Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Begegnungsabend mit Somalierinnen und Somaliern...

... ihre Kultur – ihr Leben im Exil – ihr Beitrag zum Frieden in Somalia. Im Rahmen der IDA, der interreligiösen Dialogwoche fand am Montag den 10. Sept 07 im Kirchgemeindehaus St.Mangen in St.Gallen ein Begegnungsabend mit Somalis statt. Veranstaltet wurde der Anlass vom Somalischen Integrationsverein Ostschweiz/SIVO und dem Forum für Friedenserziehung mit der Evang.-ref. Kirchgemeinde St.Gallen-Zentrum als Gastgeberin. Organisator Ueli Wikdberger berichtet.
 
Palmenhaine, Meerhäfen, Ziegenherden in der trockenen Wüste – ein kurzer Video liess zu Beginn Somalia vor unsern Augen erstehen.

In ihrer Bild-Präsentation brachte uns die junge Somalierin Amaal die aktuelle Situation in ihrem Heimatland näher: Somalia liegt am Horn von Afrika. Die 8,5 Mio EinwohnerInnen sind teils Nomaden, teils Bauern (vor allem im Süden). Praktisch alle sind Muslime, sprechen die gleiche Sprache, teilen sich aber in verschiedene Clans auf, die je nach Region vorherrschen. Nach dem Sturz des Diktators Siad Barre brach ein Machtkampf und Bürgerkrieg aus, in dem bis heute verschiedene Warlords und ihre Milizen einander bekämpfen. Zerstörungen, Arbeitslosigkeit, Hunger und Krankheiten sind die Folge. Hunderttausende mussten deshalb fliehen, viele in überfüllten, untauglichen Booten, wo sie verhungern oder unterwegs ertrinken.

Können die 2-4000 Somalis, die momentan in der Schweiz im Exil leben, etwas zum Frieden in Somalia beitragen? Dies war und ist die Leitfrage, die hinter dem Modellprojekt des Forum für Friedenserziehung mit der somalischen Vereinigung 'Rajo (=Hoffnung) – Integration, Frieden und Entwicklung in Somalia' steht. Am eindrücklichen Beispiel der lokalen Friedensinitiative somalischer Frauen in Wajir zeigte Ueli Wildberger auf, wie konkrete Friedensschritte aussehen können. Der geplante Trainingszyklus mit somalischen Regionalgruppen in der Schweiz soll den Somalis Ideen weitervermitteln, wie sie selber hier untereinander wie dort sich für Frieden einsetzen können

Nach der Pause mit gewürztem Tee und Süssigkeiten schilderten die acht somalischen Frauen, wie sie ihre Flüchtlingssituation hier in der Schweiz erleben.
Ein 16-jähriges Mädchen, das den sehnlichen Wunsch hat Krankenschwester zu werden, beschrieb die Schwierigkeiten, mit dem Ausweis mit F-Status (dh nur provisorische Aufnahme als Asylbewerberin) eine Lehrstelle zu finden. Besonders bewegend war die Erzählung von Fatima*: Sie ist Mutter von 7 Kindern und war in verschiedenen Organisationen aktiv. Eines Tages drangen Bewaffnete in ihr Haus in Somalia ein, und töteten ihren Mann. Sie musste Hals über Kopf fliehen und ihre Kinder zurücklassen. Sie heiratete ein zweites Mal, als auch ihr zweiter Mann umgebracht wurde, wurde msie von dessen Familie bedroht. Schliesslich gelang es ihr, nach Kenia und von dort nach Genf zu fliehen. Nun lebt sie hier in Sorge um ihre Kinder, die in der Obhut der betagten Grosseltern in Somalia leben und zT krank sind: der eine Sohn hat ein vereitertes Ohr, eine Tochter bricht Blut – sie darf sie aber erst in die Schweiz holen, wenn sie Arbeit und ein eigenes Auskommen gefunden hat! Einmal mehr wird deutlich, wie wichtig die Solidaritätsarbeit hier in der Schweiz ist - gerade auch die Kirchen sind im Rahmen der 'Dekade zur Überwindung von Gewalt 2001- 2010 des Weltkirchenrats berufen, einen aktiven Beitrag zu leisten.

Obwohl wenig Leute am Abend teilnahmen, war er doch sehr spannend und lebendig – vor allem, weil die somalischen Frauen selber bereit waren, offen und mutig auch persönliche Erfahrungen zu erzählen. Mit der Mutmachergeschichte aus einem Flüchtlingslager, in dem es gelang, dass die Flüchtlinge ihre Lebensmittelverteilung, ihre Platzzuweisung usw selber in die Hand nahmen und verbessern konnten, schloss der Abend.
 
Ueli Wildberger; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
18.09.2007

 
 
© Alle Bilder und Texte sind Eigentum der
Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, Schweiz