Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

″Tiefer kratzen″ - Theologische Fragen erzeugen Resonanz



 
Ende Oktober startet die Reformierte Kantonalkirche einen neuen Theologiekurs. Offenbar stossen religiöse, ethische und spirituelle Fragen zunehmend auf Interesse.
 
Gegenwärtig besuchen 21 Personen den Theologiekurs der reformierten Kirche, - ein Angebot, das es seit über 20 Jahren gibt. Es ist auf eine jeweils dreijährige Dauer angelegt, doch kann man auch jährlich ein-, aus- oder zusteigen. Die Teilnehmer seien bunt gemischt, erläutert Kursleiterin Annette Spitzenberg: „Männer, Frauen, Berufstätige, Ruheständler, Kirchenferne, Kirchennahe.“ Die Altersspanne reiche von 17 bis 72 Jahren. Das Angebot sei kein Glaubenskurs, hält sie fest, sondern entspreche dem Bildungsauftrag der Landeskirche.
Das bestätigt Jacques-Antoine von Allmen, Chef der Evangelischen Erwachsenenbildung, unter deren Dach der Kurs beheimatet ist: „Es geht um den Brückenschlag, - Brücken zwischen damals und heute, zwischen den Religionen, zwischen mir und Gott“. Der Theologiekurs sei keine Berufsausbildung, sondern diene der persönlichen Auseinandersetzung. „Hier kann man seine eigenen Wurzeln kennenlernen“, fasst er den Anspruch bildhaft zusammen.
Sei der Kurs früher eher schulisch angelegt gewesen, dominiere zwischenzeitlich eine dialogische Struktur, erläutert Spitzenberg weiter: „Die Themenschwerpunkte können mitbestimmt werden.“ Die sind vielfältig. Neben der Bibelauslegung, kommt die Kirchengeschichte ebenso zu ihrem Recht wie ethische Fragen. Ausserdem werden dogmatische Themen diskutiert und der Dialog mit anderen Religionen gesucht.

Über Sinnfragen reden

Markus Knoblauch, pensionierter Arzt aus Jona, fasziniert gerade diese Bandbreite. „Mich hat Theologie schon immer interessiert“, sagt er, doch habe er während des Berufs keine Zeit gehabt, tiefer einzusteigen. Jetzt nutze er sie. Die offene Atmosphäre schätze er, in der auch Zweifel und kritische Fragen vorgebracht werden könnten. Einziger Wermutstropfen: „Mein Wissensdurst ist nur noch grösser geworden“. Manches hätte man nur ankratzen können.
Auch Priska Hasler, kaufmännische Angestellte, würde gerne noch mehr in die Tiefe gehen und verstärkt diskutieren. Sie kam über ihr Interesse an Buddhismus, Esoterik und das Enneagramm zum Kurs. „Das weckte religiöse Fragen und ich wollte mehr über das Christentum wissen“, erinnert sie sich. Ihre Erwartungen seien erfüllt worden. Sie freue sich auch darüber, dass die Inhalte nicht konfessionell eingeengt würden.

Weiter diskutieren

Im Freundeskreis habe sie erfahren, dass ihr Engagement auf Beachtung stosse: „Viele haben Sinnfragen, aber man redet meistens nicht darüber“, erklärt sie. Knoblauch hat das ähnlich erlebt. Nie sei man ihm mit Befremden begegnet, eher im Gegenteil. „Das ist sicher hochinteressant“, laute die übliche Reaktion, an die sich schon manches tiefergehende Gespräch angeknüpft habe.
Der neue Theologiekurs beginnt mit einem Einstiegswochenende am 28. und 29. Oktober in der Karthause Ittigen. Die Kursabende finden dann ab 7. November jeweils dienstagsabends von 19 bis 22 Uhr statt. Hinzu kommen neun Ganztage an Wochenenden, so dass der Kurs jährlich rund 130 Stunden umfasst. Nähere Infos und Aufnahmegesuche gibt’s auf der Homepage www.theologiekurs.ch oder bei der Arbeitsstelle Evangelische Erwachsenenbildung, Oberer Graben 31, St. Gallen; 071 227 05 30; akeb@ref-sg.ch
 
Reinhold Meier; Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung,
07.09.2006

 
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