Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

″Am Bahnhof blieb ich stehen und weinte″



 
Die Geschichte von Rahima Abdul Raheem, Tamil Nadu, Gujarat (Indien)
   
Rahima Abdul Raheem wurde in Südindien von einer alleinerziehenden Mutter und Taglöhnerin aufgezogen. Das Schicksal wiederholte sich, als ihr Mann nicht mehr von der Arbeit zurückkehrte. Bei ethnischen Konflikten verlor sie überdies beide Söhne. Reiche Inder brachten sie in die Schweiz.
 
Ich heisse Rahima Abdul Raheem, bin am 24. Juni 1959 geboren und in Semapalayam P. O. im Valipuram-Distrikt in der Nähe von Chennai, früher Madras genannt, in Südindien gross geworden. Indien ist vorwiegend hinduistisch geprägt. Die Muslime bilden in Chennai wie in ganz Indien eine Minderheit. Ich gehöre selber dem Islam an und wuchs in einem kleinen Dorf auf. Hier blieb ich, bis mein Ehemann eines Tages nicht mehr zurückkehrte.
Ich habe einen jüngeren Bruder. Meine Eltern leben nicht mehr. Mein Vater starb, als ich acht Jahre alt war. Meine Mutter verschied 1995. Der Tod meines Vaters wurde durch einen Unfall verursacht. Er erlitt einen Elektroschock, als er im Freien an einer Stromleitung arbeitete. Er erledigte kleine Aufträge, die er von Tag zu Tag erhielt. Er war Arbeiter und hielt nach Erwerbsmöglichkeiten Ausschau wie ein Taglöhner. Die Arbeitsbedingungen waren oft unsicher, und so kam es zu diesem Unglück.
Nach seinem Tod wurde das Geld sehr knapp. Meine Mutter musste von nun an die Erwerbsarbeit verrichten. Sie war jetzt wie zuvor mein Vater im Tagelohn tätig, und zwar in der Landwirtschaft. Reisdreschen war eine ihrer Aufgaben. Als sie mit 50 Jahren starb, war sie vom Leben sehr ermüdet. Allerdings waren nicht nur wir, sondern alle Familien in der Nachbarschaft arm und lebten in ähnlichen Verhältnissen. Das Wasser beispielsweise bezogen wir gemeinsam aus einem nahegelegenen Ziehbrunnen. Wir lebten alle in Häusern ohne Strom. Manchmal half ich meiner Mutter bei der Arbeit. Dies bereits nach dem Tod meines Vaters, also ab dem Alter von acht Jahren. Auch ich musste Reis dreschen. Ich steckte zudem Reissetzlinge und erntete und reinigte später den Reis. Während die Setzlinge gediehen, trug ich zusammen mit meiner Mutter Dünger aus. Es handelte sich um Kuhdung, keine künstlichen Mittel. Wir putzten überdies in Fabriken und Industriebetrieben. Und wir waren auf dem Bau tätig. Wir mischten Zement für Backsteine und trugen auch Ziegelsteine auf Baustellen. Weiter hatten wir mit Strassenunterhalt und -reinigung zu tun. Dies betraf grössere Strassen in der Umgebung.
Gelegenheit, die Schule zu besuchen, hatte ich nie. Dazu waren wir zu wenig vermögend. Lesen und schreiben konnte ich nicht, bis ich in die Schweiz kam. Wie man sich benimmt und gut aufführt, dies brachte mir meine Mutter bei. Da ich bereits ab acht Jahren arbeitete, blieb mir auch keine Zeit zum Spiel. Mich einfach nur so mit Freundinnen zu vergnügen, dies kam in meinem Leben nicht vor.
Mit 17 Jahren heiratete ich Abdul Raheem. Er war damals 22 und wohnte zwölf Kilometer entfernt von mir. Als Kind hatte ich ihn noch nicht gekannt. Wir feierten ein sehr bescheidenes Hochzeitsfest. Es gab Reis und Sauce für unsere Familien. Die Gästezahl betrug etwa zwanzig Personen. Es ging gar nicht so unähnlich zu und her, wie hier beim Mittagessen im Treffpunkt. Gekleidet war ich an meiner Vermählung in einen Sari, den ich neu erhalten hatte. Weder ich noch mein Mann brachten durch die Heirat Geld oder Güter in die Ehe. Unsere beiden Familien hatten keine Mittel übrig.
Mein Mann verdiente sein Geld auf ähnliche Weise, wie ich und meine Mutter es getan hatten – auf Tagelohnbasis. Nach der Heirat arbeiteten wir gemeinsam. Wir waren von nun an einfach zwei arme Familien, die sich zusammengetan hatten und als Taglöhner arbeiteten. Auch mein Mann stammte aus einer Familie mit bloss zwei Geschwistern. Er war ebenso wie ich Halbwaise. Auch reichere Leute haben bei uns in der Regel nur zwei oder drei Kinder.
Nach unserer Heirat bezogen wir kein eigenes Haus, sondern wohnten einmal bei meiner Mutter und dann wieder im Haus der Eltern meines Manns. Wir zogen umher und wohnten je nachdem, wohin uns die Arbeit gerade rief. Den Arbeitsweg legten wir mit dem Fahrrad zurück. Dabei hatten wir nur ein Velo, das meinem Mann gehörte. Die Gegend bei uns ist flach. Er lenkte. Ich fuhr hinten drauf mit. Auf diese Weise arbeiteten wir, bis ich nach drei Jahren das erste Kind erhielt. Wir bekamen auch noch einen zweiten Sohn, der mit wenig Abstand im vierten Jahr unserer Ehe geboren wurde. Mein erster Sohn heisst Akaber Ali. Sein Geburtsjahr ist 1979. Den zweiten Sohn, der 1980 zur Welt kam, tauften wir Hassan Ali. Unserer Religion gemäss erhielten unsere Kinder islamische Namen. Heute wären sie 26 und 25 Jahre alt.

