Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Schmidt folgt auf Weder



 

Der neue Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen heisst Martin Schmidt. Damit setzt die Synode, das St.Galler Kirchenparlament, auf Kontinuität. Denn Schmidt ist bisheriger Vizepräsident des Kirchenrates. Er tritt Anfang März 2014 die Nachfolge von Dölf Weder an.
 

„Ich atme jetzt erst einmal tief durch“, sagte Martin Schmidt sichtlich erleichtert, als das Resultat feststand. Soeben hatte er die Wahl zum Kirchenratspräsidenten der Evangelisch-reformierten Kirche St.Gallen gewonnen. Er freue sich, dass er „als Pferd aus der zweiten Reihe“ nun die Führung übernehmen dürfe, sagte der bisherige Vizepräsident des Kirchenrates.
Schmidt spielte mit dem Pferd auf Voten an, in denen sich Synodale noch vor den beiden Wahlgängen für den einen oder anderen Kandidaten aussprachen. Da war die Rede von einem neuen Zugpferd, das die St.Galler Kirche dringend brauche, von einer Firmenleitung, die man nur dann von extern hole, wenn Feuer im Dach sei oder von Netzwerken, die auch zu Fallstricken werden könnten. Je nach Bild lag ein anderer Kandidat in der Gunst der Sprecherin oder des Sprechers.

Deutliche Wahl
Drei waren es, die sich der Wahl stellten: Klaus Stahlberger hatte kurz vor der Wahl seine Kandidatur zurückgezogen – „aus persönlichen und politischen Gründen“. So hatte das St.Galler Kirchenparlament sich gestern im Stadthof in Rorschach noch zu entscheiden zwischen Sigrun Holz, Pfarrerin in Speicher, Christoph Ramstein, Pfarrer aus der basellandschaftlichen Gemeinde Lausen, und Martin Schmidt, Pfarrer, bisheriger Kirchenrat und Dozent an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen.
Im ersten Wahlgang zeichnete sich das Duell zwischen Martin Schmidt und Christoph Ramstein schon ab. Schmidt erhielt 77 Stimmen, Ramstein 60 und Sigrun Holz 27. Bei 165 abgegebenen Stimmen wären 83 für das absolute Mehr nötig gewesen. Gleich danach verzichtete Sigrun Holz darauf, weiter zu kandidieren. Die Synodalen dankten ihr für ihre Kandidatur mit einem langanhaltenden Applaus. Im zweiten Wahlgang war das Verdikt dann klar: Die meisten Stimmen von Sigrun Holz gingen an Martin Schmidt. Er erhielt 99, Christoph Ramstein 64.
Er habe grossen Respekt vor der neuen Aufgabe, sagte Martin Schmidt bei seiner Erklärung zur Annahme der Wahl. Er wisse aber, dass er im Kirchenrat auf ein gutes Miteinander zählen könne. „Ich bin zuversichtlich, dass wir alle zusammen die St.Galler Kirche „nahe bei Gott und nahe bei den Menschen“ in eine gute Zukunft führen können. Dazu wünschte Synodalpräsidentin Daniela Zillig dem neuen Kapitän des Kirchenschiffes guten Wind, Weitblick und eine engagierte Crew. Martin Schmidt übernimmt Anfang März das Amt von Dölf Weder.

Nachsicht mit dem Toggenburg
Nach der Wahl ging es dann weit weniger bildhaft weiter. Die Synode beriet in zweiter Lesung die Neuordnung des Finanzausgleiches. In der Eintretensdebatte kritisierten Synodale aus dem Toggenburg sowie Markus Anker, Synodaler aus St.Gallen, dass zu dieser komplexen Vorlage nie eine Vernehmlassung stattgefunden habe. Der Kirchenrat hatte sich an deren Stelle für eine umfangreiche Diskussion an der letzten Sommersynode entschieden. Daher müsse, so Anker, via Rückkommensantrag die gesamte Vorlage ausser Antrag 1 zurückgewiesen werden. Dies eröffne die Chance, der Vorlage jenen Reifeprozess angedeihen zu lassen, den sie noch nicht bekommen habe. Ziel seines Votums und jener der weiteren Rednerinnen war es, dass nicht hauptsächlich kleine, strukturschwache Toggenburger Gemeinden die Hauptlast der Sparanstrengungen im Personalbereich schultern müssen. Die Vorlage war nötig geworden, weil die Beiträge des Kantons an den Finanzausgleich innerhalb der letzten fünf Jahre von rund zehn Millionen Franken auf weniger als acht zurückgegangen sind. Die fehlenden gut zwei Millionen gilt es nun einzusparen.
Die Synode schwenkte nicht auf Ankers Radikalforderung ein, hatte aber Nachsicht mit dem Toggenburg. So verzichtete sie auf eine sogenannte Abdachung. Diese hätte dem Kirchenrat die Möglichkeit gegeben, den maximalen Anteil des Finanzausgleichs am Gesamtbudget einer Kirchgemeinde nach oben zu begrenzen. Allerdings wären die diesbezüglichen Einsparungen nur noch gering gewesen, da die Synode vorher die Mindestgrösse von 1000 Mitgliedern pro Gemeinde zum Bezug von Finanzausgleich bestätigt hatte. Die meisten Gemeinden, welche von einer Abdachung betroffen gewesen wären, müssen nun bis 2016 sowieso fusionieren. Aber auch da zeigte sich die Synode gnädig. Auf begründetes Gesuch kann der Kirchenrat fusionswilligen Gemeinden noch zusätzliche zwei Jahre Aufschub bis zur Vollendung des Zusammengehens gewähren.

Neues Kleid für Kirchenbote
Schliesslich genehmigte die Synode Amtsbericht und Rechnung 2012 der Zentralkasse. Letztere schliesst bei einem Aufwand von 23,4 Millionen mit einem Vorschlag von 87 000 Franken ab. Im Budget ging der Kirchenrat noch von einem Rückschlag von 66 000 Franken aus. Im Zusammenhang mit der Rechnung des Kirchenboten erläuterte Hans-Paul Candrian, Präsident der Redaktionskommission, dass die Kommission nun eine visuelle und inhaltliche Neukonzeption der Zeitschrift anstrebt. Ein Zusammengehen mit dem Deutschschweizer Kirchenblatt „Reformiert“ habe man zwar geprüft, sehe jedoch davon ab. kid/Ack

Legende: Soeben zum Kirchenratspräsidenten gewählt: Martin Schmidt (rechts) nimmt Gratulationen von seinem Kirchenratskollegen Heinz Fäh entgegen. Bild: Hannes Thalmann
 

Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation, 24.06.2013
 


© Alle Bilder und Texte sind Eigentum der
Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, Schweiz