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Wenn der ganze Körper singt

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Weihnachtslieder als Schule des Sehens: Gebärden-Gospelchor gestaltet Gottesdienst der Gehörlosengemeinde |
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Daniel Klingenberg
In der Gehörlosengemeinde wird nicht nur gepredigt: Die Gebärdensprache eignet sich auch ausgezeichnet zum Singen. Die Gebärden von Liedern wie «Stille Nacht» berühren, weil sie den Inhalt mit Gesten erzählen.
Neun Händepaare berühren sich an den Fingerkuppen und formen einen (Berg-)Spitz. Für die Gehörlosen ist klar: Der Gospel «Go, tell it on the mountains» fordert auf, die frohe Botschaft von allen Bergen herab zu erzählen. Und wer die Gebärdensprache nicht versteht, dem leuchtet dieses Zeichen ein.
Meistens aber folgen die Augen einfach staunend den synchronen Bewegungen der Körper, begleitet von ausdrucksstarker Mimik: Wäre es eine Kunst-Vernissage, würde man von einer Performance sprechen. Hier aber feiert die Gehörlosengemeinde des Kantons St. Gallen Weihnachten und dazu gehören selbstverständlich Weihnachtslieder: Der Gebärden-Gospelchor übersetzt Klassiker wie «Stille Nacht», aber auch moderne Gospels in Bewegung. Und bewegt damit offensichtlich, wie die vielen erhobenen Arme mit flatternden Fingern zeigen: Das ist die Art, wie Gehörlose applaudieren.
Eine Dreiecksbeziehung
Damit ein Gebärden-Gospelchor funktioniert, braucht es eine Dreiecksbeziehung. Auf der Bühne des Kirchgemeindehauses St. Mangen sind eine Sängerin und ein Pianist. Sie geben den Rhythmus an und helfen den hörenden Gästen zu verstehen, was sie sehen. In der Mitte des Saales steht die Dirigentin, welche das Weihnachtslied in Bewegungen umsetzt: Die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne folgen ihren Gebärden – und die rund 150 Gottesdienstteilnehmer sehen das Weihnachtslied. Seit mehr als acht Jahren wird in der Gehörlosengemeinde im Chor gesungen, in diesem Jahr sind zum erstenmal Gospels dazugekommen. Das ist eine besondere Herausforderung, weil die Texte zuerst aus dem Englischen in die Gebärdensprache übersetzt werden mussten. Aber auch die anderen Lieder mussten übersetzt werden. Denn die Gebärdensprache kommt beispielsweise ohne Artikel aus oder braucht keine Deklinationen (siehe Kasten).
Geleitet wird der Gospelchor von Inge Scheiber-Sengl. Sie hat Erfahrung mit dem Singen in der fünften Landessprache, wie die Gebärdensprache auch genannt wird: Im vergangenen Jahr hat sie zusammen mit einer Musikerin eine DVD mit Liedern in Gebärdensprache herausgegeben.
Gefühlvoller als Worte
Das Visuelle hat in der Welt der Gehörlosen eine grosse Bedeutung – Gehörlose sind «Augenmenschen», sagt Pfarrer Achim Menges. Weihnachtslieder für die Augen singen bedeutet: Die Geschichte vom Kind in der Krippe mit Augen und Händen und dem ganzen Körper erzählen. Das berührt: Denn viele Gebärden überzeugen, weil sie – viel stärker als Worte – Empfindungen ausdrücken. Ist vom Himmel die Rede, gehen Blick und Arme ehrfürchtig in die Höhe, das Jesuskind wird mit beschützender Geste in den Armen gewiegt: Gebärdensprache ist eine Schule des Sehens.
(Quelle: St. Galler Tagblatt vom 27.12.2007) |
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A. Menges; Gehörlosenpfarramt,
27.12.2007 |
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Weiterführende Links:
Artikel auf der Web-Seite des St. Galler Tagblatts vom 27.12.2007
Weitere Infos zu Gebärdenliedern Weiterführende Infos als Dateidownload:
Artikel als pdf zum Download |
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