Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Zum internationalen Gedenktag des Sklavenhandels (23.August)



 
Ende Juli bis Mitte August diesen Jahres tagte in Accra/Ghana die 24.Generalversammlung des Reformierten Weltbundes, das alle sieben Jahre zusammentretende Parlament der Reformierten Kirchen der Welt. Zu Beginn der Konferenz wurden hunderte Delegierte und Beobachtende zu den Sklavenburgen Elmina und Cape Coast gefahren. Martin Breitenfeldt, OeME-Beauftragter der St.Galler Kantonalkirche, hat an dieser Reise teilgenommen und teilt anlässlich des UNESCO-Gedenktages an den Sklavenhandel Eindrücke mit.
 
Das Foto zeigt, was den heutigen christlichen Besucher bei den Sklavenburgen so besonders ratlos macht. Über dem Eingang zu jenen Kellern der Festung Cape Coast, in denen die "Ware Mensch"unter unaussprechlichen Bedingungen zusammengepfercht war, ragt die protestantische Kapelle auf. Anglikaner feierten hier Gottesdienst. In Elmina dasselbe Bild: direkt über den Verliessen der Frauen eine reformierte Kirche inklusive Gotteswort als Psalminschrift: "Hier will ich wohnen, denn ich habe es begehrt". Die architektonische Besonderheit drängt Fragen auf: Blenden auch wir heute das himmelschreiende Leiden anderer aus, während wir fröhlich Gottesdienst feiern? Wie können wir Kirche sein ohne das Leiden der heute Unterdrückten und Versklavten zu überhören oder gar zu Komplizen zu werden?

Unter den reformierten Besuchern waren Nachkommen aller Beteiligter: Weisse Holländer und Engländer, Schwarze aus Afrika (Nachkommen von Jägern und Opfern), Afroamerikaner aus den USA, Lateinamerika und der Karibik. Doch alle, etwa auch "unbeteiligte" Asiaten, waren betroffen von dem, was Menschen Menschen anzutun in der Lage sind. In bewegenden Gottesdiensten wurde um Versöhnung für die Vergangenheit und um aktive Wachsamkeit für die Gegenwart gebetet.

Das Wort Elmina kommt von Amina, dem portugiesischen Wort für Goldmine. Das älteste europäische Handelsfort an der sog. "Goldküste" wurde Ende des 15.Jahrhunderts von den Portugiesen erbaut. Es ist das älteste erhaltene europäische Bauwerk in den Tropen und zudem Geburtsort des offiziellen Ghanaischen Christentums: im Januar 1482 wurde hier die erste Messe auf dem Boden des heutigen Staatsgebietes zelebriert. Im 17.Jahrhundert konnten die Holländer die Burg erobern und im 19.Jahrhundert verkauften diese sie schließlich an die Engländer. Der einträgliche Handel mit dem "schwarzen Gold" Mensch wurde von diesem Ort und der benachbarten Burg Cape Coast 200 Jahre lang betrieben. Von den insgesamt rund 20 Millionen Westafrikanern, die durch das "Tor ohne Wiederkehr" an Bord getrieben wurden, überlebten nur knapp ein Drittel die Überfahrt. Dabei schafften es ohnehin nur die Stärksten jener ca. 13-35-Jährigen bis zum Schiff: nach zum Teil wochenlangem Fussmarsch für jeweils bis zu einem Vierteljahr bis zu ihrer Verschiffung unter unglaublichen Bedingungen zusammengepfercht (ca. 2.000 Menschen auf 100m²!) starben unzählige an Wassermangel, Seuchen, Infektionen oder Misshandlungen, Frauen vielfach auch an Vergewaltigungen durch ihre Bewacher oder den Folgen der Bestrafung für Verweigerung.

Der 23. August ist auf Wunsch der UNESCO dem "Gedenken an den Sklavenhandel und seine Abschaffung" gewidmet. Er erinnert an das Schicksal der Menschen, die in vergangenen Zeiten verschleppt und als Sklaven verkauft wurden. Zugleich rückt er aber auch die Tatsache ins Bewusstsein, dass auch im 21. Jahrhundert immer noch Menschen in Sklaverei oder Schuldknechtschaft leben. Das Datum ist nicht zufällig gewählt. In der Nacht zum 23. August 1791 begann die Sklavenrevolte in Santo Domingo, die entscheidende Impulse zur Abschaffung des Sklavenhandels.
 
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
23.08.2004

 
Weiterführender Link:
 Unesco zum Sklavenhandel
 

 
 
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