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Interreligiöses Gespräch in St. Gallen
Mitte Dezember trafen sich die Mitglieder des Evangelisch-reformierten Kirchenrates des Kantons St. Gallen mit dem Vorstand des Dachverbands islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Lichtenstein (DIGO) zu einem offenen Gespräch. Alle Beteiligten möchten für „menschliche Geschwisterlichkeit“ und konkrete Aktion eintreten.
Im Frühling 2003 gründeten in St. Gallen 17 islamische Gemeinden unterschiedlicher in der Ostschweiz lebender Ethnien einen Dachverband. Ihm gehören Albaner, Araber, Bosnier, Türken, Schweizer Muslime und BürgerInnen weiterer Staaten an, die in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, beider Appenzell, Graubünden und Schaffhausen oder im Fürstentum Liechtenstein wohnen.
DIGO vertritt die Anliegen seiner Mitglieder gegenüber Behörden und Öffent-lichkeit. Er tut dies erklärterweise in Toleranz, gegenseitigem Respekt und unter Achtung der Rechte aller Menschen. Eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der evangelisch-reformierten Kirche entstand bereits in verschiedenen Themen und zeigte sich in der Öffentlichkeit unter anderem anlässlich der St. Galler Interreligiösen Dialog- und Aktionswoche IDA im vergangenen September. Mit dem Treffen der beiden Räte wurden jetzt Dialog und Zusammenarbeit auch auf Ebene der Leitungsgremien offiziell etabliert.
Solche Plattformen für konstruktiven interkulturellen und interreligiösen Dialog sind nach Ansicht der Beteiligten von hoher gesellschaftlicher Wichtigkeit. Begegnungen können gefördert, Ängste abgebaut und konkrete Projekte verwirklicht werden. Beispielsweise will der St. Galler Kirchenrat den Wunsch nach kirchlicher Unterstützung einer auch auf Muslime ausgerichteten Friedhofsgestaltung aktiv angehen. In der Erwachsenenbildung gibt es Möglichkeiten zu kulturellen und interreligiösen Begegnungen; sie sollen intensiviert werden. Das heute wieder neu wichtig gewordene Fragen nach ethischen Werten und interreligiösem Verstehen bietet ausbaufähige Ansatzpunkte für den kirchlichen Unterricht und das Kirchgemeindeleben. Das von den beiden Gremien im Geiste der „St. Galler Erklärung zum Zusammenleben der Religionen und den interreligiösen Dialog“ geführte Gespräch soll in den nächsten Monaten in verschiedenen Themen zu vertiefter praktischer Aktion führen.
Hans Ruedi Fischer (fis); Arbeitsstelle Kommunikation,
21.12.2005