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Die Natur ist stärker als der Mensch – Auftakt zur SchöpfungsZeit im Botanischen Garten

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Im Botanischen Garten von St. Gallen hat am Abend des 1. Septembers die ökumenische GFS-Kommission der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen SG/AR/AI die SchöpfungsZeit zum Jahr des Waldes eröffnet. Mehr als 60 Personen folgten dem Gespräch mit dem „Arven-Vater“ Theo Gerber sowie dem Referat des Leiters des Botanischen Gartens Hanspeter Schumacher. Führungen durch den Garten entlang von Bäumen aus aller Welt und eine von Vertreterinnen und Vertretern der römisch-katholischen, der reformierten, der christkatholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche gestalteten liturgische Feier im Tropenhaus schlossen den Anlass ab. |
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Heute wird der Wald positiv gesehen. Das war nicht immer so. In der Bibel und auch in Märchen gilt er als menschenfeindlicher und bedrohlicher Ort – eine Erinnerung daran ist das Märchen von Hänsel und Gretel. Doch heute finden viele Menschen Gott eher im Wald als in der Kirche, meinte Pfr. Stephan Degen-Ballmer, der Präsident des ökumenischen Vereins oeku Kirche und Umwelt. Er kann ihnen diese Meinung nicht verübeln. Auch für ihn widerspiegelt sich im faszinierenden Lebensraum Wald - zwischen Wipfeln und Wurzeln - etwas von der Grösse und Nähe Gottes.
Im Gespräch mit dem Journalisten Josef Osterwalder erzählte der pensionierte Kinderarzt und Arven-Vater Theo Gerber von seinem jahrzehntelangen Engagement zugunsten des Rheinwaldes. Zusammen mit vielen anderen Engagierten, brachte er die Arve zurück in den Rheinwald – über 80'000 Arven-Kinder sind Zeugen seiner Passion. Eine grosse Lehre gibt er aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung weiter: Die Natur ist stärker als der Mensch. Wir werden teuer dafür bezahlen, wenn wir meinen, die Natur beherrschen zu können. Gerber empfindet ein Hochgefühl dabei, sich als kleiner Teil eines grossen Ganzen zu sehen.
Der Leiter des Botanischen Gartens, Hanspeter Schumacher, stellte an den Anfang seines Referats verschiedene grundsätzliche Überlegungen. Die Schweiz als Waldland könnte nur sehr wenige Menschen ernähren. Demgegenüber sei es aber auch eine Illusion, zu meinen, die vollständige Rodung des Waldes mache eine Hochkultur möglich und könne vielen Menschen genügend Nahrung verschaffen. Hochkulturen hätten nur Zukunft, wenn das Gemisch zwischen Kulturland, Siedlungen und Wald stimme. Die zwölf wichtigsten Kulturpflanzen, die unsere Ernährung sicherten, seien alle nicht einheimisch. Acht dieser Grundnahrungspflanzen seien Gräser (z.B. Weizen, Reis) und stammten nicht aus dem Wald. Dennoch biete unser Wald eine Vielfalt an Pflanzen, die für die Bereicherung unserer Ernährung und für die Medizin interessant sei. Bei diesem Thema konnte Schumacher aus dem Vollen schöpfen. Er stellte den Zuhörenden eine Vielzahl von Waldpflanzen mit praktischen Zubereitungshinweisen vor, sei es als Salat, Gemüse oder Konfitüre. Einige der bekannteren Kostproben: Schwarzer und roter Holunder, Storchenschnabel, Taubnessel, Waldmeister und Bärlauch. Jedoch wies Schumacher auch auf die Grenzen dieser Form der Waldnutzung hin: Nützen sei erlaubt, „auslumpen“ aber verboten.
Die anschliessende Möglichkeit, einen Spaziergang durch die Welt der Bäume zu machen, wurde rege genutzt. Vom nordamerikanischen Mammut- bis zum tropischen Ameisenbaum waren viele Entdeckungen möglich. Und ein wichtiger Hinweis für Käufer von Holz: Tropenholz hat wegen der fehlenden Jahreszeiten auch keine Jahrringe. So ist Tropenholz auch für Laien leicht erkennbar und kann im Laden bleiben.
Die schlichte, von Vertreterinnen und Vertretern der römisch-katholischen, der reformierten, der christkatholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche gestaltete liturgische Feier im üppigen Tropenhaus und der anschliessende Imbiss bildeten einen stimmigen Abschluss des SchöpfungsZeit-Auftakts.
Kurt Zaugg-Ott
Foto: Claudia Baumberger, Biel
Die „SchöpfungsZeit“ beginnt mit dem „Tag der Schöpfung“ am 1. September und dauert bis zum 4. Oktober, dem Gedenktag des Franz von Assisi.
Die Schweizer Kirchen legen Kirchgemeinden und Pfarreien nahe, die SchöpfungsZeit zu feiern – in Übereinstimmung mit der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung von Sibiu (2007): „Wir empfehlen, dass der Zeitraum zwischen dem 1. September und 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird.“ (Aus dem Sibiu-Schlussdokument).
Die Veranstaltung wurde von folgenden Organisationen getragen:
- Ökumenische GFS-Kommission (Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung) der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) SG/AR/AI
- oeku Kirche und Umwelt, Bern
- Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen, Arbeitsstelle Kirche im Dialog (OeME) und kirchliche Erwachsenenbildung
- Missionskonferenz der Katholischen Kirche
- Griechisch und Serbisch-Orthodoxe Kirche der Ostschweiz
- Christkatholische Kirche St. Gallen |
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Kurt Zaugg-Ott, oeku; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
02.09.2011 |
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Weiterführender Link:
Weitere Informationen zur SchöpfungsZeit |
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Übersicht im Bereich: Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
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