Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Grünes Licht für wichtige Etappenziele

Bericht von der Evangelisch-reformierten St. Galler Synode
 
War tags zuvor - am 1. Advent - in einem Gottesdienst in Wildhaus das Jubiläumsjahr der 200 Jahre alt werdenden Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen festlich eröffnet worden, gaben sich die Mitglieder der Synode bei ihrer Herbstsession im Grossratssaal gleichermasssen guter Laune. Die Etappenziele, die der Kirchenrat auf dem Weg zur "St. Galler Kirche 2010" realisieren möchte, werden vom Kirchenparlament in eindrücklicher Einmütigkeit mitgetragen.

Hans Ruedi Fischer (kid)

Eine lange Grundsatzdiskussion zu dem fünfteiligen Massnahmenpaket liess schon in der Eintretensdebatte erkennen, dass der Kirchenrat mit seinen Vorschlägen auf gute Resonanz stossen werde, obwohl auch kritische Anmerkungen nicht fehlten. Vorschläge, eine Kommission mit näheren Abklärungen zu betrauen oder gar das ganze Geschäft an den Kirchenrat zurückzuweisen, wurden klar verworfen. Ebenso abgelehnt wurde der Antrag, alle kantonalkirchlichen Arbeitsstellen seien bis Ende 2005 einer Evaluation zu unterziehen. Mit Nachdruck setzte sich Kirchenratspräsident Pfarrer Dr. Dölf Weder für die schrittweise Umsetzung der Leitziele ein. Es gehe darum, die Basisarbeit in den Kirchgemeinden zu stärken und allenthalben glaubwürdiges Leben zu verankern. Voraussetzung dazu schaffen neue Arbeitsstellen. Da ab dem kommenden Jahr die Bausteuer von 0,5 Prozent für Wartensee entfällt, stehen jetzt 400'000 Franken zur Schaffung neuer Stellen zur Verfügung, zugleich erfahren die Kirchgemeinden eine spürbare Entlastung. Beim Abwägen aller Für und Wider fiel in der Debatte das Bonmot "Man kann nicht vom Kirchenrat erwarten, dass er handelt und wenn er handelt, werden ihm die Hände gebunden". Von dieser (applaudierten) Einsicht geleitet, liess sich die Synode-Mehrheit dafür gewinnen, zwei neue Arbeitsstellen, nämlich "Pastorales" mit 100 Stellenprozenten und "Familie und Kinder" mit 50 Stellenprozenten, zu schaffen, ein neues Jugendvolontariat einzurichten und ab 2004 die heutige Ostschweizer OeME-Stelle durch eine kantonale Einrichtung "Welt, Gesellschaft, Oekumene" abzulösen. Der Kirchliche Sozialdienst (ksd), bis jetzt an den Berufsschulen in Wattwil und Rorschach unter der alleinigen Verantwortung der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche geführt, bekommt ab 2003 Unterstützung vom Staat (60 Prozent) und des Katholischen Konfessionsteils (20 Prozent). Die drei Partner werden dieses anerkannte Angebot auf alle Berufsschulen im Kanton St. Gallen ausdehnen.

Unsicherheiten
Als Finanzchef musste Kirchenrat lic. oec. Alfred Friedauer bekannt geben, dass beim Budget mehr Unsicherheiten als üblich vorherrschten. Noch ist ungewiss, wie sich das kantonale Steuergesetz auswirken wird. Der Kirchenrat wäre bereit gewesen, in seinem Zuständigkeitsgebiet die Löhne um 2 Prozent (inkl. Teuerungszulagen) anzuheben; nachdem aber der Grosse Rat für das St. Galler Staatspersonal auf eine Anpassung verzichtet, entfällt diese Position reglementskonform. Trotz verminderter Steuereinnahmen ist das kantonalkirchliche Budget ausgeglichen. Die Idee eines Synodalen, aus der wegfallenden Bauersteuer Wartensee 0,2 Prozent der Zentralsteuer als Aktionskapital für die Vision St. Galler Kirche 2010 abzuzweigen, fand keine Zustimmung, wohl aber der Voranschlag mit einem Defizit von 263'000 Franken.

Neue Kommissionspräsidentin
Ein einziges Wahlgeschäft hatte die Synode zu erledigen: Die interimistische Vorsitzende der Verlags- und Redaktionskommission des Kirchenboten, Pfarrerin Christina Nutt, Azmoos, wurde für den Rest der laufenden Amtsdauer das Vertrauen als Präsidentin ausgesprochen.

Auf 1. Januar in Kraft
Im Bereich Versicherungen und Lohnwesen der Kirchgemeinden baut die Kantonalkirche ihre Dienstleistungen aus. Das Hauptgeschäft der Sommersynode wurde in Zweiter Lesung zum Abschluss gebracht. Die Gehaltsadministration der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchgemeinden wird per 1. Januar 2003 durch die Kantonalkirche übernommen.

Reglemente revidiert
Die bei der Pensionskasse der evangelisch-rerformierten Kirchen der Ostschweiz (Perkos) versicherten Rentnerinnen und Rentner aus dem Kanton St. Gallen bekommen ab 1. Januar 2003 eine zusätzliche Teuerungszulage auf den Renten ausgerichtet. Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Sozial-Diakonisch Mitarbeitenden (SDM) wird eine gewisse Freizügigkeit bei der Studienurlaubsregelung gewährt, sofern die Betroffenen innerhalb des Kantons ihre Stelle wechseln. Eine Qualitätssicherung nehmen Synode und Kirchenrat in bezug auf die Wählbarkeit von Katechetinnen und Katecheten vor, indem dem Dienstreglement ein Wählbarkeitsparagraph beigefügt wird.
 
Hans Ruedi Fischer; Arbeitsstelle Kommunikation,
03.12.2002

 
 
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