Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Singt dem Herrn ein neues Lied



 
Rund 200 Sängerinnen und Sänger haben sich am vergangenen Sonntag in St.Gallen zum ersten Singtag der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen getroffen. Dabei lernten sie zwölf moderne Kirchenlieder kennen, die sie nun zurück in ihre Gemeinde tragen.
 
„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde.“ Schon die ersten Takte füllen den grossen Saal des Kirchgemeindehauses Lachen bis in die hinterste Ecke. Rund 200 Frauen und Männer stimmen gemeinsam zu modernen Kirchenliedern an: „Dein Wort ist ein Licht“, „Hab Dank“, „Nimm diese Hände“. Von Zeit zu Zeit unterbricht Andreas Hausammann, weist auf eine heikle Stelle hin, feilt mit den Sängerinnen und Sängern daran, übt einen vierstimmigen Satz ein. „Ich trau auf dich“, „Herr, ich komme zu dir“. Eine Band begleitet schliesslich den Chor und Pfarrer Carl Boetschi bettet die neu eingeübten Lieder ein in die Liturgie.

Ausdruck des Christseins
Aus dem ganzen Kanton sind die Singenden nach St.Gallen zum ersten kantonalen Singtag der Evangelisch-reformierten Kirche gekommen. Es sind Kirchenmusikerinnen und Pfarrpersonen, Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft, aber auch ganz „gewöhnliche“ Gemeindemitglieder. Ziel des Singtages sei es, den Teilnehmenden zwölf zeitgenössische Kirchenlieder mit nach Hause zu geben, die sie mit und in der Gemeinde singen können, sagt Andreas Hausammann, Musiker und Beauftragter für populäre Musik der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen.
„Das Gut an modernen Kirchenliedern ist in den letzten Jahren enorm gewachsen“, sagt Andreas Hausammann. Entsprechend vielfältig werde heute in den Gemeinden angestimmt. Die Folge davon: Viele moderne Kirchenlieder sind höchstens in einer einzelnen Gemeinde bekannt. „Wenn die Orgel zu ‚Grosser Gott, wir loben dich‘ anstimmt, dann können alle mitsingen. Bei einem modernen Lied wie ‚Ich bin bei dir‘ bleibt der Gesang bis Mitte zweite Strophe meist ziemlich dünn“.
Damit es draussen in den Gemeinden bald vielstimmig singt, hat eine Spurgruppe – bestehend aus Kirchenmusikern und Pfarrpersonen – aus 100 hundert modernen Kirchenliedern die zwölf „besten“ ausgewählt. Die Gruppe prüfte die Lieder auf ihren theologischen Gehalt, auf die Qualität der Melodie sowie die „Singbarkeit“. Natürlich sei es bei dieser Auswahl nicht streng wissenschaftlich zu und her gegangen, räumt Hausammann ein. „So fragten wir uns beispielsweise, ob ein Lied über ‚Ohrwurm-Qualität‘ verfügt.“
Doch erst durch eine Auswahl werde es möglich, langsam ein gemeinsames Repertoire aufzubauen, betont Hausammann. Und dieses solle nun Jahr für Jahr grösser werden.

Vielstimmige Ausdrucksform
„Das Lied ist neben Gebet oder Predigt ein eigener Ausdruck des Christseins“, sagt Dölf Weder, Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen. Als Jugendlicher habe er wenig mit den damals üblichen Chorälen anfangen können. Erst in der Jugendarbeit und seiner internationalen Tätigkeit habe er neue Arten von christlicher Musik kennengelernt, auch Gospels und Spirituals; habe gemerkt, dass das Gotteslob auch in ganz anderen Rhythmen und Tonarten gesungen werden könne. Daher wolle er allen Mut machen, die ihnen entsprechenden Lieder anzustimmen.




Foto: Paul Baumann-Aerne
 
Andreas Ackermann; Arbeitsstelle populäre Musik,
27.10.2009

 
 
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