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Bilanz: Weltoffener Kirchentag – lokal verankert; Der Bodensee-Kirchentag St. Gallen; 5. bis 7. Mai 2006

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In St. Gallen fanden sich über das Wochenende Tausende unter dem Motto «In der Vielfalt zuhause» zum 12. Bodensee-Kirchentag zusammen – unter erfreulich grosser Beteiligung aus der Stadt. |
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Der Kirchentag und das gewohnte Leben der Stadt waren eine enge Verbindung eingegangen. Viele St. Galler/innen gerieten in der Marktgasse auf dem samstäglichen Einkaufsbummel unvermittelt in den «Markt der Möglichkeiten» des Kirchentages, sahen sich konfrontiert mit einer christlichen Lesben-Organisation, Tierschützern, grünen Christen oder dem Institut für natürliche Empfängnisregelung. Sie begegneten orthodoxen Klosterfrauen, die von ihrer Biolandwirtschaft auf einer griechischen Insel erzählten: Oliven, Wein und Ziegenkäse. Auch das Nachtleben der Jugend am Samstagabend vermischte sich mit dem Leben in und vor den offenen Kirchen. Am Sonntagvormittag fanden die Gottesdienste in überfüllten Kirchen statt –schätzungsweise 5000 Kirchgänger aus der Stadt, aus der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Vielfalt
Der lokale Bezug fehlte nirgends; er war am spürbarsten bei den Stadtwanderungen zu Themen der St. Galler Kirchen- und Sozialgeschichte (Reformation, Juden, Täufer, Kloster, Gallus/Otmar/Wiborada, Stickerei). Er zeigte sich auch, wenn über ökologische und Probleme und Fragen der Mobilität im Bodenseeraum gesprochen wurde (und wo sich Fachleute kennen lernten und sich vornahmen, an diesen Fragen weiterzuarbeiten).
Ungelöste religiöse Fragen der Region wurden angeschnitten, wenn nach den Möglichkeiten der Muslime in der Ostschweiz gefragt wurde. Im einem Workshop kam es zum Dialog zwischen Kirchen und Universität St. Gallen über eine menschengerechte Wirtschaft.
Doch der Bodensee-Kirchentag – er findet alle zwei Jahre in einer Stadt der Bodensee-Region statt – war nicht einfach in St. Gallen, sondern eben in der kirchlichen Vielfalt zuhause.
Viele Diskussionen kreisten um die Zukunft der Kirche («sie ist rückständig», wurde kritisiert, oder «gibt 80 Prozent ihres Geldes für die Kerngemeinde aus, also für 20 Prozent ihrer Mitglieder»). Andere Kirchentagsangebote wiesen den Kirchen zukunftsträchtige Wege: Kinder und Jugendliche übten das Stücke der Band «Stärneföifi» und führten sie vor. In der «Kirchennacht» waren die Kirchenräume offen, im Stunden-Ryhthmus gab es Inszenierungen, Tanz als Gebet, Jodlermesse und heisse Djembe-Rhythmen, Orgelkonzerte und Gospelsongs.
Ökumenisch, international
Schon der Auftakt am Freitagabend war viel versprechend gewesen. Gret Haller, früher Nationalratspräsidentin, dann Botschafterin beim Europarat, Menschenrechtsbeauftragte in Sarajewo, hielt im zum Bersten vollen Waaghaus-Saal ein Referat über «Religionen, Nationen und Grenzen». Sie ging den Wurzeln des amerikanischen Sendungsbewusstseins nach und seinen Auswirkungen auf Europa. In jüngster Zeit kämen auch bei uns Denkschemen auf, die gefährlich werden könnten, etwa die Gleichsetzung arm = faul = unmoralisch. Das gefährde den Sozialstaat, bedauerte sie. Es gebe aber auch Gegenkräfte, und gerade ein Kirchentag wie dieser sei ein Hoffnungszeichen. Schliesslich sei das vereinte Europa auch eine Art Ökumene, eine politische.
Auch die Aufbruchfeier war ein eindrückliches Erlebnis. Mehrere Tausend Menschen, musikalisch von einem riesigen Chor, zusammengesetzt aus den Kirchenchören der Region St.Gallen, begleitet, teilten Brot und Fisch. Besonders eindrücklich der Wunsch nach Frieden zusammen mit Vertretern der Weltreligionen.
2008: Ravensburg
Im Urteil der Besucher bekommt der Bodensee-Kirchentag 2006 gute Noten. Mit 99 Angeboten (davon die Hälfte Workshops am Samstag) sei er reichhaltig gewesen wie noch nie. «Gerechtigkeit, Frieden, Mitwelt», «Kirchen und Ökumene» oder «Frauen und Männer» – überall gab es Gelegenheit, sich mit aktuellen Themen zu beschäftigen. Offenbar wurde so viel geboten, dass manchmal die Wahl schwer fiel, etwa zwischen Workshops über die Situation der «Gewerkschaften in Südafrika» und über «Die Kirchen und die globale Verantwortung in der Wirtschaft». Guten Anklang fand auch das reichhaltige Programm für Kinder und Jugendliche.
Besucher früherer Bodensee-Kirchentage rühmten allgemein die professionelle Organisation: Das informative Programmheft, die Wegweiser und Beschriftungen. Auch hätten die vielen (freiwilligen!) Helfer und Helferinnen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt – ihre Zusammenarbeit sei professionell gewesen.
An der Aufbruchfeier sprachen zwei Vertreter der grossen Landeskirchen die Einladung für 2008 nach Ravensburg aus.
Bild: Das Publikum am Auftritt der Kinderband Schtärneföifi vor dem Waagahaus. Foto von Markus Dätwyler |
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Christoph Möhl für; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
12.05.2006 |
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Weiterführender Link:
Seite des Bodensee-Kirchentags Weiterführende Infos als Dateidownload:
Bilanz der Veranstalter des Bodenseekirchentags |
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Übersicht im Bereich: Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
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