Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen
 

Jugendsynode 9. Dezember 2000

Inhaltsübersicht:

Die Schluss-Forderungen, –Ideen und –Vorschläge

Die Ergebnisse der drei Diskussionsrunden

Thema 1: Die Kirche als Gemeinschaft fördern
Thema 2: Integration und Mitbestimmung der Jugendlichen
Thema 3: Obligatorische Angebote contra Freiwillige Aktivitäten
Thema 4: Wie viel Aktivitäten für Junge braucht es?
Thema 5: Freiwillige und Ehrenamtliche
Thema 6: regionale/überkonfessionelle Zusammenarbeit
Thema 7: Sonntagsgottesdienst
Thema 8: Die Musik in der Kirche
Thema 9: Unterstützung der Eigeninitiative von Jugendlichen

 

Die Schluss-Forderungen, –Ideen und –Vorschläge

nach Punktzahlen geordnet

1.   Die Kirche fördert Gemeinschaft aktiv, z.B. mit Apéro nach dem Gottesdienst, Pflege der Ökumene, Gottesdienst auf Strassen und Plätzen (nicht nur hinter verschlossener Türe) und weiteren kreativen Ideen.

2.   Es gibt vielfältige und mehr Aktivitäten für Junge, von Fun bis Gottesdienst, z.B. Weekends, mindestens eine Jugendgruppe pro Region, erleichterten Zugang zu Jugendgruppen und Hauskreisen für Interessierte.

3.      Pfarrerinnen und Pfarrer sollen einfacher predigen und Bezug zu Lebenssituationen und Aktuellem suchen und aufzeigen.

4.      Jugendliche wollen Gottesdienste mitgestalten und so auch alte Traditionen gemeinsam brechen.

5.      Ein regionaler, umfassender Veranstaltungskalender und ein Adressenverzeichnis von Schlüsselpersonen soll für alle erhältlich sein.

6.      Für freiwillige kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Aus- und Weiterbildung zu verstärken. Dabei sind die Ausbildungsquellen der Jugendverbände (Blaues Kreuz, Cevi, JK) zu nutzen und zu fördern. Ausserdem soll geleistete ehrenamtliche Tätigkeit besser anerkannt werden.

7.      Keine Mindestanzahl Gottesdienstbesuche für Konfirmanden mehr. Obligatorisches schreckt ab! Jugendliche sollen Kirche und Glauben nicht so negativ kennen lernen.

8.      Die Musik in der Kirche soll allen Altersgruppen gefallen – aber ohne jemanden zu vertreiben.

9.      Es sind Jugendsitze in den Kirchenvorsteherschaften zu ermöglichen.

10.  Eigeninitiative soll willkommen sein und die Meinung Jugendlicher allgemein gefragt.

Die Ergebnisse der drei Diskussionsrunden

Hier folgen die jeweils zwei bis vier wichtigsten Sätze der neun gewählten Themen, welche über drei Diskussionsrunden (1. Analyse; 2. Diskussion; 3. Zuspitzung, Formulieren von Ideen, Vorschlägen, Forderungen) bearbeitet wurden. Die Sätze sind nach Punktzahlen geordnet.

Die Themen wurden in der Startrunde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selber bestimmt.

Thema 1: Die Kirche als Gemeinschaft fördern

Der entsprechende Satz aus dem in Entstehung begriffenen Kinder- und Jugendleitbild: Die Kirche fördert die Beziehung der Kinder und Jugendlichen zu sich selbst, zueinander und zu Gott.

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Ich erlebe keine Gemeinschaft im Sonntagmorgengottesdienst.
  • Gemeinschaft nach dem Gottesdienst z.B. mit Apéro oder Kirchenkaffee.
  • Zeigt die Kirche den Weg zur Gemeinschaft mit Gott wirklich auf (Jesus)?
  • Zusammen sein und miteinander auf dem Weg sein. Etwas gemeinsam haben (IG).
  • Gemeinsame Interessen fördern; im Gottesdienst z.B. Hände halten beim Beten.

