Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Lobby-Arbeit für die Jugend



 
Roger Lindenmann blickt auf seine Tätigkeit im Ressort «Kinder und Jugend» der Evangelischen Kirchgemeinde Wil zurück. Während vier Jahren hat Roger Lindenmann das Ressort «Kinder und Jugend» in der Evangelischen Kirchgemeinde Wil geleitet. Nun muss er sein Amt aufgeben, da er aus der Kirchgemeinde wegzieht.
 
«Die Kirche muss Heimat für alle Generationen sein. Während die ältere Generation unsere Stammkundschaft bildet, müssen wir den Jugendlichen spezifische Angebote bieten», sagt Roger Lindenmann. Er gehört der Kirchenvorsteherschaft an, also der Verwaltung, und steht selbst nicht an der Front. «Meine Aufgabe ist es, in der Vorsteherschaft Lobby-Arbeit für die Kinder und Jugendlichen zu leisten», erklärt Roger Lindenmann. So sei er einerseits verantwortlich für konkrete Angebote wie die «Junge Kirche», Cevi, die «Chinderfiir Kolibri», den Konfirmandenunterricht oder den konfessionsübergreifenden Religionsunterricht an den Schulen. Andererseits bringe er die Interessen der jungen Generation auch bei Geschäften ein, welche die gesamte Kirchgemeinde betreffen. Lindenmann verweist auf das Budget oder die Pfarrwahlen. «In der aktuellen Konstellation ist diese Arbeit nicht sehr schwierig, da die Behörde die Jugendarbeit schätzt», freut sich Roger Lindenmann und fügt an: «Jugendliche sind der Boden einer Gemeinde.» Dass diese Philosophie auch gelebt werde, zeige der kürzlich eingeweihte moderne Kinderspielplatz bei der Wiler Kreuzkirche. Er setzt sich aber auch in weniger augenfälligen Bereichen ein. «Wir haben festgestellt, dass viele Jugendliche nach der Konfirmation in einem Leerraum stehen», sagt Lindenmann. Deshalb habe man das Projekt «Jugendforum» lanciert. Dessen Ziel sei es, an dieses Alterssegment angepasste Gottesdienst-Formen oder auch Hauskreise zu schaffen.

Wil als Vorbild
Obwohl intensiv an neuen Angeboten im Jugendbereich gearbeitet wird, zeigt sich Roger Lindenmann mit dem heutigen Stand nicht unzufrieden: «Im Kontakt mit Vertretern anderer Kirchgemeinden habe ich immer wieder gehört, dass Wil als Vorbild betrachtet wird.» So würden heute drei verschiedene Gottesdienst-Formen angeboten: Einerseits der traditionelle Gottesdienst mit Orgelmusik, dann der Familiengottesdienst und – speziell auf die Jugendlichen ausgerichtet – der Gottesdienst mit Band. «Die Jüngeren nehmen die Kirche stärker wahr, seit wir auch Gottesdienste nach ihrem Geschmack anbieten», sagt Lindenmann.

Dies beschränke sich dann nicht auf die modernen Gottesdienste, es werde das Interesse an sämtlichen Angeboten der Evangelischen Kirchgemeinde geweckt. «Diese jüngeren Leute finden ihre Heimat in der Kirche später vielleicht sogar in den traditionellen Gottesdiensten», sagt Roger Lindenmann. In den letzten Monaten seien die Besucherzahlen aller Gottesdienstformen ausgewertet worden, und die Ergebnisse seien positiv ausgefallen: «Auch ältere Leute kommen in die modernen Gottesdienste.» Allerdings habe man zuerst die Startschwierigkeiten umschiffen müssen: Der erste Gottesdienst mit Band sei noch zu laut gewesen.

Noch bis Mitte Jahr im Amt
Wenn Roger Lindenmann von seinem Amt in der Kirchenvorsteherschaft berichtet, verweist er beinahe ausschliesslich auf Erfreuliches. So tritt er auch nicht von seinem Amt zurück, weil ihm die Motivation abhanden gekommen wäre. Es ist der Wegzug aus der Kirchgemeinde, der ihn nach einer vollen Amtsperiode dazu gezwungen hat, per 30. Juni zurück zu treten. Der Weg in sein Amt führte über eine Tätigkeit in der Pfadi sowie die Mithilfe in Konfirmationslagern und im Konfirmandenunterricht. Aber auch in seinem Beruf leistet Lindenmann Jugendarbeit. Als Lokomotivführer bei den SBB gehört er dem Schulreferentendienst der Bundesbahnen an. In dieser Funktion ist er mit einem eigens dafür gestalteten Zug unterwegs und vermittelt Jugendlichen Informationen zu Themen wie Vandalismus. Nebst der Arbeit mit den Jugendlichen freut sich Lindenmann über die Erfahrung im Umgang mit Menschen, die er in der Kirchenvorsteherschaft sammeln konnte: «Die Kirchenvorsteherschaft ist beinahe wie der Verwaltungsrat eines kleineren Unternehmens, immerhin hat die Kirchgemeinde 30 Mitarbeiter.» Die Kirchgemeinde ist nun auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für das Ressort «Kinder und Jugend». Die neue Amtsdauer beginnt am 1. Juli.

Artikel von David Marquis
 
Peter Christinger; Arbeitsstelle Jugendfragen,
19.01.2006

 
Weiterführender Link:
 Webseite der Kirchgemeinde Wil
 

 
 
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