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Chile: erstes evangelisches Religionsbuch dank Schweizer Engagement erschienen
Das in Chiles Geschichte überhaupt erste Schulbuch für evangelischen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen ist soeben dank Schweizer Hilfe erschienen.
Federführend war dabei Daniel Frei (Foto), derzeit Mitarbeiter von mission21 in Concepción, 500 km südlich der Hauptstadt Santiago. Finanziel-le Unterstützung fand der ostschweizer Pfarrer und Sek-Lehrer bei seiner ehemaligen Kirchgemeinde in Oberwintherthur sowie bei den Reformierten Landeskirchen Zürichs und St.Gallens. Es handelt sich bei dem Buch um die stark angepasste Übertragung eines Lehrmittels für den Kanton Zürich.
Chiles „Evangelicos“, zu denen sich in dem südamerikanischen Land sowohl die direkten Erben der europäischen Reformation als auch Methodisten und Pfingstkirchen zählen, betragen heute an die 20% der Gesamtbevölkerung, Tendenz steigend. Erstmals in einem lateinamerikanischen Land wur-den ihre Kirchen ebenso wie andere Glaubensgemeinschaften in einem neuen Religionsgesetz 1999 der römisch-katholischen Kirche rechtlich gleichgestellt. Eine der Folgen: wo genügend evangelische Eltern dies beantragen, dort werden nun, staatlich finanziert und kirchlich verantwortet, evangelische Religionsstunden organisiert.
So gross die Genugtuung um die Gleichstellung unter den „Evangelicos“ war: inhaltlich war man auf den plötzlichen Wechsel kaum vorbereitet. Theologische Ausbildungsstätten wie die von mission21 unterstützte Facultad Evangélica de Teología/CTE begannen rasch, Fortbildungen für Lehrpersonen anzubieten. Unterrichtsmaterial war jedoch weitgehend Sache der Improvisationskunst der einzelnen Lehrkräfte. Dieses Defizit ist mit dem erscheinen des neuen Schulbuches fürs erste behoben.
Das äusserlich unaufwendig gestaltete Werk umfasst fast 400 Seiten im Din-A-4-Format. Aus praktischen Gründen ist es so konzipiert, dass nur die Lehrkraft ein Exemplar benötigt. Blaue Seiten geben thematische und didaktische Hinweise, weisse sind als Kopiervorlagen zu nutzen. In 16 Kapiteln werden zentrale Themen von der Einführung in die Bibel bis zu „religiösen Phänomenen und Symbolen“ Kernthemen des christlichen Glaubens angesprochen, und zwar aus protestantischer Perspekti-ve, aber in ökumenischer Weite. Das Material kann auch selektiv und auf unterschiedlichen Niveaus genutzt werden.
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
24.02.2005