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Nicht Mauern bauen – sondern Windmühlen!
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Das religiöse Puzzle –
Verlorene und neu entdeckte Bausteine unserer Religiosität und Lebenspraxis - eine Veranstaltung der Landeskirche beider Appenzell vom 17. November 2007 |
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Am Samstag 17. November hatte die evangelisch-reformierte Landeskirche beider Appenzell zu einer öffentlichen Tagung zu diesem sehr aktuellen Thema eingeladen.
Es war dies die erste Veranstaltung in einer Reihe, die fortgesetzt werden soll. Eine Projektkommission bestehend aus einer Pfarrerin, zwei KiVo-Mitgliedern, einem Kirchenrat, hatte sich dieser herausfordernden Aufgabe gestellt.
In einem ersten Teil sprach der St. Galler Religionssoziologe und Theologe Alfred Dubach über die heutige Bedeutung der Religion und Kirche. Er konstatierte den Verlust der prägenden Gestaltungskraft der Kirchen in unserer Gesellschaft und verwies auf Jean Tinguely, der mit seiner Skulptur Heureka schon an der Expo 1964 in Lausanne angesichts des stetigen Wertewandels die Bewegung als das einzig Unveränderte deklariert hatte. In unserer multioptionalen Gesellschaft sei die einzige Konstante, dass alles fortlaufend neu verhandelt werden müsse, und zwar in allen Lebensbereichen: in der Partnerschaft etwa genauso wie in ethischen und religiösen Fragen.
Dieser Wertewandel sei keinesfalls dem Verfall gleichzusetzen, was etwa das wachsende Interesse an allgemeinen ethischen und religiösen Fragen belege. Allerdings würden religiöse Themen immer mehr subjektiviert und auf die eigene Erfahrungswelt abgestimmt. Dies im Gleichschritt mit immer unverbindlicher werdender Netzwerk- und Kommunikationskultur.
Diesen Herausforderungen - der stetigen Verhandelbarkeit, der Kurzlebigkeit, der zunehmenden Unverbindlichkeit - hätten sich die Kirchen heute in der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen und Religionen mehr denn je zu stellen. Die Kirche müsse reagieren, gemäss der taoistischen Spruchweisheit: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die andern Windmühlen.
Religion sei und bleibe eine Ressource für gelingendes Leben, könne aber gesamtgesellschaftlich nicht mehr auf ein Bekenntnis fixiert werden. Gefragt sei ein experimenteller Umgang mit Lebensdeutungsmustern, so dass Religiosität offen, vorläufig, prozessual, intuitiv-assoziativ, multipel und beweglich werde, so wie die Windmühlen. Dann sei der Wandel nicht Bedrohung, sondern könne Chance sein!
Im zweiten Teil wurden die Gedanken von Christoph Quarch, Stuttgart, zum Thema „Hungrig nach religiöser Erfahrung“ rezitiert. Dieser stellt fest, dass alle sich mit Religion beschäftigten, alle von Spiritualität sprächen, aber keiner sich mehr um Theologie kümmere. Religion sei omnipräsent, etwa in Filmen, in der medialen Welt, aber seltsamerweise erreiche die sogenannte Respiritualisierung die Kirchen nicht. Quarch postuliert eine spirituelle begleitende Theologie und eine Theologie der Liebe, bedauert aber, dass häufig die Moderne die Postmoderne verhindere.
Anschliessend wurden im Plenum Fragen und Impulse dieser Referate thematisiert. Etwa: Wie können Kirchennahe und Kirchenferne besser in Verbindung kommen? Warum nimmt die Kirche solche Entwicklungen so wenig zur Kenntnis? Wie können wir uns selbst verorten im weiten Spektrum der Kirchenzugehörigen von areligiös, synkretistisch, esoterisch, humanistisch? Innovation und Kreativität sollen gefördert werden! So dass die sich wandelnden Winde nicht an Mauern abprallen, sondern Windmühlen in Bewegung bringen. Diese Hoffnung kam denn auch zum Ausdruck beim abschliessenden gemeinsamen Mittagessen. |
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Marilene Hess; Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung,
04.12.2007 |
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Weiterführender Link:
zur Homepage der evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell |
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