Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Keine Sommerpause für die Bibel in gerechter Sprache



 
Über 50 interessierte Frauen und Männer haben sich am späten Sonntagnachmittag, 22. Juli, im Frauenpavillon im St. Galler Stadtpark eingefunden, um den Ausführungen von Ina Praetorius zur Bibel in gerechter Sprache zu lauschen. Die Veranstaltung wurde vom FrauenNetzwerk der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen organisiert.
 
Ina Praetorius, Dr. theol., Ethikerin, Wissenschafterin und Autorin zahlreicher Publikationen, berichtete über die Entstehungsgeschichte der Bibel in gerechter Sprache. Neun Monate ist es her, seit diese neue Bibel erschienen ist. Innert kürzester Zeit wurden im deutschsprachigen Raum über 70'000 Exemplare verkauft, zeitweise kam es sogar zu Lieferengpässen. Diese Zahlen kommen nicht an jene der Harry Potter Romane heran, sind aber doch bemerkenswert, wenn wir bedenken, dass eine Bibelübersetzung, die feministische und befreiungstheologische Aspekte sowie den jüdisch-christlichen Dialog berücksichtigt, auf ein derart grosses Interesse stösst. Frauen haben sich wohl in örtlichen Gruppierungen mit feministischer Theologie auseinandergesetzt – dass diese Bewegung im deutschsprachigen Raum so viele Menschen anspricht, ist aber dennoch erstaunlich.

Die BigS, wie die Bibel in gerechter Sprache auch genannt wird, hat bereits zu vielen Diskussionen und Kontroversen geführt. All jene, die in der Bibel für GOTT auch andere Namen als ‚Herr’ lesen möchten, können in der BigS Namen finden wie „Adonaj“, „der/die Lebendige“, „der/die Ewige“, „der/die Heilige“, „Du“; (in der Zwingli-Bibel und in der Luther-Bibel lesen wir rund 6'500 mal „Herr“ für Gott). In Einem ist Ina Praetorius gleicher Meinung wie der Papst: Glaube bzw. Religion ist nicht für eine kurze Zeitspanne von einem Menschenleben gedacht, sondern für Jahrhunderte. Dieser Bibel traut Frau Paretorius epochale Auswirkungen zu, indem sie (Aus)Wege weist aus dem jahrtausendealten, oft menschen- und naturzerstörerischen Muster des Patriarchats.

Ina Praetorius durfte nach ihren Ausführungen viele spannende Fragen beantworten, die Musikerin Angela Seifert liess auf ihrer Geige alle Saiten tanzen. Weil zu einem ‚guten Leben’ nebst seelischen auch leibliche Genüsse gehören, konnten die BesucherInnen nach der Veranstaltung Köstlichkeiten aus dem Orient geniessen. Brigitta Ackermann vom FrauenNetzwerk der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen ist vom grossen Erfolg der Veranstaltung berührt. Sie wünscht sich, dass die Bibel in gerechter Sprache – ein aufregendes Projekt – weiterhin ein Thema bleibt. Gerne nimmt sie Meldungen zu weiteren Veranstaltungen mit der Bibel in gerechter Sprache entgegen. Im Rundbrief des FrauenNetzWerks können solche Veranstaltungen gerne veröffentlicht werden. Mailto: ackermann@ref-sg.ch
 
Heidi Amstutz; Arbeitsbereich Männer / Frauen / Genderfragen,
23.07.2007

 
Weiterführender Link:
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