Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Wie viel Schule braucht die Kirche?



 

Der Lehrplan 21 bringt auch Veränderungen für die Kirchen. Mit diesen setzte sich die Synode, das Parlament der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, gestern auseinander.
 

„Ich wünsche mir, dass wir häufiger gestört werden“, sagte Kirchenrat Heiner Graf zu Beginn der gestrigen Synode im Kantonsratssaal in St.Gallen. Das Reformationsjubiläum, das in einem Jahr startet, sei beste Gelegenheit diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Es wäre schön, wenn die Kirche durch das und mit dem Jubiläum in ihrem Selbstverständnis möglichst oft gestört würde.

Wie viel Pflicht?
Die von Heiner Graf gewünschten „Störungen“ gab es bereits bei der Beratung zur Anpassung der Kirchenordnung im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21. Zu Diskussionen führte etwa die Frage nach den Voraussetzungen für die Konfirmation. Mit der Einführung des neuen Lehrplans werden nämlich alle Schülerinnen und Schüler von der dritten bis zur neunten Klasse das Fach ERG (Ethik, Religion, Gemeinschaft) besuchen. Das Fach wird entweder durch die Kirchen oder die Schulen erteilt. Peter Hürlimann aus Goldach stellte den Antrag, dass es nicht darauf ankommen dürfe, ob die Oberstufenschüler ERG Schule oder Kirche besuchten, um konfirmiert zu werden. „Wenn wir eine Volkskirche sind, wollen wir für alle offen sein“, sagte er. Die Mehrheit des Kirchenparlamentes war anderer Meinung. Mit der Pflicht zum Besuch von ERG Kirche in der Oberstufe sei es einfacher zu garantieren, dass die Schülerinnen und Schüler die gleichen Grundlagen für den Konfirmationsunterricht mitbrächten, lautete eine Begründung dafür.
Schon bald wird sich diese Frage erstmals stellen. Dann müssen alle Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse entscheiden, ob sie ERG Kirche oder ERG Schule besuchen.

Ausgeglichener Voranschlag
Fast störungsfrei dann die weiteren Traktanden. Das Budget 2017 der Kantonalkirche nahm das Kirchenparlament einstimmig an. Der Voranschlag rechnet bei einem Aufwand von 22,1 Millionen mit einem Vorschlag von 100 000 Franken. Der Kirchenrat geht bei gleichbleibendem Steuerfuss von 7,4 Millionen Zentralsteuer-Einnahmen aus. Die Beiträge des Kantons an den Finanzausgleich betragen voraussichtlich 8,5 Millionen Franken. Die übrigen Aufwände sind über Abgeltungen, beispielsweise der Spitäler für die Seelsorge, oder Finanzerträge gedeckt.
Ebenso unbestritten das Budget des Kirchenboten. Dieses sieht bei einem Aufwand von rund 850 000 Franken ebenfalls einen ausgeglichenen Abschluss vor. Weil Layouterneuerung der gedruckten Ausgabe und der neue Webauftritt abgeschlossen sind, ist es gleichzeitig möglich, den Abopreis um 50 Rappen zu senken.
Ebenfalls um den Kirchenboten ging es beim nächsten Traktandum. Um effizienter arbeiten zu können, stellte die Redaktionskommission den Antrag, sich verkleinern zu dürfen. Neu sollen nur noch sechs statt neun Mitglieder darin Einsitz nehmen. Diesem Ersuchen kam die Synode nach.
Obwohl die Kommission kleiner wird, waren Ersatzwahlen nötig. Jürg Steinmann wird neuer Präsident der Redaktionskommission. Er folgt auf Hans-Paul Candrian, der während sechs Jahren das Präsidium führte. Zudem treten die Kommissionsmitglieder Anton Spycher und Markus Walser, beide Wil; Lotti Gerber, St.Gallen und Alfred Ritz, Altstätten zurück. Neu in die Kommission wurden Rolf Kühne, Sargans, und Corinne Stofer-Weigelt, Gaiserwald, gewählt. kid/Ack
 

Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation, 06.12.2016
 


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