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SEK und europäische Kirchen: Nein zu einem Präventivkrieg gegen den Irak
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Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und vieler europäischer Kirchen lehnen einen Präventivkrieg gegen den Irak ab. |
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SEK
Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes
Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) lehnt einen Präventivkrieg gegen den Irak ab. Die verheerenden Folgen für die schon ins Elend getriebene Bevölkerung wertet er als inakzeptabel. Die Ressentiments zwischen der islamischen und der jüdisch-christlichen Welt würden sich noch vertiefen. Weiter scheinen ihm die Voraussetzungen für einen Präventivkrieg gemäss UN-Charta nicht gegeben.
Der Rat des SEK betont zwar die Notwendigkeit eines anhaltenden Drucks auf das Regime in Bagdad. Krieg als Mittel der Beseitigung von Missständen widerspricht jedoch der christlichen Sicht der Welt und des Menschen.
Der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) lehnt einen Präventivkrieg gegen den Irak nachdrücklich ab. Diese Ablehnung erfolgt aus verschiedenen Gründen:
Ganz grundsätzliche Bedenken hat der Rat des SEK bezüglich der verheerenden Auswirkungen eines möglichen Krieges auf die irakische Zivilbevölkerung. Sowohl das totalitäre und inhumane Regime wie auch das mittlerweile zwölf Jahre andauernde Embargo wirken sich bereits heute katastrophal aus. Ein Krieg fände seine zahlreichen Opfer in erster Linie in den Reihen der Bevölkerung.
Betroffen wären nicht nur die direkt im Krieg Verletzten und Getöteten, sondern auch all jene, die unter den fatalen (sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen) Folgen des Krieges zu leiden hätten. Zudem würde sich die Situation im Nahen Osten weiter destabilisieren. Die Ressentiments zwischen der islamischen und der jüdisch-christlichen Bevölkerung würden sich noch vertiefen und neue Konflikte, deren Ausmass nicht abzuschätzen ist, würden entstehen.
Der Rat des SEK erkennt ferner in einem vorbeugenden Militärschlag der USA gegen den Irak eine Verletzung des Völkerrechts, wie es in der UN-Charta festgehalten ist. Auch wenn es durch den weltumspannenden Terror einen Paradigmenwechsel in der Form zwischenstaatlicher Aggression gegeben hat, ist nach Meinung des SEK gegenwärtig die akute Bedrohung als notwendige Voraussetzung für einen Präventivkrieg nicht gegeben. Wo keine akute Angriffsdrohung, sondern eine wahrscheinliche, jedoch diffuse Unsicherheit vorliegt, muss die geltende Norm des Gewaltverbots aufrecht erhalten werden, soll das Völkerrecht nicht untergraben werden.
Darüber hinaus wendet sich der Rat des SEK vehement gegen eine nicht von der UNO sanktionierte Aktion, die einen gravierenden Verstoss gegen die Staatengemeinschaft bedeuten würde.
Gleichzeitig betont der Rat des SEK die Notwendigkeit einer fortdauernden, von den Vereinten Nationen betriebenen Kontrolle des irakischen Regimes und dessen nach Innen wie Aussen gerichteten Aggressionen. Die Vorstellung jedoch, Missstände könnten durch Krieg beseitigt werden, widerspricht grundlegend der christlichen Friedensliebe und Achtung vor dem Leben. Der Rat des SEK hofft auf eine Lösung des Konflikts mit friedlichen Mitteln und ruft zur Fürbitte für die Entscheidungsträger und die betroffenen Menschen auf.
Bern, 23. Januar 2003
Aufruf von Verantwortlichen aus europäischen Kirchen bei einem Treffen in Berlin, am 5. Februar 2003,einberufen vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Absprache mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), dem Nationalen Kirchenrat in den USA (NCCCUSA) und dem Mittelöstlichen Kirchenrat (MECC), auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Verantwortliche der Kirchen vereint gegen einen Krieg im Irak
1. Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa, in Beratung mit den Kirchenräten in den USA und dem Nahen Osten, sind wir äußerst besorgt über die nicht nachlassenden Forderungen der USA und einiger europäischer
Regierungen nach militärischen Aktionen gegen den Irak. Als Menschen des Glaubens drängt uns die Liebe zu unseren Nächsten dazu, gegen Krieg Widerstand zu leisten und friedliche Konfliktlösungen zu suchen. Als
Kirchen beten wir für Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für die Menschen im Irak und im Nahen Osten insgesamt. Solches Beten verpflichtet uns, Werkzeuge des Friedens zu sein.
2. Wir bedauern, dass die mächtigsten Nationen dieser Welt Krieg wieder als ein akzeptables Mittel der Außenpolitik betrachten. Dies schafft ein internationales Klima der Furcht, Bedrohung und Unsicherheit.
3. Wir können die Ziele, die von diesen Regierungen, insbesondere den USA, zur Begründung eines Krieges gegen den Irak angeführt werden, nicht akzeptieren. Ein präventiver kriegerischer Angriff als Mittel, um die Regierung eines souveränen Staates auszuwechseln, ist unmoralisch und stellt eine Verletzung der UN-Charta
dar. Wir appellieren an den Sicherheitsrat, an den Grundsätzen der UN-Charta festzuhalten, die die legitime Anwendung militärischer Gewalt eng begrenzen, und zu vermeiden, dass ein negativer Präzedenzfall
geschaffen wird, der die Hemmschwelle erniedrigt, gewaltsame Mittel zur Lösung internationaler Konflikte einzusetzen.