Wir verliessen unsere beiden Wohnorte eigentlich kaum. Im Sommer 1991 – ich war damals 32 Jahre alt – fand mein Mann an einem entfernteren Ort eine Beschäftigung, etwa fünfzehn Kilometer weit weg in den Wäldern. In jener Gegend lebten auch Gangster. Ihr Anführer – er war bekannt durch seinen Schnurrbart – wurde «Sandelkönig» genannt. Im Wald lag totes Holz herum, das weggeschafft werden musste, und Bäume mussten gefällt werden. Die Arbeiter wurden mit einem Taxi zum Arbeitsort gebracht. Nach einer oder zwei Wochen kehrten sie dann wieder zurück.
Zu jener Zeit waren unsere Söhne bereits 12- und 13-jährig. Wir hatten genug Geld, um sie in die Schule zu schicken. Wir waren zwar nicht reich. Aber insgesamt ging es uns besser als zum Zeitpunkt unserer Familiengründung. Doch diesmal kehrte mein Mann nicht mehr aus dem Wald zurück. Seine Freunde kamen wieder nach Hause. Er aber war nicht unter ihnen. Ich stellte seinen Arbeitskollegen alle möglichen Fragen. Doch alle sagten dasselbe: Seit dem Samstag, dem letzten Arbeitstag, hätten sie ihn nicht mehr gesehen.
Ich habe von meinem Ehemann nie mehr etwas gehört. Ich weiss nicht, ob er tot oder noch lebendig ist. Mir fehlt einfach jede Information. Es ist möglich, dass ihm etwas zustiess – doch ich weiss nicht was. Im Wald arbeiteten nur Männer. Frauen gingen dort nicht hin. Bestimmt war es eine gefährliche Arbeit in einer unsicheren Gegend. Nach dem Unglück lag es an mir, mich und meine Kinder zu ernähren. Sofort litten wir wieder Not. Die Kinder waren noch in der Schule. Drei Jahre später starb meine Mutter. Und hernach verkaufte die Bank ihr Haus, weil ich kein Geld für den Kredit mehr hatte. Nicht wegen unserer eigenen Bedürftigkeit oder für die Schulausbildung meiner Kinder, sondern weil meine Mutter krank war und hospitalisiert werden musste, hatte ich Geld aufgenommen und mit der Bank Schwierigkeiten bekommen. Ich war auch bloss einmal hingegangen und hatte mir 10 000 Rupies geborgt. Das geliehene Geld entsprach ungefähr der Summe von 500 Franken. Als Pfand hinterliess ich der Bank das Haus. Als meine Mutter starb, konnte ich den Kredit nicht mehr rechtzeitig zurückzahlen. Und so verloren wir das Grundstück. Seitdem habe ich kein Heim mehr. Trotz den Schwierigkeiten gingen die Kinder weiter zur Schule und wuchsen heran. Nach sieben oder acht Schuljahren mussten sie die Ausbildung abbrechen. Zu diesem Zeitpunkt konnten sie lesen und schreiben. Tamilisch beherrschten sie in Wort und Schrift fliessend, Englisch ein wenig, denn sie hatten die tamilische Schule besucht. Wohlhabendere Leute senden ihre Kinder in eine englischsprachige Schule. Dort werden höhere Gebühren verlangt.
