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Von Kopftuch, Fremden und Angst

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«Kulturtalk» der kirchlichen Jugendarbeitsstellen über das Zusammenleben der Kulturen in der Stadt
Am «Kulturtalk» sprachen junge Erwachsene aus verschiedenen Kulturen übers Fremdsein und die Angst vor dem Fremden, über Religion, Heimat und Integration.
PETRA MÜHLHÄUSER
«Die Leute, die mit mir gesprochen haben, haben keine Vorurteile mehr», sagte Letvane Berischa. Die Muslimin aus dem Kosovo, die Medizin studiert und seit zwei Jahren aus religiöser Überzeugung ein Kopftuch trägt, war eine der Teilnehmerinnen am «Kulturtalk» zum Thema «auch ich lebe in St. Gallen». Zehn Jugendliche hatten ihn zusammen mit dem Netzwerk Jugend und Politik der evangelischen und katholischen Jugendarbeitsstellen organisiert. |
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Von Mut und Angst
Zu Beginn zeigte ein von Jugendlichen gedrehter Film die verschiedensten Menschen in der Stadt. Vielfältig auch das Podium im gut besetzten «Kugl», das die Studentin und Radiofrau Rabea Huber gekonnt moderierte. Da war etwa Michael Hugentobler, Lehrer an der Buebeflade und St. Galler seit Generationen. Er fand es «brutal mutig», dass Letvane mit dem Kopftuch zeigt, «wie sie empfindet». Doch häufiger kam ein anderes Wort vor: Angst. Angst vor dem Fremden und davor, sich falsch zu verhalten. Angst nachts am Hauptbahnhof oder vor dem McDonald's. Angst, weil wieder etwas über Gewalt von Ausländern in der Zeitung stand oder weil man davon gehört hat. Kaum jemand schien aufgrund eigener Erfahrungen Angst vor dem Fremden zu haben. Ismar Spuler, der in Indonesien geboren wurde und auch holländische und Schweizer Wurzeln hat, erklärte, er sei lange im «Schweizer Block» mitgezogen. Auch als das erste Auslän-dermädchen ins Dorf kam und alle über sie «abezoge» hätten. Seine Meinung hat er im Militär geändert: Ein Offizier lehrte ihn, an alles nüchtern heranzugehen, zuerst die Fakten zu sehen. Heute sei er ohne Vorurteile. Hingegen hat Josefina Nikolla, die aus dem Kosovo stammt und an der PHS studiert, immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen: Wenn sie einen Job sucht, fragt man sie nach ihrer Her-kunft. «Eine blöde Frage - darauf kommt es doch nicht an.» Sie müsse immer wieder sagen, dass nicht alle Kosovaren kriminell sind. Die Gewaltbereitschaft einzelner erklärt sie damit, dass sie oft aus armen Verhältnissen kämen, Krieg und Unterdrückung erlebt hätten. Rechtfertigen muss sich auch Letvane - für ihre Religion. Sie scheint das gelassen zu tun und auch über Themen wie Terrorismus und die Stellung der Frau Auskunft zu geben. Benachteiligt hat sie sich noch nie gefühlt. Raffaela Riedener, die in Sri Lanka zur Welt kam und als Baby von Schweizern adoptiert wurde, erlebt auch Vorurteile - allerdings nicht selber, sondern im Kinderhort, in dem sie arbeitet. Wenn Schweizer Kinder ausländische ablehnten, mache sie ihnen zu ihrem Erstaunen klar, dass sie ja auch dunkelhäutig ist.
Zwischen den Kulturen
Und wie fühlt es sich an, fremd zu sein? «Ich gehöre nicht recht zu dieser und nicht recht zu jener Kultur», sagte Josefina, die sich je-doch eher als Schweizerin fühlt und sich einbürgern lassen will. Sie hatte vor allem mit ihren Eltern Probleme, die in einer ganz anderen Kultur aufwuchsen. «Eifach verlore» hat sich Letvane mit elf an ihrem ersten Schultag in der Schweiz gefühlt. Ihre Kollegen hätten schnell aufgegeben, wenn sie sie nicht verstanden habe. Die Lehrer aber hätten gut reagiert und einen Sprachkurs organisiert. Die Spra-che scheint das Haupthindernis zu sei, wenn es um Integration geht, das war immer wieder zu hören. Für Ismar bedeutet Integration, den guten Ton beizubehalten - das brauche den Willen beider Seiten. Es gebe wenige, die sich nicht integrieren wollten. Auffällig war, dass mancher Schweizer erklärte, keine Muslime näher zu kennen, die Ausländer hingegen angaben, einen bunt gemischten Kollegen-kreis zu haben. Kann man denn auch mit einem Kopftuch integriert sein? «Ja, klar», fand eine junge Frau aus dem Publikum. Und alle waren sich einig: Ein noch so spannender Kulturtalk genügt dazu noch nicht.
Quelle: Bericht Tagblatt vom 22.3.05 |
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Eingabe durch P. Christinger; Arbeitsstelle Jugendfragen,
23.03.2005 |
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Übersicht im Bereich: Arbeitsstelle Jugendfragen,
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