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Rückblick auf das ″Respect Camp″

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″Wir wollen die Jugendlichen abholen mit ihren Geschichten aus ihrem Alltag zu Gewalt, Rassismus und Intoleranz″, sagt Urs Urech. Der Aargauer hat das Projekt ″Respect Camp″ entwickelt, welches anlässlich der Interreligiösen Dialog- und Aktionswoche im Kanton St. Gallen letzte Woche auf dem St. Galler Klosterplatz stattfand. |
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Mit ohrenbetäubendem Geklirr knallten vergangene Woche Teller und Tassen an eine Wand und zerfielen in tausende Scherbenstückchen. Eine simple Agressionstat? Nein. - Junge Leute hatten im Rahmen des „Respect-Camp“ zuvor ihren Frust auf das Geschirr geschrieben und zerschmettern es danach lust- und geräuschvoll – Frustabbau ist das Thema dieser Station des ″Respect Camp″.
Finanziert wird das Projekt vor allem vom Kanton St.Gallen und der katholischen und evangelisch-reformierten Kirche in Stadt und Kanton. Sechzig freiwillige Helferinnen und Helfer waren im Einsatz, und die Veranstalter sind sichtlich stolz darauf, dass auch zwei junge Frauen mit Kopftuch im hellblauen Respect-Camp-T-Shirt tatkräftig Hand anlegten.
″Was macht dich wütend?″ – den respektvollen Umgang mit Hilfe von Sensibilisation und Verarbeitung lernen
Das Camp basierte auf sechs Trainingspoints in Gestalt von weissen Tipis, bei denen Fragen gestellt wurden zum eigenen Umgang mit Wut und Frust, zu Vorurteilen gegenüber anderen und zum Umgang mit Konflikten. ″Was macht dich wütend?, hiess es etwa am Eingang in das entsprechende Tipi und auf dem Begleitheft, welches die Jugendlichen mit Fragen und Anregungen durch den Parcours führte. Oder: ″ Wann ist es deiner Meinung nach richtig, wütend zu werden?″ Antworten wurden von den Jugendlichen zur Nachbereitung in der Schule in das Heft geschrieben oder als SMS eingeschickt, um sie als Leuchtschrift vor dem barocken Eingang der Kathedrale vorbeiflimmern zu sehen. Doch die Idee des Camps soll auch Kreise ziehen: Wie kann man Frieden stiften? Wie bei Mobbing reagieren? Wie Zivilcourage zeigen?
″Wir wollen den Jugendlichen nicht einfach sagen, wie sie in einem Konflikt reagieren müssen″, sagt Urs Urech. Dazu gebe es im Internet genügend Material. ″Sie sollen vor allem eine aussenstehende Ansprechperson haben, mit der sie sich austauschen können.″ Das Bedürfnis, mit jemandem über eigene Erlebnisse zu sprechen, sei gross, sagt er. ″Wir wollen in Gesprächen hören, was sie erlebt haben und gleichzeitig wollen wir sie für zukünftige Situationen, in denen sie „Respect“ aktiv leben können sensibilisieren und aufmerksam machen.″
Chillen im Tipi und vieles mehr
Viele Fragen wie, „Was bedeutet für dich Glück?“ „ Wann bist du zufrieden?“, führten durch die verschiedenen Tipis. Zu diesen Fragen konnte man ein Statement abgeben, das zusammen mit einem Foto in einem Album, welches in einem der 6 Tipis von den Besuchern bestaunt werden kann, eingeordnet wurde. In einem weiteren Tipi konnte man einen Psychotest machen, in einem anderen auf spielerische Weise sein Wissen über andere Religionen testen. Man wird konfrontiert mit Aussagen anderer Jugendlicher, die sich wegen ihrer Religion diskriminiert fühlen, und soll selber darüber nachdenken, ob man schon einmal so etwas erlebt hat. Das Herzstück des Camps aber wird besonders intensiv genutzt: Im grossen Tipi kann man ″chillen″ (ausruhen), miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen, über die eigenen Erlebnisse nachdenken oder einfach ein Kerzchen anzünden und die einladende Atmosphäre des Kerzenlichts und der vielen farbigen Tücher und Sofas rundherum geniessen.
Die über 1`000 Jugendlichen, die während vier Tagen das Camp auf dem Klosterplatz besuchten, fühlten sich angesprochen, so die Rückmeldung der Begleitpersonen und vieler Jugendlichen selbst.
Zuvor war die Zeltstadt in Altstätten SG, und auch dort sind 1.000 Jugendliche durch die Zelte gewandert. In St. Gallen auf dem Klosterplatz hat das Camp zum zweiten Mal seine Zelte aufgeschlagen.
Auf http://www.respect-camp.ch gibt es weiter Grundlagen und Arbeitsmaterialien. Auch wenn das Camp vorerst vorbei ist, das Thema bleibt aktuell! |
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Rahel Weber Peter Christinger; Arbeitsstelle Jugendfragen,
19.09.2011 |
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