Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Dialog braucht Verlangsamung



 
Hanna Kandal-Stierstadt besuchte theologischen Arbeitskreis in Wattwil
 
Um einander zu verstehen muss man sich frei machen vom heutigen Trend, alles in Kürze erledigen zu können. Dies gelte besonders auch für den Versuch, Menschen anderer Religion zu verstehen, meinte Hanna Kandal-Stierstadt am heutigen Morgen vor zwölf Pfarrkollegen aus dem Toggenburg. Ferner seien die offene, korrekturbereite Haltung des Lernenden, ein einfühlender und unbedingter Respekt vor dem Anderen, ein vertrauensvolles Kommunikationsklima und das Sprechen aus dem Herzen notwendige Elemente geglückten Dialoges. Dadurch unterscheide sich dieser von der Diskussion oder der Debatte.

Hanna Kandal ist Pfarrerin in Schwamendingen ZH und lebt in Mischehe mit einem türkisch-stämmigen Moslem. Sie kennt den muslimischen Alltag in der Schweiz, ist engagiert in Dialogprojekten. So ist sie reformierte Repräsentantin im ″Forum der Religionen″, das vom stadtzürcher Präsidialamt zusammen gerufen wurde und schon so manche Krisensituation zwischen Religionsgemeinschaften klären konnte. Ausserdem nahm sie teil am ökumenischen Projekt ″Epil″, das in der Vergangenheit auch von der St.Galler Kantonalkirche finanziell unterstützt wurde (siehe Web-Link unten).

Dreizehn Pfarrerinnen und Pfarrer trafen sich im Rahmen des theologischen Arbeitskreises mit der Kollegin. Auf die heimische Situation befragt gab die ursprünglich aus Deutschland stammende Theologin mit jüdischen und christlichen Vorfahren bereitwillig Auskunft. Wegen der zwei älteren Kinder, welche der muslimische Ehemann in die Ehe mit ihr einbrachte, wurden auch die beiden gemeinsamen als Muslime erzogen, nähmen aber auch am reformierten Religionsunterricht teil. Sowohl christliche als auch muslimische Feste würden gefeiert. Am Heiligabend lauscht die Familie der Weihnachtsgeschichte den Versionen ″zweier wunderbarer Religionen″: nach der Bibel (Lukas 2) und nach dem Koran (Suren 3:45ff und 19:16-34).

Ob Dialog im oben genannten Sinne auch innerhalb der reformierten Kirche gleichermassen sinnvoll und möglich wäre, wurde Frau Kandal gefragt, etwa zwischen Leuten mit ihrer Haltung und jenen, die christliche Evangelisation unter Muslimen befürworten. Dies sei, so Kandal, nötig und auch möglich. Sie verwies auf die respektvolle und kollegiale Kommunikation mit den eher evangelikal gestimmten Pfarrkollegen in den Zürcher Nachbarkirchgemeinden.

In der Woche vor dem 11.September wird im Kanton St.Gallen eine interreligiöse Aktions- und Dialogwoche durchgeführt, die von der kantonalen Integrationsstelle angeregt wurde. Auch die kirchlichen Gemeinden und Arbeitsstellen sind eingeladen, mit eigenen Aktionen und Veranstaltungen dabei zu sein.
 
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
08.03.2005

 
Weiterführender Link:
 ökumenischer Kurs ″Epil″
 

 
 
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