Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Tagung der Evangelischen Synode des Kantons St. Gallen vom 6. Dezember 2004

Die Evangelische Synode des Kantons St. Gallen hat am Montag, 6. Dezember unter Leitung von Pfarrer Dr. Frank Jehle im Grossratssaal auf der St. Galler Pfalz getagt. Die anstehenden Geschäfte wurden ohne lange Diskussionen erledigt.
 
Debattierlust weckte ein Referat von Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates SEK, der den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund vorstellte. Christoph Bose, Uznach, befand, der SEK falle mit seiner in höchsten Masse unreformierten Stellungnahme zur Abendmahlspraxis allen liberalen Kräften in den Rücken. Pfarrer Thomas Wipf konterte, da sei nichts schief gelaufen. Die offene Einladung zum Mahl des Herrn entspreche nicht einer Empfehlung, sie sei vielmehr Ermunterung, die ökumenische Gastfreundschaft zu pflegen. Allerdings sollten dadurch katholische Priester nicht in Bedrängnis gebracht werden.


Die Bemerkung von Pfarrer Wipf, der SEK könne selber kein Solidaritätsnetz weben (beispielsweise für die 350'000 Sans-Papiers in der Schweiz) und sein Aufruf, die Not dieser Menschen wahrzunehmen und dagegen anzugehen, verstärkte Edith Späti, St. Gallen mit einem dringlichen Appell, Synodale und Kirchenbehörden möchten sich bei den Sozialämtern auf Gemeindeebene für Asylsuchende einsetzen, damit menschenwürdige Nothilfe gewährt werden kann.


Eine Wiederholung der Taufe sei aus dogmatischen und biblischen Gründen nicht möglich, meinte der SEK-Ratspräsident auf ein Votum des Niederuzwiler Pfarrers Marcel Ammann. Tauferinnerungsfeiern machten Sinn; überhaupt täte man gut daran, mit der Vielfalt des Glaubens kreativer umzugehen. Ein neues protestantisches Selbstbewusstsein soll weder abgrenzen noch ausschliessen, aber deutlich zum Ganzen des christlichen Zeugnisses der Gegenwart beitragen.


Abschied vom Kirchenrat

Die auf Jahresende zurücktretende Vizepräsidentin des Kirchenrates, Renate Meyer-Koprio, Nesslau, wurde mit einem langen Applaus verabschiedet. Der Synodalpräsident würdigte ihr Wirken auf lokaler, kantonaler und schweizerischer Kirchenebene in den vergangenen zwanzig Jahren. Sie habe - bekannte die Demissionärin - die vielfältige Arbeit gerne mitgetragen und mitgeprägt. Als ihre Nachfolgerin hatte die Synode bereits im Sommer die Oberuzwiler Juristin Heidi Baer-Looser gewählt. Renate Meyers Sitz in der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes übernimmt Kirchenrat Pfarrer Jakob Bösch, der dem Kirchenparlament über seine Teilnahme an der Generalversammlung des reformierten Weltbundes in Accra, Ghana, Bericht erstattete.


Für Familien und Kinder

Im Herbst letzten Jahres haben sich die Mitglieder der Synode mit dem Bereich beschäftigt und an einer Aussprachesynode in Bütschwil eine Reihe von Empfehlungen abgegeben. Die neue kantonalkirchliche Arbeitsstelle Familien und Kinder hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Die frühere Sonntagschulkommission wirkt nun als Begleitgremium und berücksichtigt neu auch sozial-diakonische Aspekte. Eine Broschüre richtet sich an alle, die in ihrer täglichen Arbeit mit jungen Familien zu tun haben. Weil die Sonntagsschule im Umbruch ist, sollen Zukunftswerkstätten und Themenseminare neue Wege aufzeigen.


Ausserdem in der Synode

Nach dem vergangene Woche gefällten Entscheid des Kantonsparlamentes, dem Staatspersonal einen Teuerungsausgleich von einem Prozent zu gewähren, zieht die Kantonalkirche vorschriftsgemäss nach. Dadurch verringert sich der vorgesehene Vorschlag im Kirchenbudget von 70'000 auf 30'000 Franken.

In zweiter Lesung beschlossen wurde eine Änderung in der Besoldungsverordnung für Pfarrerinnen und Pfarrer. Künftig beträgt die Prämie nach 10 und 15 Dienstjahren noch 1/26, nach 25 Jahren 1/13 des Jahresgehaltes einer Pfarrstelle auf der Basis des aktuellen Pensums. Im Übergang wird Pfarrerinnen und Pfarrern, die bis 31. Dezember 2004 zwischen 10 und 14 Jahre Dienst vollendet haben, im Jahr 2005 eine Sonderzahlung ausgerichtet.

Eine Motion zur Herausgabe des Kirchenboten wurde vom Antragsteller zurückgezogen. Hingegen war zu erfahren, dass der St. Galler Kirchenbote im neuen Jahr mit einer eigenen Homepage und allem damit zusammen hängenden Service ″ans Netz″ gehen will.
 
Hans Ruedi Fischer (fis); Arbeitsstelle Kommunikation,
06.12.2004

 
Weiterführende Links:
 Kurzbericht der Kirchenratskanzlei zur Synodetagung
 Protokoll der Wintersynode
 

 
 
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