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Islambeauftragter: Dialog braucht eigene Überzeugung

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Etwas als „absolut“ zu glauben sei nicht Hindernis, sondern Voraussetzung für den interreligiösen Dialog. Das sagte der
Islam- und Dialogbeauftragte der Ev.-luth.Kirche in Bayern, Prof.Dr.Johannes Triebel (Erlangen) gestern im St.Galler Katharinensaal. |
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Erst wer etwas für sich für „absolut wahr“ hält und bekennt, kann dem andersglaubenden Menschen wirklich ein Gegenüber sein, meinte der Referent. Am Dialog interessierte Muslime erwarteten vom christlichen Gegenüber ein mit Gewissheit und Verständlichkeit bezeugtes Bekenntnis zum eigenen Glauben. Allerdings dürfe man als Christ den muslimischen Gesprächspartner dabei nicht als „Missionsobjekt“ betrachten, sondern zunächst und vor allem als Mitmensch. Es hiesse nicht „Gott wurde in Jesus Christus Christ″, sondern ″Gott wurde Mensch“. So spricht Triebel auch lieber von Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens als vom Dialog der Religionen. Der habe ohnehin noch fast gar nicht begonnen.
Nicht erst das Gespräch mit den Muslimen führe dazu, dass der Islam in den deutschsprachigen Gesellschaften an Gewicht gewönne, wie Kritiker suggerieren. „Türken und andere Muslime sind bereits da, und zwar unabhängig davon, ob die Türkei nun der EU beitritt oder nicht.“ Habe man am Anfang etwa muslimische Gastarbeiter in Deutschland für ein vorübergehendes Phänomen gehalten, so sei nun klar, dass sie und ihre Religion auf Dauer Teil der Gesellschaften blieben. Darum gäbe es keine Alternative zu Begegnung, Dialog und Integration, so hindernisreich der Weg auch sein möge.
Als Hindernisse auf islamischer Seite nannte Triebel Sprach- und Bildungsunterschiede sowie eine intensivierte religiöse Identitätssuche gerade vieler der in Europa Geborenen, welche sich sowohl hier wie auch in der Heimat ihrer Eltern als Fremde fühlen müssen. Ausserdem zeigten Muslime zwar im allgemeinen gern die Moschee oder stellten ihren Glauben vor, hätten tendenziell jedoch eine gewisse Scheu, christliche Gotteshäuser zu besichtigen oder sich mit dem zu beschäftigen, was dort verkündet wird.
Triebel skizzierte in seinem Vortrag die „Innensicht“ überzeugter Christen, die Innensicht überzeugter Muslime sowie die „Aussensicht“, wie sie etwa ein nicht gläubiger Mensch oder auch die Religionswissenschaft vertrete. Niemand erwarte von der Kirche und von christlich Glaubenden, einen neutralen Standpunkt, eine Aussensicht einzunehmen, für die alle Glaubensinhalte gleichrangig seien. Der konkrete Vergleich der christlichen und islamischen „Innensichten“ zeige erstaunliche Parallelen, aber auch deutliche Unvereinbarkeiten, die nicht zu vernebeln oder zu verdunkeln seien. „Das gilt es auszuhalten“.
Triebel nahm bei seien Ausführungen mehrmals Bezug auf eine von der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegebenen Handreichung zum Zusammenleben mit Muslimen (Link zum Download s.u.).
Auf islamisches bzw. islamistisches Gewaltpotenzial angesprochen meinte der Referent, 95% der hier lebenden Muslime seien friedfertige Menschen. Auch würden sich islamische Organisationen mehr gegen islamistische Gewalt äussern als dies in den Medien wahr genommen werde. In jedem Falle aber gäbe es keine Alternative zur Begegnung, wo immer sie möglich ist.
Die Veranstaltung im Katharinensaal fand im Rahmen der interreligiösen Dialog-und Aktionswoche statt. Der Einladung der „Arbeitsstelle Kirche im Dialog“ und des „Reformierten Forums“ waren gut vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefolgt. |
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Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
08.09.2005 |
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Weiterführender Link:
EKD-Handreichung zum Zusammenleben mit Muslimen |
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