Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 
Mögliche Aufgaben für die Vernehmlassung

 

 

 

Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen

 


St. Galler Kirche 2010

 

 


nahe bei Gott - nahe bei den Menschen

 

Auftrag - Vision - Leitziele 2005

 

   

 

E N T W U R F ZUR V E R N E H M L A S S U N G
Revisionsstand: Kirchenrat, 14. Mai 2001

 

   
 

Inhalt

Vorwort des Kirchenratspräsidenten
 1. Unser gemeinsames Fundament und Bekenntnis
 2. Unser gemeinsamer Auftrag
 3. Unsere gemeinsame Vision
 4. Leitziele unserer Kantonalkirche bis 2005
 5. Ziele und Schwerpunkte unserer Kirchgemeinden
und Mitarbeitenden

 

   

 


 

 


Vorwort des Kirchenratspräsidenten

Gesellschaft im Umbruch - Kirche im Umbruch

Unsere Gesellschaft ist im Umbruch, darum ist auch unsere Kirche im Umbruch. In solchen Zeiten ist es besonders wichtig, gemeinsam darüber nachzudenken, in welche Richtung wir als Kirche gehen wollen und was wir tun müssen, um dorthin zu gelangen. Der Kirchenrat hat deshalb im Mai 2000 den Prozess St. Galler Kirche 2010 initiiert:

Der Kirchenrat leitet einen partizipativen Prozess bis auf Ebene Kirchenvorsteherschaften, der bis zur Wintersynode 2001 ein kurzes Papier ergibt, in dem knapp der Auftrag und eine Vision "St. Galler Kirche 2010" beschrieben und einige bis 2005 durch die Kantonalkirche dafür zu erreichende Leitziele aufgelistet sind.

Das anvisierte umsetzungsorientierte Papier liegt hier nun als Entwurf zur Vernehmlassung vor. Vorausgegangen sind ihm Situationsanalysen und Überlegungen zu den gewünschten Eigenschaften und Tätigkeiten unserer Kirche in Kirchenvorsteherschaften und anderen Gremien, die Aussprachesynode 2001 und zwei Retraiten des Kirchenrates. Der überarbeitete Text wird der Wintersynode 2001 zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Nahe bei Gott - nahe bei den Menschen

Im Prozess wurde als zentrales Anliegen aller deutlich: Wir wollen als Kirche einerseits nahe, möglichst noch näher als heute, bei den Menschen sein, stark von ihnen und ihren Situationen und Anliegen her denken. Andererseits wollen wir unserer Identität und unserem Auftrag treu bleiben: das Evangelium verkündigen und damit eine Kirche nahe bei Gott und seiner befreienden Botschaft in Jesus Christus sein. Wie bei den zwei Brennpunkten einer Ellipse gilt es also, sich ständig sowohl an Gottesnähe als auch an Menschennähe zu orientieren und die beiden in jeder Situation neu aufeinander zu beziehen.

Der Kirchenrat schlägt deshalb vor, die gemeinsame Vision der St. Galler Kirche 2010 in Kurzform zusammen zu fassen mit "nahe bei Gott - nahe bei den Menschen".

Schritte bis zum Jahr 2005

Nach der Darstellung der Vision folgen Leitziele, die bis zum Jahr 2005 als Schwerpunkte der Kantonalkirche verfolgt werden sollen. Eine Auswertung wird im Jahr 2005 erlauben, für die Jahre 2006 bis 2010 neue Leitziele festzulegen und möglicherweise auch die gemeinsame Vision den dann aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

Die Leitziele zeigen aber auch den Kirchgemeinden, Diensten und Kommissionen, in welche Richtung sich die St. Galler Kirche als Ganze entwickeln möchte. Sie werden ermutigt, die Leitziele auch für sich selber zu analysieren und zu überlegen, wie auch sie sich schrittweise - zum Beispiel jedes Jahr in zwei oder drei Themen - in die gemeinsame Richtung bewegen können:

"nahe bei Gott - nahe bei den Menschen"

St. Gallen, 14. Mai 2001 Pfr. Dr. Dölf Weder, Kirchenratspräsident

 


1. Unser gemeinsames Fundament und Bekenntnis

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist,
welcher Jesus Christus ist (1. Kor. 3, 11).

Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen bekennt sich als Glied der allgemeinen christlichen Kirche zum Evangelium Jesu Christi gemäss der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes. Sie zählt sich zu den aus der Reformation hervorgegangenen und aufgrund der Heiligen Schrift erneuerten und stets zu erneuernden Kirchen.

(Leitwort und Art. 1 der Kirchenverfassung, Bekenntnis)

2. Unser gemeinsamer Auftrag

Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen erkennt als ihren Auftrag,
Jesus Christus als das Haupt der Kirche und den Herrn der Welt zu verkündigen
und
durch ihr dienendes Handeln das angebrochene Reich Gottes zu bezeugen.

(Art. 2 der Kirchenverfassung, Auftrag)


3. Unsere gemeinsame Vision

Auf der Basis unseres gemeinsamen Fundamentes, Bekenntnisses und Auftrages fassen wir als St. Galler Kirche unsere gemeinsame Vision für die nächsten Jahre wie folgt zusammen:

nahe bei Gott - nahe bei den Menschen

1 glaubwürdig christlich

Wir leben und bezeugen unseren Glauben ganzheitlich, glaubwürdig und weltoffen, als Teil der weltweiten Kirche Jesu Christi.

2 evangelisch-reformiert

Wir bauen in unserem Handeln und Reden mutig auf die befreiende biblische Botschaft, leben nach reformierten Grundsätzen und bezeugen damit die Solidarität Gottes mit seiner Schöpfung und mit allen Menschen auf dieser Welt.

3 landeskirchlich vielfältig

Als Landeskirche vereinigen wir eine Vielfalt von Menschen, Überzeugungen und Glaubensformen; wir betrachten dies als Bereicherung und achten einander, auch wenn wir uns manchmal gegenseitig widersprechen.

4 solidarisch und oekumenisch

In einer Zeit mit vielgestaltigen Lebensorientierungen gestalten wir unsere Welt aktiv mit. Wir beziehen dabei klar Stellung für einen solidarischen und dialogischen Lebensstil, fördern die Integration unserer Gesellschaft und pflegen die oekumenische und interreligiöse Zusammen-arbeit.

5 miteinander unterwegs

Wir sind miteinander unterwegs in vielfältigen Weggemeinschaften, nehmen uns gegenseitig ernst und begleiten einander diakonisch und seelsorglich durch Freuden und Nöte des Lebens.

6 lebendig und am Leben anknüpfend

Wir kommen zusammen zu vielfältigen Gottesdiensten und Aktivitäten; sie sind lebendig, offen für Neues und knüpfen dort an, wo Menschen von etwas bewegt werden.

7 spirituell

Wir helfen einander, im Leben Sinn und Tiefe zu finden und in Gemeinschaft wie als Einzelpersonen Gott als liebendem Du zu begegnen.

8 einander ergänzend

Wir ergänzen uns als Gemeindeglieder und Mitarbeitende gegenseitig mit unseren Begabungen, arbeiten zusammen und fördern unsere ganzheitliche Entwicklung.

9 partizipativ und Schwerpunkte setzend

Wir arbeiten partizipativ, streben hohe Qualität an und wagen es, Schwerpunkte zu setzen.

10 inhaltsorientiert

Wir überprüfen unsere kirchlichen Strukturen und Finanzzuweisungen regelmässig auf ihre Dienlichkeit und passen sie flexibel neuen Situationen an, weil sie dazu da sind, Leben zu ermöglichen.

 



4. Leitziele unserer Kantonalkirche bis 2005


Als Beitrag der Kantonalkirche zur Verwirklichung unserer gemeinsamen Vision sollen von ihr als Schwerpunkte bis 2005 folgende Leitziele gefördert werden:

 

1 Kirche "nahe bei Gott - nahe bei den Menschen"
     
  a.

Die Vision der St. Galler Kirche "nahe bei Gott - nahe bei den Menschen" ist sowohl im Denken wie auch im Handeln unserer Kirchgemeinden und möglichst auch der Kirchenmitglieder gut verankert.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch vielfältige Medienarbeit und Kommunikation unserer gemeinsamen Vision nach innen und aussen.