4. Wir glauben, dass militärische Gewalt ein ungeeignetes Mittel ist, um die Abrüstung irakischer Massenvernichtungswaffen zu erreichen. Wir bestehen darauf, dass für die sorgfältig geplanten Maßnahmen der UN-Waffeninspektionen genügend Zeit eingeräumt wird, um die Arbeit zu Ende führen zu können.
5. Alle Mitgliedsstaaten der UNO müssen sich an bindende UN-Resolutionen halten und Konflikte durch friedliche Mittel lösen. Der Irak kann keine Ausnahme sein. Wir rufen die Regierung des Irak dazu auf, alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören und damit verbundene Forschung und Produktionsstätten aufzugeben. Der Irak muss in jeder Hinsicht mit den UN-Inspektoren zusammenarbeiten und allen seinen Bürgern die volle Anerkennung der bürgerlichen und politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte garantieren. Den Menschen im Irak muss die Hoffnung gegeben werden, dass es Alternativen sowohl zu
Diktatur als zu Krieg gibt.
6. Ein Krieg hätte unannehmbare Folgen für die Situation der Menschen, u.a. die Entwurzelung von großen Teilen der Bevölkerung, den Zusammenbruch staatlicher Funktionen, die Gefahr von Bürgerkrieg und Destabilisierung der ganzen Region. Das Leiden irakischer Kinder und der unnötige Tod hunderttausender Iraker während der
letzten zwölf Jahre der Sanktionen lasten schwer auf unseren Herzen. In der gegenwärtigen Situation bekräftigen wir mit Nachdruck das seit langem geltende humanitäre Prinzip, bedingungslosen Zugang zu Menschen in Not zu gewähren.
7. Außerdem warnen wir vor den möglichen sozialen, kulturellen und religiösen, aber auch diplomatischen
Langzeitfolgen eines solchen Krieges. Weiteres Öl in das Feuer der Gewalt zu gießen, das die Region bereits auffrisst, wird den Hass nur noch weiter anfachen, indem extremistische Ideologien gestärkt und weitere globale Instabilität und Unsicherheit genährt werden. Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa haben wir eine moralische und pastorale Verpflichtung, Fremdenhass in unseren Ländern entgegenzutreten und den Menschen in der muslimischen Welt die Furcht zu nehmen, die sogenannte westliche Christenheit stelle sich gegen ihre Kultur, Religion und Werte. Wir müssen die Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde suchen.
8. Alle Regierungen, insbesondere die Mitglieder des Sicherheitsrates haben die Verantwortung, diese Frage in ihrer ganzen Komplexität zu bedenken. Es sind noch nicht alle friedlichen und diplomatischen Mittel
ausgeschöpft worden, um den Irak zu zwingen, den Resolutionen des UN Sicherheitsrates zu folgen.
9. Es ist für uns eine geistliche Verpflichtung, die sich auf Gottes Liebe zur ganzen Menschheit gründet, uns gegen den Krieg im Irak zu stellen. Mit dieser Botschaft senden wir ein starkes Zeichen der Solidarität und Unterstützung an die Kirchen im Irak, im Nahen Osten und in den USA. Wir beten, dass Gott die Verantwortlichen leiten möge, Entscheidungen zu treffen, die auf der Basis sorgfältiger Überlegung, moralischer Prinzipien und hoher rechtlicher Standards beruhen. Wir laden alle Kirchen ein, sich uns in diesem Zeugnis anzuschließen, für eine friedliche Lösung dieses Konflikts zu beten und alle Menschen zu ermutigen,
sich am Ringen um eine solche Lösung zu beteiligen.
Liste der Teilnehmenden
Pfr. Dr. Konrad Raiser, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, ÖRK
Rev. Dr. Keith Clements, Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen, KEK
Präses Manfred Kock, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD
Bischof Dr. h.c. Rolf Koppe, Kirchenamt der EKD, Leiter der Hauptabteilung für Ökumene und Auslandsarbeit
Bischof Dr. Walter Klaiber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)
Präsident Jean-Arnold de Clermont, Präsident der protestantischen Federation von Frankreich
Bischof Mag. Herwig Sturm, Evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses (A. B.) in Österreich
Präsident Thomas Wipf, Vorstands-Präsident des Schweizerischen Ev. Kirchenbundes (SEK)
Bischof Jonas Jonsson und Pastor Kjell Jonasson, Schwedischen Kirche
Probst Dr. Trond Bakkevig, Norwegische Kirche
Erzbischof Jukka Parma, Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands
Bischof Karsten Nissen, Evangelisch-Lutherische Kirche in Dänemark
Dr. Alison Elliot, Kirche von Schottland und "Action of Churches Together in Scotland" (ACTS)
Pfarrer Arie W. van der Plas, Vorsitzender der Generalsynode der Niederländischen Reformierten Kirche und
Vorsitzender des Moderamens der Protestantischen Kirche in den Niederlanden
Erzbischof Feofan, Russisch-Orthodoxe Kirche, Erzbischof von Berlin und Deutschland
Bischof Athanasius von Achaja, Kirche von Griechenland
Rev. Dr. Nuhad Daoud Tomeh, Sonderbeauftragter des Generalsekretariats des Kirchenrates des Nahen Ostens
(MECC)
Dr. Bob Edgar, Generalsekretär des National Council of Churches (NCCC), USA
James Winkler, Generalsekretar des General Board of Church and Society der United Methodist Church, USA
Rev. Dr. Rebecca Larson, Direktorin der Abteilung Kirche und Gesellschaft der Ev.-lutherischen Kirche in
Amerika, USA |
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SEK; Arbeitsstelle Kommunikation,
10.02.2003 |
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