Nachdem ich im Jahr 1995 zugleich meine Mutter und unser Haus verloren hatte, zog ich mit meinen Kindern nach Gujarat um. Dies ist ein anderes Verwaltungsgebiet von Indien. Dort arbeitete ich im Häuserbau. Ich zügelte mit meinen Söhnen und einer ganzen Gruppe von Menschen. Wir gingen fort, weil wir bei uns in Tamil Nadu – der tamilischen Heimat, in der wir gelebt hatten – nicht mehr genug Arbeit fanden. Zusammen mit den Freunden aus benachbarten Häusern fuhren wir mit dem Taxi, dem Bus und dem Zug an den neuen Ort. Gujarat liegt über 1500 Kilometer von Tamil Nadu entfernt im Nordwesten Indiens. Die Kinder arbeiteten nun auch mit. Die Schule konnten sie wie gesagt nicht mehr besuchen.
Dieses Leben führten wir sechs bis sieben Jahre lang. Dann brach in Gujarat ein religiöser Konflikt aus, eine Auseinandersetzung zwischen Hindus und Muslimen. Die Hindus bilden in Gujarat die Mehrheit. In diesen Konfrontationen starben mehrere Leute. Es gab auch Zugunglücke, die auf Bomben zurückzuführen waren. Hindus versuchten auf diese Weise an ihrer Macht festzuhalten.
Einer der Aufstände währte fünf oder sechs Tage. In dieser Zeit war es unmöglich, Geld zu verdienen. Auch alle Geschäfte blieben geschlossen. Als die Situation eskalierte, rannten alle durcheinander, und die Polizei forderte die Bevölkerung zur Flucht auf. Es waren Hindu-Anhänger, die mit Gewehren schossen, manchmal aber auch Muslime. Alle fürchteten sich und flohen. Dies ereignete sich ungefähr im Februar 2001. Das Ereignis hatte für mich unaussprechliches Leid zur Folge. Weil alle Menschen in eine andere Richtung flohen, verlor ich meine Kinder. Was damals geschah, ist bis heute mein Problem. Ich weilte eine Zeit lang im Haus von Freunden. Doch meine Kinder kehrten nicht dahin zurück – auch nicht nach drei Tagen. Ich habe über das Schicksal meiner Kinder keine Informationen. Mir ist bekannt, dass viele Menschen bei den Schiessereien starben. Ich weiss jedoch nicht, was meinen Kindern zustiess. Ich bin müde. Meine Söhne verloren möglicherweise ihr Leben – doch ich weiss es nicht. Wir hatten ja kein Telefon in Gujarat. Wir waren von Tamil Nadu hergekommen und verfügten am neuen Ort über keine feste Adresse. Also konnten sie mich auch nirgendwo verlässlich erreichen. Vielleicht kehrten die Kinder nach Tamil Nadu zurück. Vielleicht halten sie sich noch in Gujarat auf. Nichts ist sicher.

