Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Tagung zu Familienkirche in Alltag und Festtag



 
Knapp 100 Teilnehmende aus 7 Kantonen befassten sich an der Interkantonalen Tagung „Familienkirche in Alltag und Festtag“ damit, wie Kirchgemeinden die Lebensfreundlichkeit des Evangeliums auch im Alltag erfahrbar werden lassen können. Nur eine Gemeinde, die alle Generationen im Blickfeld hat, kann sich Familienkirche nennen. Eingeladen hatten die Evangelische Landeskirche Thurgau und das „Netzwerk familien-kirche“.
 
Pfarrerin Andrea Spörri aus der St. Galler Kirchgemeinde Bütschwil-Mosnang besuchte zusammen mit Behördenmitglied Barbara Kalberer die Tagung in Frauenfeld. „Bei uns steht der Ausbau des Kirchgemeindehauses an, wir wollen schon bei der Vorbereitung planen, wie wir die verschiedenen Bedürfnisse von der älteren Generation und jungen Familien unter einen Hut bringen können und mögliche Konfliktherde von vornherein entschärfen“. Dass eine Rampe gleichermassen rollstuhl- wie kinderwagengängig ist, sei klar, „…aber wie gestalten wir die Küche kinder- und arbeitsfreundlich? Alles rund um den Backofen ist zentrale Begegnungszone für Jung und Alt, hier spielt sich Leben ab.“, meint Kalberer.

Der Realität stellen
Genau solche Überlegungen fliessen mit ein, wenn eine Kirchgemeinde das „Modell familien-generationenkirche“ anstrebt. Allerdings geht es – wie die Tagung deutlich zum Ausdruck brachte- nicht um punktuelle Veränderungen sondern um eine Gesamtansicht. Auf Dauer ist die Familien- und Generationenfreundlichkeit nur dann für alle befriedigend gewährt, wenn sie in ein Gesamtkonzept eingebettet ist. Berücksichtigt werden spezifische Anforderungen in allen Handlungsfeldern wie Zusammensein, Lernen, soziales Handeln und feiern, aber auch die Bedürfnisse aller Beteiligten. Behördenmitglieder, Bedienstete und Ehrenamtlich Tätige müssen ihr Zusammenspiel aufeinander abstimmen um die Zielgruppen zu erreichen. Dazu muss die Gemeinde ihre Zielgruppen und vor allen deren Lebensumstände kennen. Will eine Kirche Alltagskirche sein, kommt sie nicht umher die Alltagsbedürfnisse ihrer Gemeindeglieder aufzunehmen. Veränderte Familienstrukturen und Lebensformen in allen Altersgruppen erfordern von den Kirchgemeinden, dass sie sich der Realität stellen und Menschen integrieren, die aufgrund gängiger Ideale wenig Zugang haben, will sie auch diesen Personenkreis mit dem Evangelium erreichen.

Den Himmel erden
Lisbeth Zogg, Geschäftsführerin „Netzwerk familien-kirche“, und Danielle Cottier, externe Beraterin von „Kinderwelten“ stellten das Modell „familien-kirche“ in ihren Referaten sehr anschaulich vor. Es baut auf vier miteinander verbundenen Säulen auf: Familenfreundlichkeit ist Generationenfreundlichkeit. Diese erste Säule ist Herzstück des Modells. Wie gastlich die Kirchgemeinde als Alltags- und als Festtagskirche ist, zeigt ihre Identität. Weitere Säulen sind Betriebsorganisation, Kirchenräume und Angebote. Bedürfnis- und lebensnahe Angebote im abgestimmtem Umfeld lassen theologische Werte konkret erfahrbar werden, sie „erden den Himmel“. „Wo man sich wohlfühlt, da geschieht Beheimatung“, so Cottier. „Die Schweiz ist zur Zeit nicht familienfreundlich, aber sie ist auf dem Weg dazu.“, lautet ihre klare Einschätzung.
In Arbeitsgruppen vertieften die Teilnehmenden einzelne Aspekte der vier Säulen. Dabei wurde engagiert und teilweise sehr kontrovers diskutiert. Die Frage: „wer ist Kirche“ bewegte die Gemüter. „Kirche ist nach reformatorischem Verständnis nicht nur die aktiv sichtbare Kerngruppe, auch die schweigende Mehrheit gehört dazu.“, weist Pfarrer Olivier Wacker, Hüttlingen, mit Nachdruck hin. Solche Diskussionen könnten ein Vorgeschmack darauf sein, was eine Kirchgemeinde erwartet, die sich entschliesst das Modell „familien-kirche“ umzusetzen. Peter Christinger vom „Netzwerk familien-kirche“ weiss aus Erfahrung: „Es könnten schlafende Hunde geweckt werden, doch davon soll sich keine Behörde abschrecken lassen. Die Auseinandersetzung lohnt sich mit dem Ziel vor Augen auf jeden Fall“. Brunhilde Bergmann

„Netzwerk familien-kirche“ bietet fachliche Begleitung
Das „Netzwerk familien-kirche“ berät und unterstützt Kirchgemeinden, denen Familien- und Generationenfreundlichkeit wichtig sind. Es ist ein Zusammenschluss der Reformierten Landeskirchen Bern-Jura-Solothurn, Aargau, St. Gallen und Zürich und arbeitet eng mit der externen Fachstelle „KinderWelten“ zusammen. www.familien-kirche.ch

Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen unterstützt das Netzwerk ideell, finanziell und personell. Peter Christinger von der Arbeitsstelle Familien und Kinder ist Ansprechpartner für die Kirchgemeinden im Kanton St. Gallen, Telefon: 071 227 05 62; E-Mail: christinger@ref-sg.ch
 
Michele Tyler; Arbeitsstelle Familien und Kinder,
05.12.2008

 
 
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