Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Mission 21: Nigerianische Partnerkirchen niedergebrannt



 
Vergangenes Wochenende kam es im nordnigerianischen Maiduguri zu Ausschreitungen gegen Christen und christliche Institutionen. Auch die Kirche der Geschwister EYN, ein Partnerkirche von mission 21, ist davon betroffen.
 
Nach einem Vortrag über die dänischen Karikaturen, organisiert von einer lokalen muslimischen Organisation, hat am vergangenen Wochenende eine aufgebrachte Menge in Maiduguri (Nigeria) neben anderen Kirchengebäuden auch fünf Kirchen der Kirche der Geschwister (EYN), der nigerianischen Partnerkirche von mission 21, evangelisches missionswerk basel, angezündet. Dabei wurden mehrere Kirchenmitglieder teils schwer verletzt. Einige Kirchen brannten bis auf die Grundmauern nieder. Während der Unruhen wurden auch mehrere katholische Kirchen zerstört und ein katholischer Priester getötet.

Jochen Kirsch, Programmverantwortlicher für Nigeria bei mission 21, weist darauf hin, dass der Konflikt um die in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karikaturen zunehmend für lokale Konflikte instrumentalisiert wird: „Eigentlicher Hintergrund der Unruhen sind die schon länger bestehenden religiösen, ethnischen und sozialen Spannungen. Bestimmte politische Kräfte nehmen immer wieder solche Gelegenheiten wahr, um sie für ihre Interessen zu nutzen und die bestehende Ordnung zu destabilisieren“, sagt Jochen Kirsch. „Als ich vor rund zwei Wochen von einer Dienstreise aus Nigeria zurückkehrte, sah man im Fernsehen bereits Bilder von Unruhen im Nahen Osten, in Nigeria selbst war die Lage aber noch relativ ruhig. Der verspätete Beginn der Unruhen in Nigeria scheint ein klares Indiz, dass es hier nicht in erster Linie um die Frage der Zulässigkeit solcher Karikaturen geht sondern dass lediglich auf einen bereits seit längerem fahrenden Zug aufgesprungen wurde“, so Jochen Kirsch.

Die EYN versucht durch ihren ganzheitlichen Dienst an der nigerianischen Gesellschaft, Konflikte wie den jetzt eskalierten bereits im Vorfeld zu entschärfen. Mit der kirchlichen Arbeit sollen die Armut und die Korruption bekämpft werden, der Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften gefördert sowie die Rechte und Möglichkeiten unterprivilegierter Teile der Bevölkerung gestärkt werden, um solche Konflikte in Zukunft zu vermeiden. In Folge der jetzigen Unruhen arbeiten Vertreter der Kirche gemeinsam mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft in einer staatlichen Kommission zur Untersuchung der Vorfälle mit. In seinem Statement vom 22. Februar 2006 fordert Pfarrer Peter J. Akinola, Präsident der Christlichen Assoziation von Nigeria, die zentralen und lokalen Regierungsbehörden auf, die zerstörten Kirchen sofort wieder aufzubauen und die Geschädigten finanziell zu kompensieren: „Die Regierungsbehörden müssen jetzt mit Taten zeigen, dass Nigeria uns allen gehört.“

Die aktuelle Auseinandersetzung im Umfeld des Karikaturen-Konfliktes zeigt den Bedarf an Verständigung zwischen Kulturen und zwischen Religionen. Der Pluralismus erfordert eine erhöhte Sensibilität und neue Instrumente für das Zusammenleben in Frieden. Analog zum Schweizerischen Evangelischen Kirchen-bund (SEK) ruft mission 21, evangelisches missionswerk basel, zu Respekt und Sensibilität im Umgang mit Symbolen aller Religionen auf. mission 21 setzt mit ihren Partnerkirchen und –organisationen die langjährigen gemeinsamen interreligiösen und interkulturellen Erfahrungen in der Projektarbeit um. Dabei spielen Konfliktlösung und interreligiöse Vermittlung eine wichtige Rolle. Nicht nur in Afrika, auch in Asien und Lateinamerika sind die Friedens- und Versöhnungsprojekte von mission 21 Ausdruck der festen Überzeugung, dass Religionen zum Frieden beitragen können.
 
Barbara Graf; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
23.02.2006

 
Weiterführender Link:
 mission21 in Nigeria
 

 
 
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