Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Bettagsmandat: Gott sucht keine ängstlichen Untertanen

Das Bettagsmandat 2005 des Kirchenrats der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen stammt aus der Feder von Kirchenrat Pfarrer Jakob Bösch, Balgach. Es lädt zu Dank, Busse und Gebet ein.
 
Das Mandat hat folgenden Wortlaut:

„Liebe Mitmenschen,
was Sie jetzt gerade lesen, heisst „Mandat“. Ein merkwürdiger Titel. Nach einer Wahl in ein Amt heisst es manchmal: Frau A. oder Herr B. hat das Mandat einer Gemeinderätin oder eines Schulrats erhalten. Wer eine Anwältin in Anspruch nimmt, erteilt ihr ein Mandat. Es geht also um eine Verpflichtung. Will der Kirchenrat Sie in die Pflicht nehmen?

Wenn früher ein Land in schwere Not geriet, erliess die Regierung ein Mandat zum Beten und Fasten an die Untertanen. Die Erzählung von Jona in der Bibel schildert ein Beispiel: Der König von Ninive ordnet Busse an – und alle fasten und beten. Heute verfügt keine Regierung so etwas. Es scheint überholt. Wird der Bettag darum eher wenig beachtet, weil er nach Fügsamkeit und Gehorsam „riecht“?

Bedeuten danken, Busse tun und beten so viel wie sich bücken, den Kopf einziehen und sich anpassen? Vermutlich war das früher so – und für die Obrigkeit durchaus bequem. Aber entspricht es dem, was der Gott der Bibel von uns Menschen wünscht? Der Gott von Sara und Abraham sucht keine ängstlichen Untertanen, sondern Leute, die Fragen stellen, eigenständig denken und handeln. Jesus von Nazareth sammelt nicht Fans um sich, die in der Menge untergehen, sondern Leute, die mitreden und auch einmal widersprechen.

Man kann zwar unterwürfig danken, aber auch mit geradem Rücken. Man kann auf den Knien Busse tun, aber auch mit erhobenem Kopf, als Partnerin oder Partner. Beten kann man auch einmal schweigend, aber der Gott der Bibel liebt das Zwiegespräch ganz auffällig.

Darum lädt der Kirchenrat Sie gerne ein: Danken wir Gott, dass er als Schöpfer uns so viel Mitgestaltung an seinem Werk zutraut. Tun wir Busse im Vertrauen auf Jesus Christus, der uns entlastet und aufrichtet. Beten wir um den Geist Gottes, der uns zum sinnvollen und Not wendenden Handeln ermutigt.“
 
Hans Ruedi Fischer (fis); Arbeitsstelle Kommunikation,
14.09.2005

 
Weiterführende Infos als Dateidownload:
 Bettagskollekte 2005
 
 
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