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"Jungs schlagen - Mädchen keifen" - ein Schulungsabend
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Gewalt erkennen - Gewalt stoppen - Frieden stiften |
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Zu diesem Thema fand am Dienstag 18. März 2003 im Andreas-Zentrum in Gossau eine Veranstaltung für freiwillige Lager- und GruppenleiterInnen statt. Der Anlass wurde ökumenisch organisiert von den beiden kath. Arbeitsstellen für kirchliche Jugendarbeit (akj) Gossau und St. Gallen sowie der Arbeitsstelle für Jugendfragen (AJ) der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen.
Dass die Veranstaltung ein aktuelles Thema anschnitt, bewies nicht nur der Andrang von fast 100 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sondern auch die Tatsache, dass nur 30 Stunden nach Ende des Anlasses der Krieg im Irak begann.
Ron Halbright, Carmelita Boari und zusätzliche Fachleute von der Fachorganisation NCBI führten durch den Abend. NCBI steht für National Coalition Building Institute, was übersetzt soviel wie "Brückenbauer-Institut" heisst. NCBI ist ein gemeinnütziger, konfessionell und politisch neutraler Verein, der sich für den Abbau von Vorurteilen, von Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art sowie für Gewaltprävention und konstruktive Konfliktlösung einsetzt.
Es gibt zu viel Gewalt!
Nach der Begrüssung wurden vier Gruppen gebildet, welche sich in verschiedene Räume verteilten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde war die Aufmerksamkeit aller Teilnehmer spätestens beim "Auf und Ab" gewiss. Auf und Ab wird eine Übung genannt, bei welcher man seine Zustimmung durch Aufstehen zeigt. Es wurden verschiedene Fragen allgemeiner, aber auch geschlechtsspezifischer Art gestellt. Bei der Frage, ob es zu viel Gewalt auf der ganzen Welt, in Europa, in der Schweiz gebe, standen alle auf. Was ist Gewalt? - dies war die nächste Frage an die Teilnehmer. Sie konnten zusammentragen, was für sie alles zu Gewalt gehört. Das Ziel war zu wissen, was Gewalt ist und die verschiedenen Formen von Gewalt zu erkennen.
Vorurteile ärgern
Als Nächstes wurden erste Einfälle zu Mädchen/Frauen und Jungs/Männer gesammelt, jeweils vom anderen Geschlecht. Zuerst mussten sich die Männer anhören, was den Frauen beim Stichwort Mann alles einfällt. Es ging nicht darum nur Dinge zu nennen, welche stimmen, sondern auch Vorurteile auszusprechen. Einige Nennungen lösten viel Gelächter aus. Danach hatten die Männer die Möglichkeit zu sagen, welches Vorurteil sie am meisten stört. Sie wehrten sich unter anderem gegen das Altbekannte: "Männer können keine Gefühle zeigen". Nach dem Rollentausch waren auch die Frauen nicht einverstanden mit den Nennungen der Männer und sie ärgerten sich zum Beispiel über: "Frauen am Steuer".
Das Konflikt-Thermometer
Dass Gewalt auch in Jugendverbänden und kirchlichen Gruppen vorkommt, zeigte sich bei der nächsten Übung. In der Zweiergruppe erzählte man sich einen Vorfall mit Gewalt, den man als Zeuge/-in erlebt hat. Anhand eines Beispiels wurde das Prinzip des Thermometers erklärt. Während eines Konfliktes steigt die "Temperatur" immer weiter bis zur Eskalation und es wird immer schwieriger einzugreifen ohne selber Schläge einzustecken. Das Ziel ist es, einzugreifen, bevor die "Temperatur" zu weit gestiegen ist, oder wenn dies schon passiert ist, die Eskalation abzukühlen. Es wurde ein Konfliktlösungsmodell für den Alltag vorgestellt, in welchem es darum geht zu lernen Frieden zu stiften ohne selber Gewalt anzuwenden.
Männer werden handgreiflich - Frauen schimpfen
Leider war die Zeit etwas knapp für einen weiteren spannenden Programmpunkt: den Schwester- und Brüderkreis. Die Gruppe teilte sich geschlechterspezifisch auf. In beiden Gruppen wurde über Angst vor Gewalt allgemein und in Bezug auf das andere Geschlecht diskutiert. Nach etwa 15 Minuten traf man sich wieder und die Ergebnisse wurden der anderen Gruppe vorgestellt. Beim Vergleich zeigte sich, dass Männer Gewalt handgreiflicher und offensichtlicher ausüben, im Gegensatz zu den Frauen, welche dies eher verbal und im Versteckten tun.
Die Teilnehmer konnten sich immer wieder aktiv beteiligen und ihre Meinung äussern, was als sehr positiv empfunden wurde. Der Abend war interessant und lehrreich, die Zeit verging viel zu schnell. Plötzlich war es 22 Uhr und die Veranstaltung wurde im Plenum beendet.
Elvira Kaltbrunner, Teilnehmerin, Wittenbach |
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Elvira Kaltbrunner; Arbeitsstelle Jugendfragen,
03.04.2003 |
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