Ich wanderte durch die Strassen in den Kleidern, die ich trug. Etwas anderes besass ich nicht mehr. In der Nähe der Bahnstation von Gujarat Town traf ich wohlhabende Leute, einen Mann und eine Frau. Ihnen erzählte ich, was mir und meinen Kindern zugestossen war. Sie meinten, wenn ich nach Delhi kommen wolle, würden sie mir helfen. Ich willigte ein, denn schliesslich hatte ich alles verloren.
So reiste ich nach Delhi. Fünf Monate lang lebte ich im Haus dieser Leute. Ich half in der Küche und sorgte mich um ihre noch kleinen Kinder. Es war eine traurige Zeit, weil die Kleinen, die in meiner Obhut standen, mich immerzu an meine eigenen Söhne erinnerten, die ich dadurch umso mehr vermisste. Ich mag noch heute kaum an die Zeit in Dehli zurückdenken.
Die Leute, in deren Haushalt ich arbeitete, hatten meine Geschichte auch einem Freund aus Bombay erzählt. Dieser war bereit, mich zu unterstützen, falls ich Indien verlassen wollte. Das Ehepaar aus Delhi nahm mich mit nach Bombay und stellte mich dem Freund vor. Er bot mir an, mir zu einer Reise nach Italien zu verhelfen, wo sich vielleicht Arbeit finden lasse.
Ich reiste in einem Passagierschiff. Dies dauerte einen Monat, von Februar bis März 2002. Ich hatte eine Kabine und sah nur Wasser um mich. Ich hatte nur schlechte Englischkenntnisse und konnte mich folglich nicht gut orientieren. Einmal erreichten wir ein arabisches Land namens Jemen und stiegen dort um. Wir waren eine Gruppe mit mehreren Personen. Der Mann aus Bombay reiste auch mit. Ich weiss, dass meine Freunde für mich zahlten. Sie erzählten es mir nicht. Aber mir ist klar, dass dies der Fall war. Sie hatten es getan, weil ihnen meine Geschichte ans Herz gegangen war. Ich hielt mich rund 24 Stun- den in Italien auf. An welchem Ort weiss ich wiederum nicht, weil ich mich kaum verständigen konnte. Am Tag nach der Ankunft reisten wir – eine weitere Frau und zwei Männer, die alle auch auf dem Schiff gewesen waren – im Auto weiter. Diese Reise führte uns in die Schweiz. Das Auto hatte der Mann aus Bombay nach unserer Ankunft organisiert. Er selber war nicht eingestiegen. Es ist möglich, dass er auch einen Wohnsitz in Italien hatte. Er war reich wie die Freunde aus Delhi. Sie waren alle Muslime wie ich. Dies war mit ein Grund, dass sie mir halfen.
Der Wagen brachte uns nach Lausanne. Die Reise führte durch die Nacht. Im Auto schlief ich teilweise. Der Fahrer entliess uns am Bahnhof und wendete. Meine Reisegefährten gingen ihres Wegs. Sie hatten Freunde – ich nicht. Ich blieb am Bahnhof und weinte.

