Ökumene heisst :“Im gleichen Haus leben“
Das uralte Gallusglöcklein läutete am vergangenen Sonntag den Festgottesdienst zum Gallusjubiläum der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen ein. Es erinnerte an die Vergangenheit, an den Grund des gemeinsamen Feierns und es rief genauso in die Gegenwart und auf die Zukunft hin. Ökumene bedeute „im gleichen Haus leben“, betonte Bischof Markus Büchel in seiner Begrüssung. Dies werde in diesem Gottesdienst spürbar und erlebbar.
Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen beteten am Sonntag miteinander. Mitglieder der christkatholischen, römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Kirchen, Babtisten, Methodisten, Heilsarmee, Eglise francaise oder AG Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung – sie alle miteinander hatten den Gottesdienst vorbereitet. Das Resultat war ein berührender und freudiger Anlass der konfessionelle Unterschiede nicht verschwieg, aber vor allem die wichtigste Gemeinsamkeit aufzeigte: den Glauben an Jesus-Christus, über die Zeit getragen durch die Verkündigung des Evangeliums. Ein schöner Ausdruck dafür waren das von den rund 700 mitfeiernden Gläubigen gesprochene Apostolische Glaubensbekenntnis sowie das Vater Unser/Unser Vater.
Unterschiedliche Traditionen
Ljubomiar Kotarcic sang, begleitet vom Domchor, eine wunderbare serbisch-orthodoxe Kyrielitanei. Pfarrer Martin Schmidt (evang.-ref. Kirche) sowie Daniel Konrad (christkatholischer Pfarrer) näherten sich in ihren Impulsen dem Leben des heiligen Gallus und seiner Ausstrahlung bis in die heutige Zeit. „Wir sind hängengeblieben wie Gallus, in der Verkündigung des einen Gottes, zusammengekommen aus unterschiedlichen Traditionen von Menschen, die uns den Glauben weitervermittelt haben“, sagte Martin Schmidt. Daniel Konrad sprach von einem Vorbild Gallus, der seine Wanderschaft im Tal der Steinach beendete, um sich auf einen inneren Weg zu Gott über die Seele zu machen. „In der römisch-katholischen Kirche wird viel über die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung gesprochen“, sagte Bischof Markus Büchel. „Dabei geht oft vergessen, dass damit zuerst und fast ausschliesslich wir selber gemeint sind“.
Uraufführung
Im Gottesdienst sang die Gemeinde erstmals das neue „Vier-Heiligenlied“, dessen Text Josef Osterwalder verfasst hat, die Melodie ist von einem alten Osterlied von Carl Rütti übernommen. Es erinnert daran, dass die Heiligen von einst heutigen Menschen durchaus etwas zu sagen haben. So heisst es im Lied: „Auf tastende Wege von Gallus geladen, begleitet vom Heiligen zu mutigen Taten. Mit Dir, miteinander an Neues sich wagen, mit Liedern der Hoffnung von ihnen getragen.“ (inf./Sabine Rüthemann)
Wörtlich: Bischof Markus Büchel
„Je reformbereiter wir werden, umso mehr lassen wir ab von Irrwegen, die rein menschlich und geschichtlich bestimmt wind – wir müssen also reformierter werden.
Je direkter wir uns der Botschaft des Evangeliums stellen und aus ihr leben, umso authentischer und überzeugender sind wir – wir müssen also evangelischer werden.
Je mehr uns bewusst ist, dass die Erlösung allen Menschen gilt und die Kirche die weltumspannende Gemeinschaft aller getauften ist, umso glaubwürdiger und solidarischer setzen wir uns für alle Menschen ein – wir müssen also katholischer werden.
Je mehr wir erfassen, dass die Tiefe der Wahrheit und des Geheimnisses Gottes nur durch Gottes Geist und Gnade erschlossen werden kann, umso rechtgläubiger werden wir – wir müssen also orthodoxer werden.
Liegt in der Feier des Gallusjubiläums über alle Konfessionen und Kulturen hinweg nicht auch die Vision oder der Traum von einer reformiert – evangelisch – katholisch – orthodoxen Kirche?“. (inf.)
Wörtlich: Pfarrer Martin Schmidt
„Der Herr sprach zu Abraham: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde“. Gott spricht zu Abraham, und Abraham macht sich auf den Weg. Dieser kurze Text gehört zu den wichtigsten Texten der Bibel überhaupt. Denn mit dieser kleinen Erzählung, mit diesen wenigen Sätzen, beginnt die Geschichte Gottes mit seinem Volk, die im Segen für alle Völker ihr Ziel findet. Sie erstreckt sich für uns Christen von der Verheissung an Abraham, über den Einzug des Volkes Israel ins gelobte Land bis hin zu Jesus Christus. Gottes Ruf an Abraham ist deswegen nicht nur für das Judentum wichtig, sondern auch für uns, für die Christen, denn hier beginnt ein Bogen, der sich bis zur Kirche, bis zu uns heute erstreckt, und dadurch sind wir heute hier alle in diesem Gottesdienst unmittelbar mit diesem kleinen Text verbunden.
Gottes Ruf an Abraham ist das Grunddatum für die Heilsgeschichte, auf der drei große Religionen gründen: Das Judentum, das Christentum, der Islam. Alle drei leiten sich von Abraham her, deshalb nennt man diese drei auch die ″abrahamitischen″ Religionen. Trotz aller Unterschiede sind sie in der Geschichte von Abraham verbunden.
Und in dieser Dynamik hat sich auch Gallus auf den Weg gemacht – am Anfang unscheinbar und dann mit einer gewaltigen Sogwirkung – bis heute. (inf.)
www.ack-asg.ch
Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation,
23.04.2012
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