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Immer wieder die gesamte Öffentlichkeit einladen (Gemeinschaft der Kirche mit anderen); auch z.B. auf der Strasse, Feste nicht immer nur in der Kirche (hinter verschlossenen Türen) feiern.
  • Apéro nach dem Gottesdienst.
  • In der Adventszeit Kerzen von Haus zu Haus gehen lassen mit „Buch“, in das jeder einen Wunsch, Gebet etc. schreibt; Kerze weiter geben = Besuch bei deinem Nachbar.
  • Ökumene!
  • Hauskreise speziell für Jugendliche.

Thema 2: Integration und Mitbestimmung der Jugendlichen

Der entsprechende Satz aus dem in Entstehung begriffenen Kinder- und Jugendleitbild: Mitbestimmung, Verantwortungsbewusstsein und kreative Mitgestaltung von Kindern und Jugendlichen unterstützen.

1.  + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Nicht immer warten bis wir angesprochen werden = Eigeninitiative!
  • Jugendsitz im Kirchenrat = von den Jugendlichen gewählt.
  • Jugendliche, welche die biblische Botschaft in sich tragen, wären auch bereit, mitzuarbeiten.

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen:

  • Jugendsitz im Kirchenrat.
  • Unsere Eigeninitiative soll willkommen sein, und unsere Meinung allgemein gefragt.
  • Die Jugendarbeit kann auch von der „reiferen Generation“ im Gebet, durch Nachfrage und Ermutigung getragen werden.

Thema 3: Obligatorische Angebote contra Freiwillige Aktivitäten

Der entsprechende Satz aus dem in Entstehung begriffenen Kinder- und Jugendleitbild: Freiwillige kirchliche Aktivitäten werden gefördert, obligatorische Angebote und Strukturen reduziert.

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Obligatorium schreckt die meisten Jugendlichen nur ab! Freiwilliges findet wenig Anklang.
  • Wenn jemand freiwillig etwas organisiert, setzt er sich auch mehr dafür ein, als wenn er dazu gezwungen wird.
  • Was macht die Konfirmation für einen Sinn, wenn der Entscheid dazu nicht selber gefällt werden kann? Bedeutung wird verdreht.

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Obligatorium schreckt nur ab! Die Leute sollen die Kirche/Glauben nicht so negativ kennen lernen!
  • Keine Mindestgrenze für Gottesdienstbesuche von Konfirmanden!
  • Gute Lösung zwischen Obligatorium und freiwilligen Diensten finden.

 

Thema 4: Wie viel Aktivitäten für Junge braucht es?

Der entsprechende Satz aus dem in Entstehung begriffenen Kinder- und Jugendleitbild: Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf kirchliche ausserschulische Aktivitäten.

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Kaffee für Jugendliche; Meeting Point ... Hier können die Jugendlichen „abgeholt“ und motiviert werden = Wichtige Entscheidungen für das Glaubensleben.
  • Wenn man sich etwas umhört, sind eigentlich viele Angebote da. Oft fehlen nur die Infos darüber.
  • Jungscharlager sind als Erlebnis toll. Negativ: Wenn das Angebot nicht allen Alterstufen zur Verfügung steht.
  • Offener Raum für freie Diskussionen.
  • Zerstören von fremden Eigentum (im Jugendtreff) schade!

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Bewusst normale Fun-Anlässe und christliche Anlässe anbieten.
  • Den Interessierten Zugang zu JG, Hauskreis ... erleichtern
  • Mindestens eine Jugendgruppe und eine Erwachsenengruppe pro Region.
  • Weekends für Junge (Cevi).

Thema 5: Freiwillige und Ehrenamtliche

Der entsprechende Satz aus dem in Entstehung begriffenen Kinder- und Jugendleitbild: Freiwillige und Ehrenamtliche werden ihrer Aufgabe entsprechend aus- und weitergebildet.

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Gruppen sind oft von nur einer freiwilligen Person abhängig. Wenn diese geht...
  • Bewusstsein für vorhandene Leiter fehlt = für mich keine Motivation.
  • Zusammenarbeit in der Ausbildung mit kirchennahen Institutionen und Vereinen (z.B. Cevi).

