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Ziele gesetzt – Richtung bestimmt: Wintersynode der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen

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Leitziele 2015, Revision des Finanzausgleichs, Budget 2009: Dies waren die Haupttraktanden der Wintersynode der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen. Das Parlament der St.Galler Kirche trat gestern im Kantonsratssaal in St.Gallen zusammen. |
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„Vieles ist heute im Umbruch: Die Welt, unsere Gesellschaft, unsere Kirche. Daher ist es umso wichtiger, darüber nachzudenken, in welche Richtung wir als Kirche gehen wollen“, sagte Dölf Weder, Präsident des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, in seinem Eintretens-Votum zu den Leitzielen der St.Galler Kirche an der gestrigen Synode.
Der Denkprozess ist nun mit der Verabschiedung der Leitziele vorerst abgeschlossen. Die im St.Galler Kantonsratssaal versammelten 155 Kirchenparlamentarierinnen und -parlamentarier haben an ihrer ordentlichen Wintersynode dem Strategiepapier „St.Galler Kirche 2015“ zugestimmt.
Drei Schwerpunkte
Das Papier gibt nun die Richtung der Kantonalkirche für die kommenden sieben Jahre vor. Schwerpunkte werden in den folgenden drei Bereichen gesetzt: Der Auftrag und die Vision als einer Kirche, welche „nahe bei Gott – nahe bei den Menschen“ ist, soll vertieft werden. Die Programmarbeit – etwa vielfältige Gottesdienstformen, qualitativ hochstehende Bildungsangebote oder innovative Jugendarbeit – wird gestärkt. Schliesslich sollen die Kirchgemeinden in ihrer regionalen Zusammenarbeit gefördert werden.
Keine Chance hatte ein Postulat von Hubert Schmid, Synodaler aus Vilters, welches verlangte, die Grundlage zu den Leitzielen mittels repräsentativer Bevölkerungsbefragung zu verbessern. Schmids Argument, das Kirchenvolk sei beim Formulierungsprozess der Leitziele aussen vor geblieben, wies der Kirchenrat zurück. „Aus verschiedenen Studien und Befragungen wissen wir viel über religiöse Haltungen und Wünsche der Menschen“, sagte Dölf Weder. Das Augenmerk müsse auf den Konsequenzen und auf der Umsetzung in ansprechende Programme liegen.
Zukunft Schloss Wartensee
Bei der inhaltlichen Diskussion zu den Leitzielen stand die Zukunft des Schlosses Wartensee im Zentrum des Interesses. Der Kirchenrat sieht es nicht als zentrale Aufgabe der Kirche, ein Tagungs- und Begegnungszentrum zu führen; zumal das Schloss nur zu rund zwanzig Prozent von der Kirche selbst genutzt werde. Daher soll in den kommenden Jahren das Zentrum einer neuen Trägerschaft zugeführt werden.
Es sei etwas voreilig, nun indirekt via Leitziele über den Wartensee zu entscheiden, sagte Walter Würzer, Synodaler aus Staad. Er rief den Kirchenrat auf, zuhanden der Synode entsprechende Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Dies werde geschehen, sagte Hans Peter Schmid, Kirchenrat mit dem Ressort Finanzen, und stellte eine entsprechende Vorlage für die Sommersynode 2009 in Aussicht. Bis es aber zu einem definitiven Entscheid komme, wolle die Kirche das Schloss sorgfältig pflegen. „Das sind wir unseren Gästen, unseren Lieferanten und unseren Mitarbeitenden schuldig“.
Keine Heiratsstrafe
Eng im Zusammenhang mit den Leitzielen stand auch die Vorlage des Kirchenrates zur Anpassung des Finanzausgleichsreglementes. Gemäss Leitzielen soll die Bildung regionaler Kirchgemeinden gefördert werden. Nur, mit dem derzeit gültigen Finanzausgleich werden fusionswillige Gemeinden eher bestraft statt gefördert. Gingen zwei kleinere Gemeinden heute zusammen, verlören sie ihre garantierten Mindest-Pfarrpensen von je 75 Prozent. Ihnen stünden gesamthaft lediglich 100 Prozent zu. Diese „Heiratsstrafe“ hat die Synode mit der Anpassung des Reglements in erster Lesung nun aufgehoben. Als Mitgift erhalten die heiratswilligen Gemeinden zudem bis 2015 noch einen garantierten maximalen Steuersatz von 26 Prozent zugesprochen. Zudem werden Kirchgemeinden mit Unterbilanzen finanziell auf gesunde Beine gestellt.
Der Antrag aus dem Toggenburg, welcher verlangte, dass auch Gemeinden, welche sich via Zweckverband annäherten, sollten ebenfalls in den Genuss dieser Vergünstigungen kommen, lehnte die Synode ab. Der Kanton St.Gallen, welcher den kirchlichen Finanzausgleich überwache, sei an bereinigten Strukturen und nicht an einer zusätzlichen Verwaltungsebene interessiert, lautete die Begründung.
Stärker unterstützt in ihrer Zusammenarbeit werden die Gemeinden nun auch von Seiten der Kantonalkirche. Die Synode genehmigte eine neue kantonalkirchliche Arbeitsstelle „Gemeindeentwicklung und Mitarbeiterförderung“. Diese wird mit neunzig Stellenprozent dotiert, wovon sechzig Prozent intern verschoben und dreissig neu geschaffen werden.
Leichter Rückschlag
Neben Leitzielen und Finanzausgleich beugte sich die Synode zudem über den Voranschlag 2009. Dieser rechnet bei einem Aufwand von rund 22,6 Millionen Franken mit einem Rückschlag von 250 000 Franken. Die Mitarbeitenden der Kirche erhalten im kommenden Jahr, entsprechend dem Staatspersonal, drei Prozent mehr Lohn. Gemäss Antrag des Kirchenrates soll die Zentralsteuer bei 3,1 Prozent belassen werden.
Überdies verabschiedete die Synode in zweiter Lesung das „Reglement für den Dienst der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker“. Damit bilden die Musikerinnen und Musiker neben den Pfarrpersonen, Diakonischen Mitarbeitenden und Religionslehrkräften nun eine vollwertige vierte Berufsgruppe.
Schliesslich wählte die Synode den Widnauer Pfarrer Renato Tolfo zum Dekan des Kirchenbezirkes Rheintal. Er tritt die Nachfolge von Pfarrer Konrad Bruderer an. Auf dem frei werdenden Sitz in der Redaktionskommission des Kirchenboten wird zukünftig Katharina Marquart aus Grabs Platz nehmen.
Bildlegende: Martin Schmidt, Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, nimmt an der Wintersynode des Kirchenparlamentes im Kantonsratsaal Stellung zu einer Vorlage.
Bild: Regina Kühne |
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Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation,
02.12.2008 |
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