Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Frauensynode in der Zentralschweiz - Heimat? – Heimat!



 
An der 4. Frauen-Synode in der Zentralschweiz haben am Samstag, 22. September, 700 begeisterte Frauen gefeiert, diskutiert und sich zum Thema Heimat Gedanken gemacht. Auch Ostschweizerinnen haben mitgefeiert, und die in Wattwil wohnhafte feministische Theologin Ina Praetorius begrüsste die Teilnehmerinnen nach dem Anliegen der Schiffe in Luzern.
 
Kaum mehr zu übertreffen, diese 4. Frauensynode, meinte heute morgen meine Kollegin. Schöner hätte kein Hochglanzprospekt vom Tourismusbüro die grandiose Landschaft rund um den Vierwaldstättersee darstellen können. Wir trafen uns in Flüelen, um auf den zwei Schiffen Gotthard und Europa (wurden diese Schiffe wohl wegen ihres Namens eingesetzt?) nach Luzern zu reisen. Drei Alphörner, die MusikerInnen schwarz gekleidet, empfingen uns. Und eine erste Ahnung, wie es weiter gehen könnte im Verlauf des Tages: Schön schöne und schön schräge Töne klingen uns entgegen.

Unterwegs gibt es Erstaunliches zu sehen und zu hören, die Schiffe lagern jeweils vor den berühmten Gestaden und wir sehen und hören (dank Wireless-Uebertragung auf die Schiffe) z.B. auf dem Rütli eine Jodelgruppe, die vom Naturjodel ins Spanische übergeht, nach Afrika und wieder zurück. Bei der Tellsplatte haben wir Hedwig Tell getroffen, 700 Frauen wurden mäuschenstill und konzentrierten sich auf die Uraufführung des Textes der Brunnerin Martina Clavadetscher. Helden, braucht diese Gegend, dieses Land Helden, Helden in der Not? Haben wir sie nötig, nötiger als Mütter, Ehefrauen und Töchter? Und wie ist es, wenn diese Helden – mit Blut an den Händen, denn sie haben ja heldenhaft andere Väter, Ehemänner umgebracht; wieder daheim sind, der Tochter über das Haar streichen?

Lesungen von innerschweizer Schriftstellerinnen zum Thema Heimat; Musik – und immer wieder der Blick zum anderen Schiff, ein Miteinander bis zur Anlegestelle in Luzern. Da richtet Ina Praetorius Grussworte an die Frauen – sie spricht davon, dass ihre Familie ihr Heimat bedeutet. In den Zeiten des ausgehenden Patriarchats sieht sie, dass wir alle bedürftig sind, bedürftig nach Zuneigung, nach gegenseitiger Wertschätzung. Vor Jahren hätte sie bei vielem noch gesagt, typisch Mann! – Heute ist sie als feministsche Theologin und Schriftstellerin einen Schritt weiter.

In Luzern bieten sich viele Stationen an zur Heimatsuche. Wir St. Gallerinnen wählen bewusst jene Orte, wo die Frage nach Heimat aus der Sicht von Migrantinnen gestellt wird. So zeigen uns Begeg-nungen der speziellen Art, wie sich Frauen fühlen, die aus andern Ländern und Kontinenten in die Schweiz migriert sind. Heimatsymbole wie Gartenzwerge oder Schweizerfähnchen werden mit einem Augenzwinkern eingesetzt, teils neu besetzt – nie wertend oder abwertend. Wie Frau sich fühlt vor der Einbürgerungskommission, das wollen uns „fremde“ Frauen zeigen – dieses Mal dürfen sie uns befragen: Welches ist der grösste Schweizer See, der höchste Berg? Auch zehn noch lebende oder bereits gestorbene berühmte Schweizer Frauen gilt es zu nennen. Sehr speziell inszeniert, tragen doch alle diese „Fremden“ Schweizer Trachten. Immer wieder begegnen uns Trachtenfrauen; einge-setzt für die Botschaft: Heimat ist da, wo wir akzeptiert sind und wo wir uns wohl fühlen.

Bei der Abschlussfeier in der Lukaskirche in Luzern bleibt kein Platz frei. Nach einer bewegenden Feier wurde der Basler Theologin Doris Strahm und dem Schweizerischen Weltgebetstagskomitee der Marga-Bührig-Anerkennungspreis verliehen. Die nächste Synode wird in drei bis vier Jahren von einer Gruppe feministischer Theologinnen aus Zürich durchgeführt. So wurde das Feuer der Frauen-Synode denn auch feierlich an die Zürcher Frauen weiter gegeben.

Bereits auf der gemeinsamen Heimreise mit der Südostbahn haben wir uns gefragt, ob die Organisatorinnen aus der Zentralschweizer Frauenkirche bei der vor zwei, drei Jahren begonnenen Planung eine Vorahnung hatten, dass das sonst von ganz anderer Seite als Inbegriff von Heimat besetzte Rütli diesen Sommer von unseren zwei höchsten Politikerfrauen, Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und Nationalratspräsidentin Christine Egerszegi, zur Bundesfeier ausersehen würde. Unseren Gastgeberinnen gebührt ein grosser Dank, noch selten hat uns ein Frauenkirchenanlass so sehr berührt und beglückt.


Bild: auf der Treppe zur Abschlussfeier in der reformierten Lukaskirche in Luzern.
 
Heidi Amstutz; Arbeitsbereich Männer / Frauen / Genderfragen,
24.09.2007

 
Weiterführender Link:
 Homepage der Frauen-Synode
 

 
 
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