Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Gelungener Abend mit Margo und Paolo Knill im Rahmen des Poesieprojekts in Ebnat-Kappel



 
Am 6. Juni gestalteten Margo und Paolo Knill im Pfarrhaus Ebnat einen eindrücklichen Poesieabend. Pfr. Hansruedi Rosenmund verfasste dazu eine Zusammenfassung.
 
- Geh zunächst weg von den Worten, um das poetische Wort zu finden!. - Diese hilfreiche Methode erlebten die Teilnehmer eines interessanten Impulsabends im Rahmen des Poesieprojektes „Farben der Hoffnung“ der evg. und kath. Kirchgemeinden Ebnat Kappel am eigenen Leibe. Zur engen Beziehung zwischen Wort und Musik gestalteten Margo und Paolo Knill am 6. Juni im Pfarrrhaus Ebnat diesen eindrücklichen Poesieabend.

Poesie steht in einem grösseren Zusammenhang
Pfr. Hansruedi Rosenmund schmückte den kleinen Saal im Pfarrhaus nach Absprache mit den Referenten mit einer Serie von Bildern, welche er in den letzten Wochen selber gemalt hatte. Sie haben etwas traum- und schattenhaftes an sich, passend zum Mythos von Orpheus und Eurydike. Orpheus war der Musik und Dichtung gleichermassen und in einer Person verpflichtet. Den Zusammenhang von Musik und Dichtung zeigt auch das aus dem Griechischen stammende Wort Lyrik, welches auf das Instrument Lyra wie auf die Dichtkunst verweist, bis heute. In der Spätantike glaubten nicht wenige Christen, wie Orpheus seine Geliebte aus dem Totenreich zu retten versuchte, später Jesus Christus die Seelen aus der Unterwelt rettete. Bildlich sind Darstellungen von Jesus als Orpheus überliefert.
Das Phänomen Poesie ist besonders unter diesem Aspekt Wort und Musik ein immer wieder wichtiges Thema für die Kirche, mit dem es sich auseinanderzusetzen lohnt. Etwas über zwanzig Personen konnte Pfr. Rosenmund mit seinen einleitenden Worten begrüssen.

Kunstvolle und gefühlsintensive eindrückliche Rezitation.
Feinfühlig und gekonnt begleitete Paolo Knill auf einem Ko Ta Mo mit gegen 60 Saiten die Rezitation der tiefgründigen Gedichte seiner Lebenspartnerin Margo Fuchs-Knill zu Orpheus und Eurydike, welche die Autorin selbst vortrug. Es bleibt das JA/ wenn die Stille/ das Band/ des Aufgehoben Seins/ er – trägt heisst es auf dem Buchdeckel des Kunstbandes, betitelt mit ″IM ZEITKNOTEN BLEIBT DAS JA″, den sie mit dem Aquarellisten Felix Seiler zusammen gestaltete.

Künstlerisches Tun ist hoffnungsvolles Tun.
Nach dem verdienten Applaus übernahm der Musiker und Kunsttherapeut Paolo Knill die Führung und erläuterte, was Hoffnung in der Kunst bedeutet: Jeder gute Künstler, der sich nicht mit dem zufriedengibt, was er sowieso schon routinemässig kann, wirkt in der Hoffnung, dass sich bei seinem Tun etwas Neues einstellt und ereignet, betonte er. Dies konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer auch in der Musik von Paolo Knill erleben. So hatte er für diese Lesung nicht das ihm wohl vertraute Klavier oder seine Blockflöten, sondern als Herausforderung ein Saiteninstrument gewählt, auf dem er noch nie konzertierte. Auf diese Aufführung hin hat er das KoTaMo auch in einer einmalig neuen und besonderen Art selbst gestimmt. Hoffen heisst Hoffnung schöpfen, was eine aktive Tätigkeit ist – und zugleich ein empfangsbereites Angewiesensein und Offensein auf nicht Machbares, Ungewisses.

Eindrückliche Stimm- und Klangreise.
Mit dieser Ungewissheit und Hoffnung lud der ehemalige Kirchenmusiker und Pionier der intermodalen Ausdrucktherapie und – Pädagogik, der gebürtige Appenzeller und heute in der Schweiz, Europa und Übersee lehrende und wirkende Dozent, die Anwesenden ein, sich miteinander zu einem Klangkörper zusammenzustellen und unter seiner Führung auf eine Klangreise mit der eigenen Stimme zu begeben. Weg von den Worten hin zu noch nie gehörtem improvisiertem wortlosen Gesang. Dabei geht es nicht darum, betonte er, dass ich den Ton angebe, sondern, dass ich, wie alle, hörend erspüre, wie ich mit meinen Beitrag zum Ganzen der Schönheit des entstehenden Klangs diene. Er diente als Teppich für die Improvisationen von Peter Roth und andern, die es wagten, mit ihrer Stimme zu improvisieren.

Spielerisches Schreiben und Vortragen nach gelungener Motivation
Damit war der Spielraum geschaffen, sich neue Worte schenken zu lassen. Der dritte Teil des Abends habe zum Ziel, dass jede/r der Teilnehmer am Schluss ein kurzes eigenes Gedicht erarbeiten und mit nach Hause nehmen könne. Das garantiere sie, versprach Margo Knill. Und tatsächlich begannen die Teilnehmer schon bald nach ihrer Anleitung zu schreiben. Die Möglichkeit, das selbst geschriebene Gedicht sogar vorzutragen, wurde spontan von zahlreichen Menschen genutzt. Mit einigen Reflexionen über den Entstehungsprozess und die Heilkraft der Poesie rundete sie den offiziellen Teil ab.
Anschliessend wurde noch bis gegen Mitternacht anregend mit den Referenten diskutiert und geplaudert. Wer wollte, konnte sich auch über die Stifung EGIS und die Studien-, Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten an der EGS und des ISIS informieren. Weit über die Psychotherapie hinaus ist der von P. Knill und seiner Schule entwickelte intermodale künstlerische Ansatz bzw. die Methode des intermodalen Dezentrierens (IDEC) auch in der Pädagogik, Supervision, im Coaching, bei der Ausbildung und Beratung, überall wo beruflich mit Menschen gearbeitet wird, bedeutsam. Was dieser künstlerische Ansatz im Kontext der Kirche bringt, konnten die Anwesenden spüren.
Ermutigt und hoffnungserfüllt durch die Erfahrung, selber Gedichte schreiben zu können, kehrten die Teilnehmer bereichert heim.
Die Veranstalter, die evg. und kath. Kirchgemeinden Ebnat Kappel, freuen sich, wie Karl Furrer abschliessend nochmals betonte, auf zahlreiche Zusendungen, die dann am Schlussabend vom 31. Oktober vorgetragen werden können. Die nächste und letzte Impulsveranstaltung wird dem Thema Poesie und Emotionalität in der Bibel gewidmet sein. Am 4.September wird Abt Daniel Schönbächler aus Disentis darüber in der Kirche Kappel referieren.
 
Heidi Amstutz; Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung,
13.06.2007

 
 
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