Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Kirchenparlament nimmt Anlauf



 
An ihrer gestrigen Sitzung genehmigte die Synode, das Parlament der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, das Budget 2010. Zudem sprachen sich Kirchenrat und Synodale für die Stärkung des interreligiösen Dialogs aus.
 
„Heute nehmen wir bereits Anlauf auf die nächste Synode“, begrüsste Urs Noser, Präsident der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen die im Kantonsratsaal versammelten Kirchenparlamentarierinnen und -parlamentarier gestern zur letzten Synode dieser Legislatur. Anlauf sei zu nehmen, weil im kommenden Sommer die neue Legislatur des Kirchenparlamentes beginne und gleich in der ersten Session wichtige inhaltliche Themen anstünden: Dann legt der Kirchenrat den 180 Synodalen einen Bericht zur „geistlichen Begleitung von Kindern und Jugendlichen in der St.Galler Kirche“ vor.

Ganzheitliche Sicht
In einem Zwischenbericht an der gestrigen Synode betonte Kirchenrat Martin Schmidt, dass das Papier eine Gesamtschau sämtlicher schulischen und ausserschulischen Angebote für Kinder und Jugendliche liefern werde und Wege aufzeige, wie diese inhaltlich und konzeptionell ergänzt und verbunden werden könnten.
Ursprung des Berichtes war ein Postulat, in dem sich die Verfasser Sorgen um den kirchlichen Unterricht vor der Konfirmation machten. Sie verlangten, den Besuch von Jugendgottesdiensten wieder obligatorisch zu erklären. Der Kirchenrat habe sich entschieden, die Frage in einem grösseren Zusammenhang anzugehen. Ihm sei eine möglichst ganzheitliche Sicht religiöser und kirchlicher Sozialisation wichtig, sagte Schmidt. Er rief die Synodalen dazu auf, sich im kommenden Sommer in diese Diskussion einzubringen.

Ausgeglichenes Budget
Quasi Anlauf auf das kommende Jahr nahm die Synode auch mit der Beratung des Budgets 2010. Der Kirchenrat gehe davon aus, dass die Steuereinnahmen 2010 etwa jenen von 2007 entsprächen, sagte Hans Peter Schmid, für die Finanzen zuständiger Kirchenrat. Praktisch ausgeglichen ist der Voranschlag, weil der an den Berufsschulen tätige kirchliche Sozialdienst KSD – wie im Reglement vorgesehen – zukünftig über den Finanzausgleich finanziert wird und die Beiträge an Dritte in der Schweiz um 0.08 Steuerprozent gesenkt werden. Durch diese beiden Massnahmen seien Einsparungen von rund 400 000 Franken möglich, sagte Schmid. Das Budget sieht Einnahmen und Ausgaben von rund 22,8 Millionen Franken vor. In letzteren eingeschlossen sind auch die Beiträge an Gemeinden im Finanzausgleich sowie an Dritte.
Die Synode genehmigte das Budget 2010 bei einer Gegenstimme. Der Zentralsteuersatz bleibt bei 3,1 Prozent.

Dialog weiterführen
„Wir dürfen die Fäden jetzt nicht abreissen lassen“, sagte Kirchenrat Heinz Fäh, auf die Frage nach dem „wie weiter?“ nach Annahme der Minarettinitiative. Michael Pues, Pfarrer und Synodaler aus Abtwil, wollte in der Umfrage wissen, was der Kirchenrat zu tun gedenke, nachdem er sich sehr deutlich für eine Ablehnung der Initiative ausgesprochen habe. „Besonnen bleiben und den interreligiösen Dialog weiterführen“, betonte Heinz Fäh. Er verwies etwa auf den runden Tisch der Religionen. An diesem Tisch gehe es mehr als nur um Austausch. „Wir müssen uns auch getrauen, unbequeme Fragen zu stellen.“ Ziel sei es, die besonnenen Kräfte aller Seiten zu stärken. Emil Teindel, Pfarrer in St.Margrethen, regte an, die Vernetzung auch über die religiösen Gemeinschaften hinaus zu fördern. In St.Margrethen würden sich im Januar beispielsweise Vertreter der Kirchgemeinden, der islamischen Gemeinschaft und der politischen Gemeinde zu einem Austausch treffen.
In einem engagierten Votum machte Schwester Marianne Bernhard, Diakonissin und Synodale aus Uznach, schliesslich auf die Situation von abgewiesenen Asylbewerberinnen und -bewerbern aufmerksam. Diese lebten – teilweise schon seit zwei Jahren – von der Nothilfe. Da der Vollzug der Nothilfe bei den Gemeinden liege, müsse die örtliche Kirchgemeinde eine Wächterfunktion übernehmen. Sie rief dazu auf, hinzugehen, genau hinzusehen und zu handeln.

Abschied aus der Synode
Mit der letzten Synode in dieser Legislatur nahmen auch einige langjährige Synodale vom Kirchenparlament Abschied. Mit Hansruedi Tinner, Sevelen, gehe nun quasi ein „Urgestein“, sagte Urs Noser, Synodalpräsident. Tinner war langjähriger Präsident der GPK. Christina Graf-Lehmann legt zusammen mit dem Synodesitz auch das Amt der Delegierten beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund ab und Christina Nutt, Azmoos-Trübbach, jenes des Präsidiums der Redaktionskommission des Kirchenboten.
Weil Sigrun Holz eine Pfarrstelle im Appenzellerland übernimmt, tritt sie als Dekanin des Kirchenbezirkes St.Gallen zurück. An ihre Stelle wählte die Synode Pfarrer Pius Helfenstein, Rorschach. Zum Stellvertreter bestellte das Parlament Pfarrer Klaus Stahlberger, St.Gallen-Straubenzell.
 
Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation,
07.12.2009

 
 
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