Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Wartensee-Erlös für innovative Projekte



 
Was soll mit dem Verkaufserlös aus Schloss Wartensee geschehen? Diese Frage stellt sich die Synode, das Kirchenparlament der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, am kommenden Montag an ihrer ordentlichen Wintersession.
 
Obwohl vergangene Woche die Saxo-Bank als mögliche Käuferin von Schloss Wartensee abgesprungen ist, macht sich die Synode, das Kirchenparlament der Evangelisch-reformierten Kirche, an ihrer Session vom kommenden Montag dennoch Gedanken über die Verwendung des Verkaufserlöses. Der Kirchenrat schlägt vor, das Geld aus dem Verkauf des Tagungs- und Begegnungszentrums in innovative und regionale Projekte der Gemeinden zu investieren. Weil die Gemeinden beim Umbau des Schlosses eine Bausteuer auf sich genommen hatten, soll der Verkaufserlös wieder zu ihnen zurückfliessen, begründet der Kirchenrat seinen Vorschlag. Damit könnte gleichzeitig der derzeit strapazierte Finanzausgleichfonds entlastet werden. Bisher finanzierte die Kantonalkirche innovative Projekte – etwa im Bereich populäre Musik, Familienkirche, Jugend oder neue Gottesdienstformen – über dieses Instrument.
Rund 10 Millionen Franken Nettoerlös hätte der Verkauf des Schlosses an die Saxo-Bank eingebracht. Geht man weiterhin vom gleichen Ertrag aus, könnten einem solchen Wartensee-Fonds während über zwanzig Jahren jährlich 500 000 Franken entnommen werden.


Rückschlag beim Finanzausgleich
Um ansehnliche Beträge geht es auch beim Budget 2012 der Kantonalkirche. Dieses sieht bei einem Aufwand von rund 22,83 Millionen Franken einen leichten Rückschlag von 70 000 Franken vor. Der Kirchenrat geht von Steuereinnahmen von 7,1 Millionen aus, also etwas weniger als 2010. Dabei soll die Zentralsteuer bei 3,1 Prozentpunkten belassen werden – inklusive der 0,5 Prozente für die Unterstützung von sozialen Werken im In- und Ausland.
Mit einem Rückschlag von 1,93 Millionen rechnet der Kirchenrat hingegen beim Finanzausgleich. Erwarteten Einnahmen von 8 Millionen stehen Ausgaben von rund 9,9 Millionen gegenüber. Der Fehlbetrag soll über vorhandene Rückstellungen gedeckt werden. Die Gelder aus dem Finanzausgleich kommen vorwiegend finanzschwachen Gemeinden zugute. Angesichts des Defizits stellt der Kirchenrat der Synode für nächsten Sommer eine Grundsatzdebatte über die Zukunft des Finanzausgleichs in Aussicht.
Im Budget der Kantonalkirche nicht vorgesehen sind generelle Lohnerhöhungen. Hier folgt die Kantonalkirche jeweils dem Kantonsrat, welcher in seiner derzeitigen Session die Löhne des Staatspersonals beschliesst.


Der Vielfalt gerecht werden
Nach den grossen Zahlen berät das Kirchenparlament schliesslich in erster Lesung ein neues Reglement für kirchliche Mitarbeitende in sozialen und diakonischen Diensten. Das neue Reglement wurde notwendig, weil diese Dienste in den letzten Jahren gewachsen und deutlich vielfältiger geworden sind: Jugendarbeit, Sozialdienste, Gemeindediakonie, Altersarbeit und vieles mehr. Damit sind auch die möglichen Ausbildungen vielfältiger geworden: Von der Maturandin, die einige Jahre in der Jugendarbeit tätig ist, bis zum Fachhochschul-Abgänger mit einem Master in Sozialarbeit. Das verlangt nach Unterschieden in der Entlöhnung. Die St. Galler Kirche möchte mit diesen Regelungen eine attraktive Arbeitgeberin mit einem vielfältigen Stellenangebot bleiben. kid/Ack


Die Synode ist öffentlich. Sie findet am kommenden Montag, 5. Dezember, ab 8.30 Uhr im Saal des Kantonsrates in St.Gallen statt.
 
Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation,
21.11.2011

 
 
© Alle Bilder und Texte sind Eigentum der
Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, Schweiz