Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Tag der Rechte des Kindes 2008



 
Kinderrechte haben 14 Tonnen Gewicht
 
Donnerstag, 20. Nov. 2008, 15.45 h, Klosterplatz St.Gallen: Wind streifte um die alten Mauern der Klosteranlage. Die Sonne liess das Wiesengrün kräftig aufscheinen, weisse Wolken trieben am frühwinterlichen Nachmittagshimmel. Menschen mit blaugelben Mützen trafen eilig letzte Vorbereitungen. Gruppen, Schulklassen, Dutzende von Mädchen und Buben sowie Jugendliche brachten bunt gestaltet Steine und Transparente auf den Platz. Sie liessen sie sich wägen, die Gewichte wurden addiert, die Steine in Schubkarren zwischengelagert.

Malcolm Green und Hector … gaben mit Saxophon und Gesang den Ton an: Über Lautsprecher wurden Parolen und Kinderrechte skandiert: „Recht auf Bildung, - auf Gleichheit, - auf Privatsphäre und persönliche Ehre, - auf Gesundheit, - elterliche Fürsorge, - auf freie Meinungsäusserung, Information und Gehör“ u.a.m. Gelbe Bänder flatterten durch die Luft. Kinder, Jugendliche, Erwachsenen - eine bunte Versammlung - sie verweilten, tanzten und sprangen auf dem Platz. Eilige Passanten hielten inne und verliehen mit ihrem Gewicht den Kinderrechten zusätzliches Gewicht. Auf diese Weise wurden über 14'000 kg gesammelt, wurde Solidarität mit allen Kindern dieser Welt zum Ausdruck gebracht.

Mit Transparenten zu den Kinderrechten und gegen Ausbeutung von Kindern in Kriegen, bewegten sich um ca. 16.30 h rund 100 Menschen Richtung Marktplatz. Der Umzug transformierte sich zu einer eindrücklichen Kinderdemo, angeführt von Malcolm Green mit seinem Saxophon. Zwischen die begeisterten Kinder mischte sich auch Stadtrat Nino Cozzio. Er richtete beim Waaghaus anerkennende Worte an die Kinder und Jugendlichen. Betonte, dass die Stadt ihre Anliegen ernst nehme, dass sie mit den Kinderrechten auch Verantwortung tragen und sie sich damit auf das Leben in der Gesellschaft vorbereiten würden. Auch Kinder kamen zu Wort: Sie bekräftigten, was ihnen am Tag und an den Kinderrechten wichtig sei und übergaben dem Stadtrat gelbe Bänder, wo ihre Wünsche und Anliegen drauf geschrieben sind.

Zum Abschluss der Aktion gab es auf dem Katharinenplatz weiterhin Musik, einen Zvieri und für alle Teilnehmenden zur Erinnerung an den Tag eine Karte mit den wichtigsten Kinderrechten. Die mitgebrachten Steine wurden für kurze Zeit im Zentrum des Katharinen-Innenhofs ausgestellt und anschliessend an weiteren Orten der Stadt gezeigt.

Organisiert wurde diese Aktion durch verschiedene Organisationen und Stellen, die sich in der Stadt St.Gallen mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen: Kinder- und Jugendnotruf St.Gallen, Kinderschutz Ostschweiz, rekj, Fachpersonen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der evang.-ref. Kirchgemeinden Tablat und Straubenzell, Cevi, Villa YoYo, Jungwacht/ Blauring.

Allgemeine Gedanken zum Tag der Rechte des Kindes
Auf den ersten Blick fehlt es den Kindern in der Schweiz an nichts. Tatsächlich jedoch hat nicht jedes Kind in der Schweiz die gleichen Chancen, beispielsweise Recht auf umfassende Bildung und Entwicklung einlösen zu können. Auch das Recht eines jeden Kindes, seine Mutter und seinen Vater regelmässig zu sehen, ist in der Schweiz nicht für alle Kinder verwirklicht. Wir leben in einer globalisierten Welt, die Kinderrechtsverletzungen weltweit, sei es in Indien oder Somalia, schrecken auf. Aber auch bei uns spielen sich täglich, mehr oder weniger im Versteckten, kleinere und grössere Dramen ab, worunter Kinder zu leiden haben.

Mit dem Tag der Rechte des Kindes erinnern wir uns an die UN Kinderrechtskonvention, die am 20. November 1989 von der UN-Vollversammlung angenommen und im Februar 1997 von der Schweiz ratifiziert wurde. Mit der Ratifizierung verpflichtete sich jeder Staat, Massnahmen zur Umsetzung der Rechte der Kinder zu ergreifen und umzusetzen. Die Kinderrechtskonvention ist somit auch in der Schweiz verbindliches Recht.

Die Kinderrechtskonvention führte zu einem Paradigmenwechsel vom Kind „als Anhängsel der Familie“ zum eigenständigen Rechtssubjekt. Kein Mensch ist der Besitz eines anderen. Was für uns heute selbstverständlich ist, war es lange nicht. Bis in die Neuzeit wurde das Kind als Besitz seiner Eltern bzw. seines Vaters angesehen. In partriarchalen Gesellschaften und Milieus ist dies auch heute noch so.
St.Gallen, 24. November 2008, Ruedi Bamert
 
Michele Tyler; Arbeitsstelle Familien und Kinder,
05.12.2008

 
 
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