Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

„Sie ziehen über die Wirtschaft her, die uns alle ernährt!“ Accra 2004: Erste Reaktion aus der Kirchgemeinde Bad Ragaz

Die erste und bislang einzige, aber wenig Zustimmung signalisierende Reaktion aus St.Galler Kirchgemeinden auf die Beschlüsse von Accra liegt vor. Max Leibundgut, Synodaler und Kirchgemeindepräsident aus Bad Ragaz, hat sich zu Wort gemeldet.
 
Die Ev.-ref.Kantonalkirche des Kantons St.Gallen und ihre Gemeinden gehören durch ihre Mitgliedschaft im Schweizerischen Ev.Kirchenbund dem Reformierten Weltbund RWB an. Dessen höchstes Gremium, die Generalversammlung, kommt alle sieben Jahre zusammen. Ende Juli 2004 kamen Delegationen aus über 200 kongregationalistischen, presbyterianischen, reformierten und unierten Kirchen aus über 100 Ländern in Accra (Ghana) zusammen, um ihren gemeinsamen Glauben an Jesus Christus zu bezeugen. Die 24. Generalversammlung des Reformierten Weltbundes wurde von vielen Teilnehmenden als Feier des Lebens und des Glaubens zum Beginn eines neuen Jahrhunderts empfunden. Geleitet durch das Thema „Auf dass alle das Leben in Fülle haben″ (Johannes 10,10) dachten die Teilnehmenden nach über die Bedrohungen und Herausforderungen für das Leben und über Antworten, die dem Willen Gottes entspricht. Ein ″Bekenntnis des Glaubens im Angesicht von wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung″ wurde beschlossen, welches das gegenwärtige neoliberal-kapitalistische Weltwirtschaftssystem zurückweist und die Kirchen auffordert, ein Bündnis für Gerechtigkeit und für das Leben auf der Erde zu schließen. Auch wurde ein „Brief aus Accra“ an die Kirchen und Gemeinden weltweit verfasst. Er wurde auch allen ref. Kirchgemeinden im Kanton mit der Bitte zugestellt, sich damit auseinander zu setzen.
Max Leibundgut aus Bad Ragaz schreibt jetzt zum „Brief aus Accra“ u.a. folgendes:

„In den ersten sechs Abschnitten lamentieren Sie über den seinerzeitigen Sklavenhandel Afrika – Amerika, den wir sicher nie mehr verändern oder rückgängig machen können und im Rest ziehen Sie über die Wirtschaft her, die uns alle ernährt...
Mich stört auch Ihre unsinnige Aussage: ‚Durch die Arbeit der Sklaven, ihren Schweiss, ihre Intelligenz und Kreativität entfaltete sich der Reichtum der beiden Amerikas.’ In dem Fall müsste die grosse Mehrheit der Zurückgebliebenen ja Afrika zu noch viel mehr Reichtum entfaltet haben! ...
Im... Brief ziehen Sie über die Wirtschaft her und wiederholen Schlagwörter linker Parteien. Sind Arbeitgeber nicht auch Christen? Wer schafft Arbeitsplätze für Arbeitslose?...
Sie wissen sicher auch, dass heute sehr viele Kleider aus China oder Indien kommen. Für die Wirtschaft sind dies schwierige, fremde Kulturen und Sprachen. Sie hätte es mit Afrika viel einfacher, weil dort sehr viele Menschen Englisch, Französisch oder gar Deutsch sprechen. Die Wirtschaft braucht aber Partner die ehrlich, zuverlässig, arbeitsam, nicht korrupt und verlässlich sind. Hat da nicht viel mehr unsere Kirche und die Mission versagt, statt die Wirtschaft?“
Sie behaupten, dass der wirtschaftliche „Neo“-Liberalismus das Leben bedrohe, obschon er uns alle Fortschritte brachte und den Sozialismus um viele Längen schlug. Vier Abschnitte weiter verlangen Sie, dass Menschen ihr Zusammenleben frei und befreit – also liberal! – entfalten können!
Wirtschaft ist immer für die Menschen da, denn nur Menschen handeln in der Wirtschaft.“
... „Der Weltbund wird das, was er ist – eine Gemeinschaft von Kirchen – nur dann, wenn es eine effektive Kommunikation mit und zwischen unseren Kirchen auf möglichst vielen Ebenen ihres Lebens gibt.“

In diesem Sinne veröffentlichen wir hier zur eigenen Meinungsbildung das Schreiben hier unkommentiert und mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors (pdf-Datei zum Herunterladen, s.u.).
 
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
18.03.2005

 
Weiterführender Link:
 TEXTE DER GENERALVERSAMMLUNG
 
Weiterführende Infos als Dateidownload:
 SCHREIBEN LEIBUNDGUT
 

 
 
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