Eine Frau aus Sri Lanka, die mich bemerkte, sprach mich an. Sie erkundigte sich, wer ich sei und weshalb ich weine. Ich war verweifelt – vor Einsamkeit. Schliesslich verwies mich die Frau an ein Flüchtlingscamp in Vallorbe. Sie kam selber im Zug mit mir mit. Es war morgens. Ich war übernächtigt und sehr, sehr müde. Ich verbrachte zwei Tage im Camp. Danach erfolgte ein Transport nach Chiasso. Dort lebte ich zwanzig Tage lang. Es wurden Fotos von mir aufgenommen, und ich erhielt Medikamente. Man hatte entdeckt, dass ich an Diabetes litt. Vor dieser Zeit war ich nie wegen Zuckerkrankheit behandelt worden. Seitdem nehme ich täglich zwei Tabletten der Stärke 500. Nach den Interviews in Chiasso kam ich kurze Zeit nach St. Gallen und später für sechs Monate nach Degersheim. Dann wurde mein Asylgesuch mit einem Nicht- Eintretens-Entscheid abgelehnt, weil ich keine Papiere besitze. Seitdem lebe ich illegal in diesem Land.
Es war vor etwa zwanzig Monaten – im Sommer 2003 –, als ich beim Ausländeramt zum Interview war. Ich gab dort die Adresse in Tamil Nadu an, wo meine Mutter wohnhaft gewesen war. Es hiess, dass ich aus der Schweiz weggehen müsse. Die Adresse wurde benötigt, um einen Reisepass herzustellen. Ich musste acht Fotos mitbringen und Formulare ausfüllen. Einen Monat später reiste ich auf die indische Botschaft nach Bern. Auf dem Ausländeramt in St. Gallen war mir ein Papier ausgestellt worden, das auf der Botschaft abgestempelt wurde. Danach durfte ich wieder zurückreisen und musste das Papier auf dem Ausländeramt wieder abgeben. Später fand in St. Gallen – durchgeführt von einer Frau – wieder ein Interview statt. Es ging dabei darum, dass ich 3000 Franken erhalten würde, wenn ich nach Indien zurückkehre. Ich unterschrieb das entsprechende Papier. Doch inzwischen heisst es, dass ich das Geld nicht erhalten werde, weil die politische Situation inzwischen geändert hätte. Dabei habe ich unterzeichnet. Ich mag es nicht, wenn mir Dinge erzählt werden, die nicht der Wahrheit entsprechen.
Ich warte noch immer auf den Reisepass. Vor sieben Monaten war ich erneut auf der Botschaft. Das Billett für die Fahrt hatte ich wiederum vom Ausländeramt erhalten. Ich erkundigte mich auf der Gesandtschaft nach den Gründen, weshalb ich den Pass nicht erhalte, und erhielt die Auskunft, dass er noch nicht bereit sei. Dem Ausländeramt werde es mitgeteilt, wenn es so weit sei. So kehrte ich wieder nach St. Gallen zurück. Ich hatte von neuem ein Papier vom Ausländeramt erhalten. Es war wieder abgestempelt worden, und ich hatte es wieder zurückgebracht.
Heute lebe ich im UFO, der Unterkunft für Obdachlose, in einem Raum zusammen mit einer anderen Frau, die keine Papiere besitzt. Sie heisst Genneth und kommt aus Äthiopien. Zuvor hatte ich knapp zwei Jahre an der Grossackerstrasse in einem Einzelzimmer gelebt. Vor einer Woche – am 15. März – hatte man mir auf dem Sozialamt gesagt, ich könne diesen Raum bis Ende März behalten. Jetzt musste ich mein Zuhause aber bereits früher verlassen. Das Zimmer an der Grossackerstrasse war gut gewesen. Ich hatte, während ich dort gewohnt hatte, Sozialgeld von 50 Franken pro Woche zur Verfügung. Ich erhielt kein Bargeld, sondern Einkaufsgutscheine, mit denen ich in der Migros einkaufen konnte. Jetzt bekomme ich nichts mehr.
Bis anhin schliefen viele Männer mit einem Nicht-Eintretens-Entscheid im UFO, der Unterkunft für Obdachlose. Sie wurden jetzt in einen Bunker in der Nähe des Kantonsspitals verlegt. Stattdessen leben nun wir beiden Frauen dort. In der Unterkunft, in der wir übernachten, halten sich auch Drogenabhängige auf. Genneth und ich haben gemeinsam ein eigenes Zimmer. Doch die Toilette müssen wir mit allen anderen teilen. Dies ist nicht gut. Ich habe das Gefühl, dass man mir ein zweites Mal Lügen erzählte.

Quelle: „Und es sind Menschen auf der Flucht“, Michael Walther, Rex Verlag Luzern
Erzählt am 30. März 2005 in St. Gallen
 
Michael Walther, Flawil; Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung,
01.09.2006

 
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