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Zugang zum Gedächtnis der Kirche
Historische Dokumente der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen erschlossen
In Kooperation zwischen dem Staatsarchiv des Kantons St.Gallen und der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons wurde während 18 Monaten das Archiv der Kantonalkirche erschlossen. Rund vierzig Laufmeter Akten, Amtsbücher und Druckschriften sind nun auf http://scope.staatsarchiv.sg.ch einsehbar.
Die Ausgangslage war klar: Das Geschäftsreglement des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen schreibt dem Kirchenschreiber vor, ein Archiv zu führen. Dies ist zwar für die aktuellen Akten nicht mit ausserordentlichen Schwierigkeiten verbunden. Doch seit dem Zusammengehen der Kirchenregionen St.Gallen, Rheintal und Toggenburg zur St.Galler Kantonalkirche ist einiges an Papier zusammengekommen. Die drei sogenannten Kapitel hatten sich nämlich im Zuge der Kantonsgründung im Jahre 1803 zur Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen konstituiert. Zudem verfügten auch die einzelnen Regionen schon vor dem Zusammenschluss über eigene kleinere Archivbestände, die nach 1803 weiter anwuchsen.
Ins Staatsarchiv gezügelt
Knapp zweihundert Jahre später brachten die kirchlichen Akten, Amtsbücher und Druckschriften rund vierzig Laufmeter auf die Reihe. Sie waren weder einheitlich gegliedert, noch für die Öffentlichkeit erschlossen. Ein Teil lagerte im Stadtarchiv der St.Galler Ortsbürgergemeinde, ein Teil im Haus zur Perle, dem Verwaltungsgebäude der Kantonalkirche.
In einer ersten Zügelaktion im Jahre 2001 wurden die kirchlichen Akten vom Stadtarchiv der Ortsbürger ins Staatsarchiv des Kantons verschoben. Beim Anblick der zahlreichen Kisten hätten sie eine Ahnung über Umfang und historische Bedeutung des Materials erhalten, sagt Markus Bernet, derzeitiger Kirchenschreiber der Evangelisch-reformierten Kantonalkirche.
Zwei Jahre später gelangte Bernet zusammen mit Alt-Kirchenrats-Präsident Karl Graf daher im Namen der Kantonalkirche mit der Anfrage an das Staatsarchiv, die kirchlichen Akten fachgerecht zu erschliessen. Patric Schnitzer, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Staatsarchivs, erarbeitete ein Kosten- und Bearbeitungskonzept. In einer Vereinbarung zwischen Kantonalkirche und Staatsarchiv wurde dieses schliesslich gutgeheissen. Das Archiv stellte geeignete Räumlichkeiten, die Informatik-Infrastruktur und Know-how zur Verfügung. Die Kirche übernahm die Kosten für Personal und Material von rund 100 000 Franken.
So hiess es erneut zügeln. Sämtliche Akten, welche aus der Zeit vor 1970 datierten, wurden vom Verwaltungsgebäude der Kantonalkirche am Oberen Graben ins Staatsarchiv in die Pfalz überführt. Dann begann Patric Schnitzer mit Sichten, Ordnen und Katalogisieren, um schliesslich alles in konservatorisch einwandfreie, säurefreie Mäppchen und Archivschachteln umzupacken. Anschliessend wurden die Dokumente im Kulturgüterschutzraum eingelagert.
Öffentlich zugänglich
Nun, knapp zwei Jahre später ist die grosse Arbeit vollbracht. Das Archivgut der Kantonalkirche ist gesichert und erschlossen. Die Verzeichnisse der Archivbestände sind ab 2008 über das Internet für die Öffentlichkeit einsehbar. Zudem ist es für Interessierte möglich, direkt im Archiv zu recherchieren.
Für das Staatsarchiv sei diese Form der Zusammenarbeit ideal gewesen, sagt Patric Schnitzer. Das Archiv habe grosses Interesse, für die Geschichte des Kantons wichtige Fremdbestände übernehmen zu können, allerdings fehlten oft die Mittel, um diese innert nützlicher Frist erschliessen zu können. Die eingegangene Kooperation zwischen Kirche und Staat biete nun allen einen Mehrwert – dem Staatsarchiv, der Kantonalkirche und der Öffentlichkeit, freuen sich Bernet und Schnitzer.
kid/Ack
Vielfältige Quellen
Kirchliche Archivbestände seien einerseits Gedächtnisse kirchlicher Kultur und religiösen Lebens, andererseits vermittelten sie grundlegende Informationen zum Miteinander von Staat und Kirche, sagt Patric Schnitzer, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des St.Galler Staatsarchiv. „Durch die enge Verflechtung und Zusammenarbeit kirchlicher und staatlicher Institutionen bis weit ins 20. Jahrhundert sind kirchliche Archive vielfältige Quellen, insbesondere in Bezug auf die Regionalgeschichte“. So sei es nur schwer vorstellbar, dass heute eine Ortsgeschichte ohne Sichtung der kirchlichen Quellen erstellt werden könne. Schnitzer denkt in diesem Zusammenhang etwa an die Sozial- und Mentalitätsgeschichte, an das Schul- und Bauwesen oder die Personengeschichtsschreibung.
kid/Ack
Der Katalog zu den Archivbeständen der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen ist im Internet unter dem Recherchezugang des Staatsarchivs einsehbar: http://scope.staatsarchiv.sg.ch
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