Jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr findet im Kirchgemeindehaus Winkeln an der Kreuzbühlstrasse 18 ein Gottesdienst der Bethesda-Mission statt. Die Bethesda-Mission ist eine Gemeinde überwiegend von Menschen aus Afrika. Im Gottesdienst wird viel und laut gesungen. Pierre, Mittvierziger aus Burkina Faso, leitete bis vor kurzem den Lobpreis.
Die vierzig bis sechzig Frauen, Männer und Kinder -Tendenz steigend- kommen aus der ganzen Region zusammen. Dank reger Werbe- und Evangelisationstätigkeit schliessen sich die ersten weissen Schweizerinnen und Schweizer an. Ausser an den Sonntagsgottesdiensten treffen sich die Gläubigen u.a. in wöchentlichen Gebetsnachmittagen und -nächten.
Heuer gibt es ein besonders brennendes Gebetsanliegen. Eine der Säulen der Gemeinde, Pierre, ist weg. Er habe seine Heimat Burkina Faso vor ca. fünf Jahren darum verlassen müssen- so berichtete er- weil er als Chef der Wirtschaftspolizei den korrupten Machenschaften einflussreicher Männer zu dicht auf den Fersen gewesen sei. Er wurde bedroht und floh - was in der Schweiz kein Asylgrund ist.
So haben seine St.Galler Berufskollegen ihn vergangene Woche im Morgengrauen aus dem Schlaf heraus festgenommen; unmittelbar danach wurde er ausgeschafft. Telefonate haben nun ergeben, dass Pierre bei Ankunft in der Hauptstadt Ouagadougou sieben Stunden lang verhört und bis Donnerstag dieser Woche unter Hausarrest gestellt wurde. Dann wird entschieden, ob er ins Gefängnis muss oder was sonst mit ihm geschieht.
Nach der traditionsreichen Eglise Francaise hat St.Gallen nun die zweite evangelische Gemeinschaft französischer Sprache. Sie steht in freundlichem Kontakt mit dem Pfarramt Winkeln und der Kirchgemeinde Straubenzell, aber auch mit der Kantonalkirche und -aus gegebenem Anlass-mit dem Solidaritätsnetz Ostschweiz. Manchmal tritt der Bethesda-Chor in Kirchgemeinden der Region auf, wenn zum Beispiel am Suppentag ein afrikanisches Projekt besammelt wird.
Ein Traum von Gemeindeleiter und Chor wäre ein neues Keyboard mit Verstärkeranlage. Dafür sind Spender dringend gesucht, denn die wenigen finanzstarken Mitglieder sind bereits mit anderen Kosten stark belastet.
Pierre hat unterdessen andere Sorgen. Aber er weiss immerhin um die Gebete seiner schwarzen Schwestern und Brüder in St.Gallen. Und ihre Lieder, die in seinem Herzen nachklingen, mögen ihm ein Trost sein in der Angst.
Martin Breitenfeldt; Arbeitsstelle Kirche im Dialog,
08.03.2007