 

 

2 Vielfältige Gottesdienste und neue Formen von Spiritualität
     
  a.

Die Vielfalt und Lebendigkeit von Gottesdiensten sowie ihr Ansprechen spezifischer Menschengruppen haben deutlich zugenommen.

     
  b. Neue und vertraute Formen von Spiritualität und Musik sprechen in- und ausserhalb von Kirchenräumen auch neue Gruppen von Menschen an.
     
  c. Offene Kirchentüren laden Einzelpersonen und Kleingruppen zu Zeiten der Ruhe und Beheimatung in unseren Kirchenräumen ein.
     

Die Kantonalkirche fördert dies durch die Vermittlung von Ideen, Modellen und Erfahrungsaustausch.

 

 

3 Jugend und Junge Erwachsene
     
  a.

Das kantonalkirchliche Kinder- und Jugendleitbild ist in einer substantiellen Zahl von Kirchgemeinden und Regionen umgesetzt oder in Umsetzung.

     
  b. Das kantonalkirchliche Netzwerk Junge Erwachsene koordiniert, fördert und trägt eine Vielfalt von Aktivitäten Junger Erwachsener im ganzen Kanton.
     
  c.

Der Anteil Junger Erwachsener in Synode und Kirchenvorsteherschaften ist deutlich näher bei ihrem prozentualen Anteil an Kirchenmitgliedern.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch Bewusstseinsbildung, Erfahrungsaustausch, fachliche Begleitung und die Bereitstellung angemessener finanzieller Mittel und Anreize.

 

 

4 Familien und Kinder

     
  a.

Die Kirchgemeinden setzen einen starken Akzent auf die Arbeit mit Familien und deren Kindern. Sie nehmen diese in ihren unterschiedlichen Formen und Be-dürf-nissen ernst und beteiligen sie an vielfältigen und lebendigen Aktivitäten.

     

Die Kantonalkirche fördert den Ansatz kirchgemeindlicher Arbeit bei Familien und deren Kindern durch die Vermittlung von Ideen, Erfahrungsaustausch und fachliche Begleitung.

   

 

 

5 Katechetik und Bildung

     
  a.

Der Religionsunterricht wird auf allen Stufen lehrplangemäss und mit hoher Qualität erteilt. Er ist gut vernetzt mit anderen kirchlichen Arbeitsfeldern.

     
  b.

Der Konfirmandenunterricht hat an Lebendigkeit und Integration in das übrige Kirchgemeindeleben gewonnen.

     
  c.

Die Erwachsenenbildung arbeitet entsprechend dem kantonalkirchlichen Erwachsenenbildungskonzept 2000 und bietet aktuelle, relevante und ansprechende kirchliche Bildungsangebote sowohl auf lokaler und regionaler wie auch auf kantonaler Ebene.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch Angebot und Sicherstellung entsprechender Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, durch Erfahrungsaustausch sowie durch die Bereitstellung angemessener fachlicher Begleitung und Finanzen.

   

 

 

6 Diakonie und seelsorgliche Begleitung

     
  a.

Die Kirchenmitglieder erleben unsere Kirche durch ihre gut ausgebaute diakonische und seelsorgliche Begleitung als "nahe bei den Menschen", besonders in Zeiten von Lebensübergängen, von Alter, Not und Trauer sowie als gesellschaftlich an den Rand Gedrängte.

     
  b.

Kirchlich Mitarbeitende pflegen deutlich vermehrt den persönlichen Kontakt mit Einzelpersonen in speziellen und alltäglichen Lebenssituationen. Sie nehmen deren Anliegen und Impulse sorgfältig auf, begleiten sie und leben so Menschennähe und "Kirche mit Beinen".

     
  c.

Kasualien und Feiern mit Menschen in besonderen Lebenssituationen werden als wichtige Angebote kurz- oder längerfristiger kirchlicher Weg-gemeinschaft verstanden und darum sorgfältig und persönlich gestaltet und - soweit gewünscht - durch seelsorgliche Begleitung ergänzt.

     
  d.

Verschiedene diakonische Projekte auf lokaler, regionaler und kantonaler Ebene leisten Beiträge zur gesellschaftlichen Integration sowie zur Bewältigung der Situation an den Rand der Gesellschaft gedrängter Menschengruppen und Minderheiten.

     
  e.

