Kampf um knappes Land
Fastenopfer und Brot für alle wenden sich in ihrer neuen Kampagne gegen den Wettstreit um fruchtbares Land. Die globalen Zusammenhänge und lokale Möglichkeiten der Gier nach Land zu begegnen, waren Thema einer Impulstagung.
Der Zugang zu Land ist ein entscheidender Faktor, wenn es um die Ernährungssicherheit von Menschen geht. Dies ist die zentrale Botschaft der zwischen Fasnacht und Ostern stattfindenden Kampagne „Ohne Land kein Brot“ der kirchlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle. An der Impulstagung vom vergangenen Samstag in St.Gallen informierten sich rund sechzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Inhalte und Hintergründe der Kampagne; zumeist Mitarbeitende, die die Inputs in die Aktionen ihrer Gemeinden einfliessen lassen.
So zeigte etwa Elisabeth Bürgi Bonanomi auf, dass in Entwicklungs- und Schwellenländern grosse Landkäufe seit der Nahrungsmittelkrise 2008 stark zugenommen hätten. Die Käuferschaft seien oft aufstrebende Länder wie China, Südafrika, Indien oder Südkorea. „Ihr Ziel ist es, die Ernährung der eigenen Bevölkerung zu sichern“, sagte die Rechtsanwältin und Völkerrechtlerin, die am World Trade Institute der Universität Bern tätig ist. Auch Hedgefonds gehören zu den grossen Landkäufern. Seit die Rohstoffpreise stark gestiegen sind, gilt Agrarland als interessantes Investment. Die Folge ist, dass Wasser und Land von Finanzspekulation betroffen sind. Wie Elisabeth Bürgi weiter ausführte, ist Landrecht eng mit dem Völkerrecht verbunden. Diese Landkäufe gingen nämlich oftmals auf Kosten der lokalen Bevölkerung. Diese werde vertrieben oder verliere ihre Lebensgrundlage.
Weil die lokale Bevölkerung am Ende einer langen Kette stehe, wie der zweite Referent Josef Estermann, am Beispiel von zwei bolivianischen Bauern aufzeigte. Der Theologe und Philosoph lebte während 16 Jahren in Boliven und Perú und arbeitete dort für die Bethlehem Mission Immensee. Die beiden Bauern mussten ihr Land verlassen und leben seither in El Alto, wo sie mit Gelegenheitsjobs ums eigene und das Überleben ihrer Familien kämpfen.
Die komplexen Zusammenhänge um das Thema des Landgrabbing, des Wettlaufs um fruchtbares Land, sind die weltweite Dimension. „Doch was können wir hier bei uns tun, um dieses globale Wettrennen zumindest ein wenig zu bremsen?“ fragten sich die Teilnehmenden der Tagung. Etwa auf den eigenen Fleischkonsum achten. Denn um Fleisch zu produzieren braucht es viel Land und Wasser. Für den Futteranbau wird oft Urwald gerodet und für die Produktion eines Kilos Rindfleisch sind 15400 Liter Wasser nötig. Kid/ba
Weitere Informationen zur ökumenischen Kampagne der beiden kirchlichen Hilfswerke Fastenopfer und Brot für alle unter: www.oekumenischekampagne.ch
Brigitta Ackermann; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
14.01.2013
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