Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Gelebte Ökumene pflegen - Katholische und Reformierte Kirchenleitungen bekräftigen Wille zur Ökumene



 
Der guten ökumenischen Zusammenarbeit, wie sie in der Ostschweiz vielerorts selbstverständlich ist, soll Sorge getragen werden. Dies betonten die Leitungen von Bistum, katholischem Konfessionsteil und Evangelisch-reformierter Kirche des Kantons St.Gallen bei ihrem jährlichen Treffen auf Schloss Wartensee.
 
„Wir glaubten uns in einem Sommergewitter“, sagte Bischof Markus Büchel im Rückblick auf die Veröffentlichung des römischen Dokumentes, welches im vergangenen Juli „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ geben wollte. Als Hagelschlag empfanden evangelische – als auch katholische – Gläubige vor allem die Formulierung, dass nach römisch-katholischer Auffassung die reformatorischen kirchlichen Gemeinschaften nicht „Kirchen im eigentlichen Sinn“ seien.

Verzahnte Kirchenlandschaft
Obwohl sich dieses Gewitter nun teilweise verzogen hat, war es Bischof Markus Büchel dennoch ein Anliegen an der jährlichen Zusammenkunft der Räte der katholischen Administration, der Bistumsleitung und der Leitung der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen eine Stellungnahme mit Blick auf die Ostschweizer Kirchenlandschaft abzugeben. Das Treffen 2007 fand turnusgemäss auf Einladung der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen auf Schloss Wartensee, dem Bildungshaus der St.Galler Kantonalkirche, statt. Ihm sei es wichtig, dass die in unserer Region gelebte Ökumene von den Gemeinsamkeiten der Konfessionen ausgehe. Dabei gehe es nicht darum, die bestehenden unterschiedlichen Traditionen zu verwischen oder negieren. Doch müsse die Diskussion über das jeweilige Kirchenverständnis andernorts stattfinden; etwa auf Ebene der Kirchenleitungen oder im theologischen Diskurs. „Gerade in der Ostschweiz, wo die Konfessionen so eng verzahnt sind, ist es wichtig, dem Miteinander besonders Sorge zu tragen.“

Lebendige Ökumene
„Wir kennen die Haltung der St.Galler Bistumsleitung und haben darum nicht daran gezweifelt, dass die hier im Alltag gelebte Ökumene gefährdet wäre“, sagte Dölf Weder, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche. Er habe das Schreiben zwar als unglücklich empfunden, doch seien diese theologischen Positionen ja nichts Neues gewesen. Gewundert habe man sich höchstens über Form und Zeitpunkt: „Warum musste Rom seine Haltung erneut öffentlich machen?“
Auch Martin Schmidt, evangelischer Kirchenrat, äusserte die Ansicht, die ökumenische Zusammenarbeit sei vielerorts so stark etabliert, dass sie in ihren Grundfesten nicht mehr erschüttert werden könne. Zudem sei es wichtig, den offenen und ehrlichen Austausch zwischen den Konfessionen weiter zu führen – auch im Hinblick auf den interreligiösen Dialog.


Paarberatung, Mittagstisch, Glockenschlag
Neben der Aussprache über die ökumenische Zusammenarbeit wurden beim Treffen der Kirchenleitungen auf Schloss Wartensee auch verschiedene gemeinsame Projekte und Anliegen erörtert. So informierte Hans Wüst, Administrationsrat des katholischen Konfessionsteils, über Veränderungen bei den kirchlichen Paar- und Familienberatungsstellen. Im Zusammenhang mit dem neuen kantonalen Sozialhilfegesetz müsse eine Gesamtschau zu den zukünftigen kirchlichen Beratungsangeboten gemacht werden. Fakt sei jedoch, dass die kirchlichen und konfessionellen Paar- und Familienberatungen sehr geschätzt werden und entsprechende Angebote erhalten bleiben sollen.

Martin Schmidt, evangelischer Kirchenrat, orientierte über die Unterstützung von Schulbehörden beim Aufbau von Mittagstischen für Schülerinnen und Schüler. Die Tischgemeinschaft sei ein wesentlicher Bestandteil des Christentums und Kirchgemeinden verfügten sowohl über die nötige Infrastruktur als auch die Vernetzung in den Gemeinden. Daher böten sie sich als Partner geradezu an.

Weitere Themen, welche zur Sprache kamen, waren die Seelsorge an Zentren für Asyl Suchende, der Umgang mit Klagen betreffend Glockenschlag und -geläut oder Ausbildungs- und Anstellungsfragen von Kirchenmusikern. inf./kid

Bildlegende
Im Gespräch: (von links) Hardy Notter, Präsident des Administrationsrates des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen, Dölf Weder, Präsident des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen und Bischof Markus Büchel.
Bild: Sabine Rüthemann
 
Andreas Ackermann; Arbeitsstelle Kommunikation,
30.10.2007

 
 
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