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Ausbildungsquellen nutzen und fördern (z.B. Blaues Kreuz, Cevi, etc.).
  • Aus- und Weiterbildung soll in den einzelnen Gruppen der Kirche gefördert werden. Verantwortung soll von den Leitern abgegeben werden und ebenso von „Hilfsleitern“.
  • Freiwillige auch verdanken mit z.B. einem Essen etc.

 

Thema 6: regionale/überkonfessionelle Zusammenarbeit

Der entsprechende Satz aus dem in Entstehung begriffenen Kinder- und Jugendleitbild: Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit sucht und fördert die Vernetzung und Zusammenarbeit.

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Informationen/Werbung ist meist ungenügend verbreitet. .
  • Kirchgemeinden sollen mehr zusammen arbeiten und nicht konkurrieren
    > grösseres Budget für Anlässe
    > mehr Besucher und Organisatoren
  • Zusammenarbeit mit Freikirchen und Katholiken:
    • Vorurteile abbauen
    • Synergien nutzen
    • einander kennen lernen
    • Mehrspurigkeiten verhindern = gemeinsam sind wir stark!

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Ein regionaler umfassender Veranstaltungskalender = für jeden erhältlich
  • Adressverzeichnis erstellen damit man schneller Personen aus der Region findet mit denen man in einer bestimmten Sache zusammen arbeiten kann.
  • Gemeinsame Internetauftritte. Arbeitsgruppe, welche für Infos zuständig ist und diese verbreitet.

Thema 7: Sonntagsgottesdienst

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Lasst uns eine Kirche sein die LEBT!
  • Manchmal ist es schwierig, den Predigen zu folgen.
  • Ich vermisse oft die konkrete biblische Botschaft.

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Allgemein soll sich der Pfarrer für die Gemeinde einsetzen und mitleben.
  • Der Pfarrer muss aber nicht überall dabei sein.
  • Der Pfarrer soll einfacher predigen und auch Bezug zu Lebens-situationen und zur heutigen Zeit suchen und aufzeigen
  • Wir wollen den Gottesdienst mitgestalten und so auch eingesessene Traditionen gemeinsam brechen.

 

Thema 8: Die Musik in der Kirche

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Gerade im Jugendgottesdienst müsste man aktuellere Lieder singen = alle würden mitsingen.
  • Man sollte auch Lieder aus der heutigen Zeit singen. Es gibt viele neue Lieder die einen kirchlichen Hintergrund haben, die einfach auf englisch gesungen sind (z.B. Cavayon, Lagerlieder: Country Roads etc.).
  • Mich stört weniger die Art der Musik, als die lustlose Haltung wie sie gesungen wird.
  • Wir wollen zwar Jugendliche in die Kirche „locken“, andere aber trotzdem nicht verlieren.

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Man müsste einen Stil für alle Altersgruppen finden, der allen zusagt ohne die einten oder anderen zu vertreiben.
  • Bewegung in den Gottesdienst bringen mit z.B. klatschen, sich die Hände geben, verschiedene Instrumente (Rasseln, Trommeln ...), auch zu den traditionellen Kirchenliedern.
  • Lobpreis-Teams bilden.

Thema 9: Unterstützung der Eigeninitiative von Jugendlichen

1. + 2. Runde > Analyse und Diskussion: 

  • Beim (vor dem) Starten eines Projektes bei der Kirchgemeinde anfragen, von welcher Person man konkrete Unterstützung erhält. Mit dieser Person in regelmässigem Kontakt bleiben.
  • Die Kontaktperson verpflichtet sich, die ihr anvertrauten Jugendlichen nach Kräften zu unterstützen ohne sich zu sehr einzumischen. 

3. Runde > Ideen, Vorschläge, Forderungen: 

  • Ohne Kommunikation geht nichts! Ansprechpersonen sollen bekannt sein.
  • Verantwortungsperson soll auch selber Initiative ergreifen und Ideen einbringen (oft Unentschlossenheit/Unsicherheit bei einer Gruppe von jüngeren Personen). 
  • Siehe 1. Satz Punkt 1 + 2

© Dez. 2000, Arbeitsstelle für Jugendfragen und Diakonie, Oberer Graben 31, 9000 St. Gallen


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