Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Neun Monate intensivste Lebensschulung - Seminar für soziales Engagement in Wattwil ist abgeschlossen



 
WATTWIL. Die einen taten es schon, die anderen wollten sich darüber informieren, was es schon gibt und andere wieder waren gezielt auf der Suche nach einem sinnvollen Engagement. Die rund zwanzig Teilnehmerinnen am ökumenischen Seminar für soziales Engagement der Arbeitsstelle Diakonie der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen konnten nun die Seminarbestätigung in Empfang nehmen.
 
Wer sich vorgestellt hatte, in die Seminarstunden hineinsitzen und sich den Inhalt servieren zu lassen, der merkte bald schon, dass das so nicht geht. Das Seminar für soziales Engagement erforderte nämlich, das ganze Sein, die Erfahrungen, Vorstellungen und Erwartungen jeder einzelnen Kursteilnehmerin. Gut zwanzig waren es insgesamt, bis auf wenige Ausnahmen aus dem Toggenburg stammend, die sich im katholischen Pfarreiheim in Wattwil während neun Monaten jeweils am Dienstagmorgen zusammenfanden, um sich intensiv mit sozialen Themen zu befassen. Ein einziger Seminarteilnehmer, der pensionierte Primarlehrer aus Rorschach, bereicherte die Damenrunde enorm, indem er es jeweils verstand, männliches Handeln und männliche Gedanken zu den einzelnen Themen einzubringen.

Vielfältige Aufgaben
Sinn des Seminars für soziales Engagement war es, sich im Umgang mit Menschen verschiedener sozialer Schwierigkeiten zu üben und das Verständnis für Randständige zu vertiefen. Dabei handelte es sich nicht um eine Berufsausbildung, viel eher um eine Lebensschulung für Aufgaben wie das Begleiten einer Flüchtlingsfamilie, die Betreuung behinderter Kinder und Erwachsener, den Besuchsdienst im Seniorenheim, die Übernahme einer Beistandschaft oder Vormundschaft oder die Mitarbeit in Kommissionen und Vereinsvorständen mit sozialem Hintergrund.

Fachpersonen referierten
Ein Teil des Seminars befasste sich mit allgemeinbildenden Fächern wie Gesprächsführung, fairem Streiten, Abgrenzung im sozialen Wirken, Konfliktlösung oder dem Umgang mit Schuldgefühlen. Intensiv wurde auch Wissen zu Themen wie Jugend und Alter, Behinderung, Sucht oder Erwerbslosigkeit erarbeitet. Das soziale Netz in der Region Toggenburg, Menschen auf der Strasse, Familienbilder oder Trauerarbeit waren weitere Schwerpunktthemen. So konnte denn die Religionslehrerin von der Fülle und Qualität der Seminarmorgen genauso profitieren, wie die Schulrätin, die Betagtenbetreuerin, die Familienfrau oder die allgemein Suchende. Nebst Marianne Jocham, Kursleiterin und Erwachsenenbildnerin aus Widnau übernahmen Fachpersonen aus der Region einzelne Kurssegmente und sicherten damit die fachlich hohe Qualität des Seminars.

In fünf Jahren wieder
Die gut zwanzig Toggenburgerinnen habens geschafft und ihr neunmonatiges Seminar abgeschlossen. „Es hat mir für den Alltag ungemein viel gebracht“, betonte eine Kursteilnehmerin anlässlich der Übergabe der Seminarbestätigung. Dieser Aussage konnten sich die anderen Kursteilnehmerinnen und der Kursteilnehmer allesamt anschliessen. Eine Lebensschule seis gewesen, man sei nun informiert über mögliche Wirkungskreise und darüber, wie schlecht es einzelnen Menschen in unserer Gesellschaft geht, ohne dass das stark wahrgenommen werde. Ein nächstes Seminar für soziales Engagement wird erst wieder im Jahr 2010 in Wattwil durchgeführt. Etwas früher werden Seminare in Heerbrugg, Gossau/St. Gallen/Rorschach, Sargans und Wil organisiert.
 
Cornelia Forrer; Arbeitsstelle Diakonie,
22.12.2005

 
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