Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

„Die religiösen Vorstellungen erden“

Am kommenden Sonntag, 19. September, laden die Kirchen zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Dieser Tag ermutige uns, „unserem Glauben entsprechende Taten folgen zu lassen“, schreibt der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen in seinem Bettagsmandat.
 
Wenn sich vor ein paar hundert Jahren die Eidgenossen zu Dank-, Buss- und Betfeiern versammelten, dann stand die Not vor der Tür: die Pest oder der Hunger, der Feind oder die Revolution. Dabei baten sie Gott, nicht nur ihnen und dem Vaterland beizustehen, sondern auch leidenden Glaubensgenossen.
Bis heute ist der Bettag ein Tag der Solidarität geblieben. Ein Tag, der „unsere religiösen Vorstellungen erdet“, wie der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen in seinem diesjährigen Bettagsmandat schreibt. Es gehe um die Konkretisierung dessen, „was wir als Glaubende in unserem Land vertreten“.
So sorgt sich der Kirchenrat um die Regierbarkeit unseres Landes. „ Den gewählten Magistratinnen und Magistraten schlägt Misstrauen entgegen.“ Es werde zunehmend versucht, ihre Handlungsfähigkeit zu beschneiden, gleichzeitig werfe man ihnen Führungsschwäche vor. Weit seien wir entfernt von einer positiven Kritikkultur, die das Gute anerkenne ohne die Fehlleistungen zu verschweigen.
Dabei stünden wir vor grossen Herausforderungen, die uns alle betreffen: Selbst in der reichen Schweiz öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich stetig. Zudem schwindet die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Menschen verschiedener Kulturen.
Der Kirchenrat ruft in seinem Mandat daher dazu auf, sich angesichts der anstehenden Probleme nicht auf das Eigene zurückzuziehen. Viel mehr ermutige uns der Bettag, „dankbar und selbstkritisch vor Gott zu treten, ihn um seinen Segen für unser Land und für die Welt zu bitten und unserem Glauben entsprechende Taten folgen zu lassen.“ kid/Ack

Das Bettagsmandat 2010 der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen ist unter www.ref-sg.ch abrufbar.



Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag
Buss- und Bettage haben in der Schweiz schon seit dem Spätmittelalter Tradition. 1832 beschloss die eidgenössische Tagsatzung, den Dank-, Buss- und Bettag als staatlich verordneten Feiertag auszurufen. Durch den gemeinsamen Feiertag sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den katholischen und reformierten Kantonen gestärkt werden. Um den Tag immer stets neu zu begründen, wandten sich jeweils die staatlichen Behörden in einem Bettagsmandat an das Volk. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts übernahmen zumeist die Kirchen diese Aufgabe. Sie laden alljährlich am dritten Sonntag im September zum eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag.
 
Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation,
15.09.2010

 
 
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