Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Neue Wege zur Überwindung der Armut

Die Arbeitsstelle Diakonie der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen hat für das „europäische Jahr zur Überwindung der Armut und Ausgrenzung“ einen besonderen Anlass organisiert: Armutserfahrene formulieren ihre Anliegen und Vorschläge zur Überwindung der Armut und Ausgrenzung – Fachleute nehmen die Vorschläge entgegen. Aus diesen Begegnungen sollen neue Schritte im Kampf gegen die Armut formuliert werden.
 
Mit dieser „Zukunftswerkstatt für und mit Armutsbetroffenen“ sollen insbesondere die Menschen zu Wort kommen, die Armut selbst erfahren haben.

Das jüngste Projekt der Arbeitsstelle Diakonie wird am 21. September dieses Jahres umgesetzt. Der Anlass beginnt um 17 Uhr mit einem Vorbereitungstreffen von Armutserfahrenen, bevor sich zwei Stunden später Fachleute der Gemeinden und Institutionen als Gäste dazu gesellen. Die eingeladenen Gäste sind Entscheidungstragende auf der operativen Ebene: Gemeindeverband, Berufsverband Soziale Arbeit, Vormundschaft, Schule, Kirchen etc.

Während des Vorbereitungstreffens werden die Ideen und Vorschläge in Gruppen formuliert und von einem begleitenden Coach aufgezeichnet. Die Vorschläge werden dann den Fachleuten während einem gemeinsamen Nachtessens vorgetragen und von diesen entgegengenommen.

Die beiden Zielgruppen des Treffens sind Frauen und Männer, die persönliche Erfahrungen haben im Leben mit Armut sowie Fachpersonen, die berufs- oder amtsbedingt mit der Thematik Armut in der Schweiz zu tun haben. Die Armutserfahrenen werden durch Bezugspersonen vor Ort nach vorgegebenen Kriterien ausgewählt (Alleinerziehende, Bezügerinnen und Bezüger von IV- und Ergänzungsleistung, auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum gesetzte Personen und von Sozialhilfe durch Langzeitarbeitslosigkeit Anhängige.

Die Vorschläge des Treffens werden später von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe so bearbeitet, dass sie in der weiteren Arbeit gegen Armut und Ausgrenzung umgesetzt werden können.

Die Arbeitsstelle Diakonie engagiert sich seit mehr als 10 Jahren in der Bekämpfung von Armut in der Schweiz und setzt sich für einen respektvollen Umgang mit Betroffen ein.

Individuelle Hilfe bieten die Kirchen in Seelsorge wie auch im sozialdiakonischen Bereich. Die sogenannte Armenpflege war vor der Errichtung der öffentlichen Sozialhilfe die Kernaufgabe der Kirchen.
Hier setzt das jüngste Projekt an. Die neue Herausforderung der Diakonie kann es sein, Räume zu schaffen, wo der gemeinsame Dialog zwischen Fachkräften und Armutserfahrenen möglich ist. Damit kann eine gemeinsame Stossrichtung in der Bekämpfung der Armut und Ausgrenzung definiert und verfolgt werden.
 
Marlise Schiltknecht; Arbeitsstelle Diakonie,
30.06.2010

 
 
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