Der Kirchliche Sozialdienst an den Berufsschulen ist in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche und dem Kanton St. Gallen substantiell ausgebaut.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch Bewusstseinsbildung und Erfahrungsaustausch sowie durch die Bereitstellung angemessener fachlicher Begleitung und Finanzen.

 

 

 

 

7 Spezialseelsorge und übergemeindliche Gefässe kirchlichen Lebens

     
  a.

Die Menschen erleben Kirche vermehrt auch ausserhalb ihrer Wohnortsgemeinde und Region, zum Beispiel in Diensten der Spezialseelsorge, in den Medien, in übergemeindlichen und oekumenischen Veranstaltungen und Events, in der Offenen Kirche St. Leonhard, in Ferien und bei Freizeitaktivitäten, in der Arbeitswelt, in alters- oder interessenspezifischen Aktivitäten und Projekten.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch die Unterstützung und Stärkung bestehender Dienste sowie neuer Ansätze und Projekte.

   

 

 

8 Dialog mit Welt, Gesellschaft und Andersglaubenden

     
  a.

Kantonalkirche und Kirchgemeinden verfolgen aufmerksam die Entwicklung der sich rasch globalisierenden Welt und Gesellschaft, sie nehmen den kirchlichen Auftrag betreffende Themen auf und leisten nach Möglichkeit international, national oder lokal wirksame Problemlösungsbeiträge.

     
  b.

In einer pluralistischen Welt mit vielgestaltigen Lebensorientierungen nehmen Kantonalkirche und Kirchgemeinden teil am oekumenischen und interreligiösen Dialog und pflegen entsprechende Kontakte und Zusammenarbeit.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch Bewusstseinsbildung und die Bereitstellung entsprechender personeller Kapazitäten und Finanzen; sie handelt in guter Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, kirchlichen Werken und christlichen Partnerkirchen.

   

 

 

9 Führung, Zusammenarbeit und Mitarbeiterförderung

     
  a.

Die Mitglieder der Kirchenvorsteherschaften werden bezüglich einer fachlich kompetenten, kommunikativen und zielorientierten Führung ihrer Kirchgemeinde systematisch gefördert.

     
  b.

Die angestellten und freizeitlichen Mitarbeitenden sind begabungsorientiert und sich gegenseitig ergänzend eingesetzt. Sie erfahren in ihrer persönlichen und fachlichen Entwicklung systematische Förderung und Begleitung.

     
  c.

Mit allen Mitarbeitenden werden periodisch klare Ziele und Schwerpunkte vereinbart und später die daraus folgenden Entwicklungen besprochen. Administrative und strukturelle Aufgaben sind minimal gehalten zugunsten möglichst vieler direkter Kontakte mit Gemeindegliedern.

     
  d.

Die Regionale Zusammenarbeit hat substantielle Fortschritte gemacht und begünstigt personelle und programmliche Vielfalt, fachliche Qualität und Konzentration auf Schwerpunkte.

     
  e.

Der Finanzausgleich ist revidiert und fördert zukunftsgerichtete Strukturen und anpassungsfähige regionale Zusammenarbeit.

     

Die Kantonalkirche fördert dies durch Bildungsangebote, Erfahrungsaustausch, fachliche Begleitung und finanzielle Anreize.

   

 

 

 

 

Prioritäten

In der Vernehmlassung von Sommer 2001 wurden die Leitzielfelder von den Antwortenden wie folgt nach Priorität geordnet (1 = höchste Priorität):

1
2
.....

     
     



5. Ziele und Schwerpunkte unserer Kirchgemeinden und Mitarbeitenden

Alle unsere Kirchgemeinden, Gremien und Mitarbeitenden sind aufgerufen und werden ermutigt, ihre eigenen Tätigkeiten, Ziele und Schwerpunkte periodisch an unserer gemeinsamen Vision der St. Galler Kirche und an obgenannten Leitzielen zu messen und in ihrem Bereich schrittweise und zielgerichtet zu deren Verwirklichung beizutragen.

Die Kantonalkirche bietet dazu Hilfestellung und Begleitung.

"nahe bei Gott - nahe bei den Menschen"

 

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