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Religionen, Ressourcen für den Frieden. Konsultation zum Interreligiösen Dialog auf Bali eröffnet
Vom 25.September bis 1.Oktober veranstalten mission21 und ihre indonesischen Partner einen Workshop zu Fragen des christlich-muslimischen Zusammenlebens. Ort der Zusammenkunft ist ein kircheneigenes Hotel und Konferenzzentrum auf der “Götterinsel” Bali. Die Schweizer Delegation besuchte im Vorfeld unter anderem jene Orte, an denen bei insgesamt vier Bombenanschlägen in den letzten Jahren mehr als 220 Personen ums Leben kamen.
Bei der Eröffnung zitierte Albrecht Hieber, Verantwortlicher für die Auslandsarbeit im Basler Missionshaus, eine jüngst in der Schweiz veröffentlichte Studie, nach der Menschen ohne spezifisch definierten Glauben in der Regel toleranter seien als religiös Gebundene, “sodass ich mich frage, ob wir dem Titel RELIGIONEN, RESSOURCEN FÜR DEN FRIEDEN nicht ein Fragezeichen hätten beifügen sollen″.
In der Tat sind gerade in Indonesien verschiedene Konflikte der vergangenen Jahre an den Bruchlinien von Religionsgemeinschaften verlaufen. Christliche und islamische Gotteshäuser brannten, Tausende kamen ums Leben. Die ersten Vorträge sowohl von christlicher wie islamischer Seite stimmten aber trotz unterschiedlicher Nuancierungen darin überein, dass Religion von bestimmten interessengeleiteten Drahtziehern als Mittel zum Zweck gebraucht worden ist. Migration bestimmter Volksgruppen von einem Landesteil in den anderen führten immer wieder zu Streit um Ressourcen und Machtansprüchen. Auch zentrale und lokale Regierungen sowie Polizei und Militär spielten dabei nicht immer eine rühmliche Rolle.
Die meisten der ca. 240 Mio. Einwohner Indonesiens sind Muslime, nur etwa insgesamt 10% sind Prostestanten oder Katholiken. Sie wehren sich gemeinsam mit liberaleren Muslimen dagegen, aus Indonesien ein islamisches Land zu machen. In der muslimischen Hochburg Aceh ist die Sharia teilweise eingeführt worden. Ein Gesetz gegen “Pornografie”, das allen Frauen in ganz Indonesien strikte Kleidervorschriften und Verhaltensregeln auferlegt hätte, wurde dagegen verhindert.
In der Schweizer Gruppe reisen u.a. die OeME-Beauftragten der Landeskirchen Appenzell und Schaffhausen (Doris Brodbeck), Luzern (Carmen Jud) und St.Gallen (Martin Breitenfeldt), die am ersten Tag über die religionssoziologische Situation in der Schweiz informierten. Dr.Rifa’at Lenzin berichtete aus ihrer Perspektive als Schweizer Muslima.
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
26.09.2006