Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Saroinsong: ″Der Tsunami hat die Menschen in Indonesien wieder zusammenrücken lassen″



 
Friedensaktivistin Mona Saroinsong bedankte sich für Schweizer Engagement in ihrer Heimat
 
Mit einem Gottesdienst in der St.Galler Laurenzenkirche, einem Vortrag im ökumenischen Rahmen in Wittenbach und einem informellen Gespräch im Rahmen des ″Runden Tisch der Religionen″ St.Gallen begann die indonesische Friedensaktivistin Mona Saroinsong ihre mehrwöchige Reise durch die Schweiz. Dabei dankte sie ausdrücklich im Namen von Betroffenen der Flutkatastrophe für das grossartige Engagement vieler Schweizerinnen und Schweizer. ″Wenn sie in den Medien hören, in der Provinz Aceh sei westliche Hilfe nicht willkommen, geben sie nicht viel darauf. Es hat zwar vereinzelt radikale Stimmen gegeben, die dies behaupteten, aber die breite Masse der Bevölkerung und auch die staatlichen Stellen wissen die Hilfe sehr zu schätzen.″ Überdies sei durch das gemeinsame Leid und die gemeinsame Anstrengung das Trennende zwischen den indonesischen Volksgruppen in den Hintergrund getreten. ″Die Katastrophe hat auch etwas gutes, sie eint die Menschen wieder″, sagte sie und illustrierte die Aussage mit Erlebnissen bei einem Aufenthalt im Krisengebiet im letzten Monat. Seit Ende der neunziger Jahre hatten sich in dem südostasiatischen Inselstaat gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen muslimischen und christlichen Volksgruppen ausgebreitet. Dahinter, so Saroinsong, stecke eine Kombination aus politischen Machenschaften, Diskriminierungen und fundamentalistischen Strömungen sowohl auf islamischer als auf christlicher Seite. Radikale Christen irritieren laut Saroinsong vor allem durch eine mitunter wenig respektvolle und aggressive Art der Evangelisation unter Muslimen. Aktive Angriffe auf Gotteshäuser und Wohnquartiere gingen jedoch weniger von der kleinen christlichen Minderheit aus als von fanatischen Gruppen unter den 90% Muslimen des Landes. Dennoch finge die Überwindung von Gewalt in den eigenen Reihen an, weil die Kette von Gewalt und Gegengewalt nur so gebrochen werden könne.

Frau Saroinsong hält sich auf Einladung von Brot für alle und mission21 in der Schweiz auf. Friedensprojekte stehen in diesem Jahr im Blickpunkt der Fastenkampagne unter dem Motto ″wir glauben. Gewalt hat nicht das letzte Wort″. Die 46-jährige Sprachlehrerin ist ehrenamtlich seit Jahren in der Frauenarbeit und der Erwachsenenbildung ihrer Kirche – der evangelisch Minahasa-Kirche in Nord- Sulawesi (Indonesien) tätig. Seit 2001 ist sie Koordinatorin des Crisis Centers in Manado, das die «Synode Am», die Regionalsynode des Evangelischen Kirchenbundes der Insel, zur Friedensförderung eingerichtet hat. Dieses Zentrum über Brot für alle durch mission 21 unterstützt. Als Folge der blutigen Auseinandersetzungen auf den Molukken und in Zentral-Sulawesi (1998–2000) wurde das Zentrum zum Zufluchtsort vieler Vertriebener. Mona Saroinsong setzt sich zusammen mit anderen Freiwilligen für eine sichere Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimatgebiete ein. Trotz Drohungen und grosser Widerstände auf beiden Seiten bemüht sie sich darum, Brücken der Verständigung und Versöhnung zwischen den Konfliktparteien zu bauen und den christlich-muslimischen Dialog zu vertiefen. Dank ihres grossen Einsatzes konnten viele Personen zu einem gewaltfreien Konfliktverhalten bewegt und befähigt werden. Die Arbeit weitet sich aus: kurz vor ihrem Abflug in die Schweiz wurde die Protestantin von muslimischen Partnern gebeten, ein Friedensseminar für Muslime zu halten.
 
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
14.02.2005

 
 
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