der Motette


© Alle Bilder und Texte sind Eigentum der
Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, Schweiz