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Martin Luther kommt aus Indien
und Bartimaeus ist in Degersheim zuhause
"Liebe deinen nächsten wie dich selbst - auch wenn er 8000 km weit weg wohnt". Das Plakat von Brot für alle/Fastenopfer prangt gross im Eingang der reformierten Kirche Degersheim, und im ganzen Ort künden kleine Poster vom bevorstehenden Suppentag. Der OeME-Beauftragte im Kanton St.Gallen, Martin Breitenfeldt, ist zufrieden. "Kampagne angekommen" freut er sich still, noch bevor er dem Amtskollegen Bernhard Huber die Hand schüttelt.
Der verhilft ihm wenig später im Amtszimmer zu einer überraschenden Entdeckung: dem "Bartimaeus Hilfswerk". Dessen ehrenamtlicher Leiter und Motor der Unterstützungsarbeit in der Schweiz ist eben er, der reformierte Geistliche in Degersheim selbst. Auf einer Evangelisationskonferenz in Südafrika habe er vor Jahren einen indischen Pfarrer getroffen. Der hatte, wie in Indien nicht unüblich, einen christlichen Ordinationsnamen angenommen: Martin Luther. Als barfüssiger Wanderprediger gründete er Kirchen und ein Sozialwerk - die Arbeit wächst weiter. Pfarrer Huber, gebürtiger Elsässer mit Berner Frau und drei indischen Adoptivkindern, hilft von der Schweiz aus nach Kräften mit. Ein Besuch in Luthers Kirche veränderte sein Leben radikal.
"Und der Suppensonntag am nächsten Samstag?", fragt der OeMe-Beauftragte vorsichtig nach. "Der Ertrag geht selbstverständlich an ein Projekt von Brot für alle", meint Huber. "Auch die kirchlichen Hilfswerke sind wichtig. Unsere Arbeit passt nur nicht in deren Struktur - wir haben es versucht. Und die Leute hier haben die Wahl, was sie unterstützen möchten."
Im Sommer kommt Martin Luther aus Indien zu Besuch nach Degersheim. Auf Einladung von "Bartimaeus".
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
20.03.2004